The Personal History of David Copperfield

Kleine Gesten, großer Gentleman

von Leimbacher-Mario
Bisher eher für intelligent-bissige Polit-Satiren bekannt, macht sich Herr Iannucci nun an eine Charles Dickens-Verfilmung – natürlich in seiner ganz eigenen Art. Wer mit „In the Loop“ und „Death of Stalin“ schon nichts anfangen konnte, bei dem ist es unwahrscheinlich, dass ihn „David Copperfield“ umstimmt. Dennoch hat er wesentlich mehr Wärme und Herz als die beiden vorangegangen Werke des umstrittenen und beim Mainstream noch lange nicht angekommenen Regisseurs. Wir folgen dem titelgebenden Herrn durch (ca.) die erste Hälfte seines Lebens – und dabei erlebt er jede Menge erinnerungswürdige Charaktere, ist mal reich und mal arm, lebt in mehreren Familien und Verhältnissen, sodass er aus diesem bunten, lehrreichen Potpourri am Ende als Schriftsteller einen profitablen Hit entwickelt...

Charles Dickens-Verfilmungen gibt es viele – eine wie diese noch nicht. Nichtmal ansatzweise. Iannucci setzt beim gewinnenden Dev Patel an, geht über etliche audiovisuelle Spielereien und quirlige, spleenige Nebenfiguren bis hin zu einem großen Bogen, eine zeitlose Message, einem positiven Gefühl, mit dem man das Kino verlässt, dass einem vor Sympathie und Freude fast schwindelig werden kann. Die Dialoge und Spielarten sind extra überhöht und gerade deshalb köstlich, es sind einige hochkarätige Darsteller an Bord, die nicht enttäuschen, und in den vielen Abenteuern und Begegnungen des Herrn Copperfield müsste eigentlich jeder genug wiedererkennen und lernen. Spaß macht die Sache eh maßlos. Intelligent, erwachsen, taktvoll. Wer mit Iannuccis Art und Humor nicht klarkommt, dürfte auch hier abwinken. Für alle anderen kann es nur eine dicke Empfehlung geben. Britisch, unsteif, freudig. Von Eseln und harten Kuchen, von fliegenden Gedanken und Reichtum im Herzen, von Freunden und Monstern, von Liebe für Mitmenschen und das Kino selbst. Unbedingt im O-Ton gucken – und selbst Untertitel weglassen. Denn egal wenn man nicht alles 100 % versteht – viele dieser maßgeschneiderten Dialoge und Worte sind einfach nicht übersetzbar!

Fazit: Selbst der Ex-Mann von Claudia Schiffer hätte das nicht zauberhafter hinbekommen. Typisch Iannucci – nur süßer und weniger zynisch. Sogar leichte „Big Fish“-Vibes. Messerscharf geschrieben, hochkarätig gespielt, zackig inszeniert. Sehr liebenswert und weise. „David Copperfield“ wächst einem ans Herz!
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

28.09.2020, 16:28



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