The Reckoning

Für Charlotte

von Leimbacher-Mario
Frauen, Liebe, Sex – all das kann in der richtigen Kombination dem mächtigsten Mann den Kopf verdrehen. So muss es dem guten Neil Marshall auch ergangen sein, als er mit der attraktiven und ehrgeizigen Charlotte Kirk anbandelte (die probierte das übrigens nicht nur bei ihm, sondern auch mit einigen in der Hollywoodhierarchie noch wesentlich höheren Herrschaften!). Und dann wird natürlich irgendwann auch ein Film fällig, der der „netten“ Maid auf den knackigen Leib geschneidert ist. Und da wären wir bei „The Reckoning“, einer Geschichte über Hexenverfolgung, Folter und scheinbar unkaputtbaren Lippenstift. Oder so ähnlich. Das mag gehässig und etwas zu negativ klingen, denn ich halte „The Reckoning“ jetzt nicht für eine waschechte Gurke, er hat sogar echt starke, saftige, neblige und nackte Momente für meinen Geschmack, aber der richtige Film um sich aus dem erschreckenden „Hellboy“-Tief zu befreien sieht natürlich anders aus...

„The Reckoning“ würde gerne irgendwo in die großen Fußstapfen von „Hexen bis aufs Blut gequält“, „Passion of Joan D'Arc“ oder „Witchfinder General“ treten, stolpert dabei aber doch etliche Male über die eigenen, billigen Beine. Charlotte Kirk ist nahezu in jeder Szene und auch sehr ansehnlich, zeigefreudig, sicher nicht komplett unbegabt. Es wird auch fies gefoltert (meist aber leider im Off), einige Splattereien sind erfreulich handfest und man sieht solche cheesy Mittelalterschinken und B-Movies nicht mehr allzu häufig auf diesem Niveau, mit diesem Budget. Die Teufelskreaturen sehen hier z. B. fabelhaft aus und zwischendurch blitzt alte Könnerschaft Marshalls durch. Doch insgesamt ist das oft lächerlich, ermüdend und nicht ansatzweise auf dem Niveau, das der Herr vor 15 Jahren noch erreichen konnte. Ich hoffe, nun sind alle „Schulden“ beglichen und das nächste Projekt rückt seiner Madame Kirk etwas vom Leib.

Fazit: Auftragsarbeit für seine Geliebte/Muse? Hochglanztrash? Haarspray für Hexenjäger? Zurück zu den Wurzeln für Marshall? Hexen und Zuschauer bis aufs Mark gequält? Das andere Ende des „Fanny Lye“-Subgenres? Gurkenalarm? Mittelalter-TV-Werbung? Pandemie-Nostradamus? Vanityprojekt? Drei-Folter-Taft? Witchhunter Penneral? Muss das weit über 100 Minuten gehen? Mmmmh. Keine klare Gurke für mich. Aber toll genauso wenig. Coole, handgemachte Teufelchen. Sexy „Hexy“.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

28.09.2020, 16:42



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