crazy

Breaking Surface

Lungenzange

von Leimbacher-Mario
Zwei (Halb-)Schwestern gehen im eiskalten Norwegen, abgelegen und riskant, tauchen. Doch als die eine, weitaus fähigere (!) Frau von einem dicken, herabstürzenden Felsbrocken in die Tiefe gedrückt und eingeklemmt wird, wird die Luft langsam knapp und Panik macht sich breit – und das nicht nur bei Zuschauern mit Asthma oder Platzangst... „Breaking Surface“ ist ein Taucherthriller der aufregenden und feinsten Sorte. Ich kenne mich mit dem Hobby, der Sportart, nicht besonders aus, könnte mir aber vorstellen, dass hier die Details und Kleinigkeiten schon erstaunlich stimmig sind. Seine Daseinsberechtigung verdient der Atemstocker locker, da es ja gar nicht so viele „Diving Dramen“ gibt, diese wenn dann sonst meist billig mit Haien oder Monstern verknüpft werden. Hier ist das zum Glück nicht der Fall, es geht allein gegen die Zeit, die innere Unfähigkeit und Hektik, die Natur – und davon kann sich etwa ein „47 Meters Down“ drei Scheiben von abschneiden.

Die Panoramen sind atemberaubend schön, das Unterwassergefühl macht ehrfürchtig und wirkt erdrückend, die Darstellerinnen geben alles. So weit, so gut. Verdammt gut sogar. Einer der besseren Taucherfilme, die je gemacht wurden, würde ich mutig behaupten. Selbst wenn/Gerade weil es wie gesagt wenig ernstzunehmende Konkurrenz und Vorbilder gibt. Aber jetzt kommt mein Fettes ABER. (Leider.) Denn verdammt nochmal, verhält sich die „freie“ Schwester bitteschön unfähig und jämmerlich. Oh man. Gerade im Vergleich zu der ungleich professionellen, ruhigeren, eingeklemmten Dame. Die Anzahl an Unglücken, Missgeschicken und fragwürdigen Entscheidungen ist haarsträubend, konstruiert und deutlich Kernstück des Films. Und das kann frustrieren. Selbst wenn man natürlich den unfassbaren Stress einberechnen muss und nicht weiß, ob man selbst nicht noch bescheuerter handeln und direkt gegen den nächsten Felsen laufen würde, sodass der Film zu Ende und die Schwester tot wäre. Dennoch kommt man als Zuschauer nicht drumrum sich hier oft an den Kopf zu fassen oder gar gehässig und unpassend zu lachen. Aber die blonde Madame hat es kaum anders verdient. Setzt man darauf noch ein ärgerliches Finale, das sich halbwegs erfahrene Zuschauer schon nach der ersten Szene denken können, plus ganz entscheidende, letzte Momente zum Haareraufen, dann muss ich deutlich sagen: Hier war sooo viel mehr drin...

Fazit: Frustrierendstes Figurenverhalten und unnötige, schwer nachvollziehbare Drehbuchentscheidungen ziehen einen der spannendsten Taucherthriller überhaupt gehörig in die Tiefe. Da bleiben einem Spucke und Luft gleichermaßen weg. Gut und packend ist er dennoch. Mindestens.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

26.09.2020, 17:34



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