Hunter Hunter

Der Mensch, nicht das Tier, ist des Menschen schlimmster Feind

von Alexander
Eine Familie irgendwo in den Backwoods, ein Leben gerade so außerhalb der Reichweite der sog. „Zivilisation“, auf sich gestellt, tief im Wald. Das Leben karg aber anscheinend friedlich. Aus Überzeugung lebt hier die Familie am Rande der verpesteten Stadt, friedlich und von der Jagd und dem Fallenstellen lebend und isoliert vom Gestank der restlichen Menschheit. Es könnte so wunderbar sein.

Doch ein „böser Wolf“ zieht neuerdings offensichtlich seine Kreise und die vermeintlich gefährdende Schlinge immer enger um die eigene Behausung, sodass der Patriarch auszieht, das Tier zu jagen…

So beginnt ein bemerkenswerter Beitrag des diesjährigen Fantasy Filmfests, der den Zuschauer vor allem durch seine für lange Zeit vollkommen im unklaren Nebel der Andeutungen schwebende Bedrohung in seinen Bann zieht.

Der „erfahrene“ Zuschauer vermutet natürlich sofort die ein oder andere Bedrohung und nimmt die Witterung der Gefahr sicherlich so rasch auf, wie der seine Bahnen laufende Wolf in den Tiefen des Waldes…

„Hunter Hunter“ beeindruckt dann gleich mehrfach. Zum einen durch seine geniale, sich fast schmerzhaft langsam aufbauende Spannung, die eine nicht wirklich wahrzunehmende Bedrohung in prickelnder Kälte dem sensiblen Zuschauer eiskalt auf die Gänsehaut nagelt, zum anderen durch das großartige Spiel der wenigen Darsteller, deren Verletzlichkeit inmitten der Wildnis einen weiteren Marker im Feld einer immer omnipräsenten Angst setzt.

Mit einfachen Mitteln wird hier eine ganz wunderbare Atmosphäre des Horrors aufgebaut, und der weitere Verlauf der tragischen Geschichte in sich langsam ausweitenden Bahnen zu einem wirklich üblen Drama verdichtet.

Dabei gipfelt der eigentlich mehr als ruhig inszenierte Film in einem so grotesk brutal überzeichneten Finale, dass es dem Horrorfan ein befriedigendes Fest sein mag, so mancher unbedarfte Zuschauer aber in die Popcorntüte kotzen könnte. Sehr genial gemacht, und bei all seiner verletzenden Tragik irgendwie auch konsequent und auf bizarre Art und Weise auch befriedigend.
Alexander

14.09.2021, 21:07



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