Ted K

Bombings for Future

von Herr_Kees
Man könnte Theodore Kaczynski als einen frühen und sehr extremen Umweltaktivisten bezeichnen. Der sozial ungeübte Eigenbrötler lebt seit 25 Jahren naturverbunden in einer winzigen Hütte in den Bergen Montanas. Seinen Zorn auf tieffliegende Düsenjets, versprühte Pestizide und die Ausbeutung der Natur kann man bestens nachvollziehen und seine Auslassungen gegenüber der aufkommenden Computertechnologie als Bedrohung der Menschheit wirken im Zeitalter von Wahlmanipulation und Hassverbreitung durch Social Media, selbstfahrende Autos und „intelligente“ Waffen nahezu prophetisch.

Die Sache ist nur: Ted K. treibt seinen Protest etwas zu weit und wird als der „Unabomber“ in die amerikanische Kriminalgeschichte eingehen.

Der Film von Tony Stone ist – wie uns eine Texttafel zu Beginn informiert – maximal authentisch unterfüttert, wurde an Originalschauplätzen in Montana gedreht und verwendet ausschließlich Originalzitate aus Kaczynskis codierten Aufzeichnungen für die inneren Monologe.

Zwei Stunden mit einem Bombenattentäter in seiner Hütte, das klingt nicht gerade nach einer atemberaubenden Filmerfahrung. Doch TED K. ist u. a. durch sein Sounddesign, eingestreute Fantasiesequenzen und vor allem Sharlto Copleys intensives Spiel ungeheuer immersiv gestaltet, wir sind immer in Teds Kopf und hautnah dabei, wenn er seine ersten explosiven Experimente startet, sich mit Jobs herumschlägt, um Bombenbaumaterial kaufen zu können und schließlich seine speziellen Pakete ausliefert. Das ist spannender als zwei Staffeln MINDHUNTERS.
Herr_Kees
sah diesen Film im Gloria, Stuttgart

24.10.2021, 23:49



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