The Personal History of David Copperfield

Charles Dickens' A Series of unfortunate Events

von Herr_Kees
Armando Iannuccis Spezialität sind für gewöhnlich schnelle scharfzüngige verbale Schlagabtäusche in geschlossenen Räumen, wie sie u. a. hochgelobt und preisgekrönt in THE THICK OF IT, VEEP und THE DEATH OF STALIN exerziert wurden.

Für diese einigermaßen freie Literaturadaption (der Cast setzt sich aus Nationalitäten und Hautfarben zusammen, die eher ein heutiges Bild Großbritanniens repräsentiert) hat sich Iannucci an einer stärker cineastischen und deutlich bewegteren Bildsprache versucht. Mit gemischtem Ergebnis: Inszenierung und Tonalität des Films sind sozusagen „all over the place“.

Von ernsthaftem Drama bis zu absurd-hysterischer Komödie à la Terry Gilliam ist alles dabei, manche Sequenzen sind höchst konventionell inszeniert, andere wieder verspielter, wobei der Einfallsreichtum der gern zitierten Gondry oder Jeunet niemals auch nur ansatzweise erreicht werden.

Wie bei vielen episodisch aufgebauten Filmen funktioniert einiges gut, anderes weniger, auch abhängig von den Darstellern und ihren Rollen. So sind die Szenen mit Tilda Swinton, Hugh Laurie und der Entdeckung Morfydd Clark (Copperfields Love interest Dora) nahezu alle herrlich komisch, andere eher zäh und nervig, die Dialoge jedoch, die sich häufig auch mit der Sprache selbst beschäftigen, sind durchweg geschliffen, wenn auch nicht so satirisch überspitzt oder bissig wie in Iannuccis sonstigem Werk.

Richtig langweilig wird es dadurch zum Glück nie – so bleibt gepflegtes Entertainment für einen verregneten Sonntagnachmittag.
Herr_Kees
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

27.09.2020, 01:33



Weitere Informationen (externe Links):