crazy

Spiritwalker

Körperchen wechsel dich

von D.S.
Nicht die schlechteste Idee präsentiert uns SPIRITWALKER: Ein Mann erwacht nach einem Unfall alle 12 Stunden in einem anderen Körper, wobei er das Bewusstsein des eigentlichen Besitzers dieses Körpers vorübergehend verdrängt. Wer er eigentlich selbst ist, wer die Menschen sind, deren Körper er übernimmt, wo sich sein eigener Körper befindet: All das weiß er zumindest über die erste Hälfte des Films nicht und versucht nun verzweifelt, mit der maximal seltsamen Situation klarzukommen.

So weit, so interessant – eine vollkommen neue Idee ist das allerdings auch nicht, und sie wird hier bei Weitem nicht so spannend umgesetzt, wie man es sich hätte wünschen können. EVERY TIME I DIE zum Beispiel fand ich deutlich fesselnder, was unter anderem daran liegt, dass das Bewusstsein des Protagonisten dort in wesentlich unterschiedlichere Figuren wechselt, was entsprechend abwechslungsreiche Konsequenzen hat. Hier sind die vorübergehenden Bewusstseinsträger einander doch arg ähnlich. Und damit ist nicht unbedingt ihr Äußeres gemeint – obgleich das für den ungeübten westlichen Betrachter sicherlich auch eine Rolle spielen und es mitunter etwas schwer machen kann, den Überblick zu bewahren und zu wissen, wer eigentlich gerade wer ist.

Erschwert wird dies noch durch eine Inszenierungsidee, die ich nicht ganz nachvollziehen kann: Mal trägt unser Protagonist das Gesicht des Körpers, den er gerade besetzt hat, im nächsten Moment aber sein eigenes, dann wieder das fremde … und so weiter. Für mich war kein klarer Grund dafür und auch kein Muster erkennbar.

Insgesamt wird das Story-Potential des Körperwechsels leider nicht ausgeschöpft; spätestens ab der Mitte des Films steht eine einigermaßen generische Krimi-Handlung im Mittelpunkt. Diese ist zwar gefällig, aber lange nicht so adrenalintreibend wie viele andere koreanische Genrevertreter inszeniert. Zudem ist der erste Wechsel zu einem neuen Körper noch visuell recht aufregend gestaltet: Zwei verschiedene Welten bzw. Sets zerfließen eindrucksvoll ineinander. Alle weiteren Wechsel dagegen werden durch einen simplen Schnitt realisiert.

Zusammengefasst: Durchaus unterhaltsame Kost, speziell für Freunde des koreanischen Kinos. Aber leider nicht so außergewöhnlich, wie es die Ausgangsidee verspricht. 6 von 10 Punkten.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

25.10.2021, 01:03



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