Violation

Pseudo Arthouse Langeweile

von Jimmyjohnjamesmyer
Langsam sollte ich gelernt haben, dass Filme die mit "Der Film war so extrem, dass die Hälfte des Publikums beim Premierescreening auf Festival X schreiend aus dem Kino liefen und tagelang nur noch nach Muttis Brust geschrien haben" fast immer Müll sind.

So auch zielsicher "Violation"... irgendwo zwischen Rape/Revenge und künstlichem Arthouse Drama mit ein paar kalkulierten aber immer noch halbgaren Schockszenen geschmückt, hat der Film mich wie ein Lars von Trier etwas wütend über sein ganzes Pseudo Gehabe entlassen mit einem Ende, das der lahmen Chose wirklich noch den letzten Drive genommen hat.

Es ist eine relativ simple Rape/Revenge Geschichte, die den Bösewicht nicht als bösen Mann aus dem Wald, sondern statistikgerecht als gut bekannten Freund/Familie zeichnet.
Das war's dann aber auch schon für Realismus oder Story, die einen ansprechen könnte, denn der Rest ist unspektakulär und aufgeblasen überkompliziert erzählt mit einer völlig sinnlos zerstückelten Timeline, die den Film wohl tiefer wirken lassen will, als er ist.
Dummerweise macht diese Erzählweise den Film noch weniger packend oder dramatisch als er eh schon ist. Man fragt sich da genau wie beim Verhalten der Hauptdarstellerin, was zum Teufel das eigentlich alles soll. Effektiv dreht sich alles um eine Szene, bei der mir jetzt noch unklar ist, ob es die Gewalt oder die Darstellung von unbedeckten Genitalien ist, die hier so schocken soll oder angeblich geschockt hat. Die Szene ging an mir in etwa so vorbei wie das komische unentschlossene Gezicke des Zentralcharakters, das man am Ende noch mal so auf die Spitze getrieben hat, das sämtliche Sympathien für sie verflogen sind und man dankbar für die Credits am Ende war.

Komplett verzichtbar und künstlich aufgeblasen. Ich habe kein Problem mit einer zerstückelten Timeline, wenn sie dem Plot bzw. der Irreführung des Zuschauers auf ein emotionales Ziel hin dient. "Red White & Blue" hat etwas ziemlich Ähnliches mit ähnlichen Gewaltausbrüchen und einer ähnlichen Moral (so wie ich das "Violation" Chaos interpretieren würde) erfolgreich getan.
Es geht also... was niemals funktioniert, ist seinen Film mit einer Szene zu vermarkten und alle in einen Langweilerfilm zu locken, aus dem sie vor Ekel herausrennen... nicht weil die Szenen so schockieren, sondern weil das Marketing mal wieder so abstoßend kalkuliert war.
Jimmyjohnjamesmyer
sah diesen Film im Astor Film Lounge, Berlin

29.06.2021, 20:48



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