Get the Hell Out

Hitzige Debatte

von Leimbacher-Mario
Berichte und Bilder aus asiatischen Parlamenten, in denen sich geprügelt und mit Sachen geworfen wird – danach muss man im Netz nicht allzu lange suchen, das scheint dort absolut gängig zu sein. Dagegen wirkt das (zum Glück!) ohnehin schon unter westlichen Maßstäben recht behäbige deutsche Parlament wie ein Friedhof. Aus unserer Sicht sind die dortigen Verhältnisse also im besten Fall erheiternd bis eher peinlich und massiv seltsam. Und „Get the Hell Out“ aus Taiwan macht sich in einer mehr als durchgedrehten, flotten, saftigen Zombiekomödie über genau solche befremdlichen Zustände und bescheuerten Politiker lustig. Denn hier bricht im abgeriegelten Parlament eine Zombieseuche aus, die den dort eingeschlossenen Überlebenden einiges abverlangt...

„Get the Hell Out“ ist grell, geht ab wie ein Zäpfchen und kann sicher einige schneller nerven als man „Stichwahl“ gesagt hat. Aber mich hat diese Mitternachtsparty mit pfeilschnellen Untertiteln, matschigem Martial Arts und hektoliterweise Blut einfach rauschartig mitgezogen und umgehauen. Sicher mit nicht zu unterschätzendem Festivalbonus mit ausrastender Meute im Rücken, sicher kein Film um ihn nüchtern und alleine daheim zu gucken. Fuck Screener und Presselinks! Aber im Kino mit Gleichgesinnten (wo er hingehört!) entfaltet er sein völliges, kultiges Potenzial. Von Karaoke bis zu giftigem Blut, von bizarren Werbeeinspielern bis zu frecher Beamtenbeleidigung, von Fingernagelklippern bis zu Mutantenarmen – hier ist alles und mehr drin, als das normale westliche Gehirn verarbeiten und vertragen kann. Und genau diese unschuldige, naive und typisch asiatische Maßlosigkeit macht enorm an. Das ist alles andere als subtil und clever, eher brutal ins Gesicht – aber mit einer derart naiven und kreativen und unberechenbaren Freude, dass ich mich dem nie auch nur eine Sekunde entziehen wollte. Ein Geschoss wie der High Speed Rail – da will man nicht im Weg stehen!

Fazit: Begnadet blutiges, kurzweiliges, kreatives und hyperaktives Mitternachtsschätzchen. Ein fleischgewordener Manga. Eine wahnwitzige Mischung aus „Scott Pilgrim“ und „Train to Busan“ mit klarer Kante an solche unfreiwillig komischen „Volksvertretungen“. Bei mir Festivalbonus. Aber auch sonst: Der hält dich wach und auf Zack! Ist er zu schnell, bist du zu schwach.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

28.09.2020, 17:03



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