Raging Fire

Back to the Old School

von D.S.
Als wären wir mitten in den 90er-Jahren: In seinem letzten Film fährt der leider viel zu früh an Krebs verstorbene HK-Regisseur Benny Chan noch einmal alles auf, was etwas ältere Semester am damals heißblütig lebendigen Action-Kino Marke Fernost geschätzt haben. Und im Gegensatz zu etwa einem BODIES AT REST gelingt es ihm sogar weitgehend, das gute alte Heroic-Bloodshed-Flair fast verlustfrei in die Gegenwart zu übertragen.

Die Story ist entsprechend grob gepflügt, mit viel Pathos rund um Ehre, Loyalität und Pflichtbewusstsein geschmückt: Donnie Yen ist ein Elite-Cop, der sowohl im 1:1-Kampf schier unbesiegbar als auch moralisch integer, stets der Wahrheit verpflichtet sowie never ever korrumpierbar ist. Das steht der Weiterentwicklung seiner Karriere in einem allzu käuflichen Umfeld natürlich hart im Weg, aber Rechtschaffenheit rules.

Es gibt zahlreiche Filme über Polizisten, die im Fall der Fälle Regeln brechen – dieser hier lässt im Fall der Fälle sogar Freundschaften über die Klinge springen, solange die Regeln eingehalten werden. Was dazu geführt hat, dass einer seiner geschätztesten Kollegen für ein paar Jahre in den Bau wandern musste. Kaum wieder draußen, sinnt dieser nun auf Rache. Und Donnie „The Exterminator“ Yen muss noch mal alles geben.

RAGING FIRE reiht Klischee an Klischee, macht das aber auf so souveräne, ja sogar mitreißende Weise, dass man den Film als Genrefan eigentlich nur aus vollem Herzen mögen kann. Sicher, die Pathos-Drüse fährt hier mit 150 % Leistung, und spätestens in der Sequenz, in der Donnie Internal Affairs erklärt, worum es bei guter Polizeiarbeit eigentlich geht, tanzt das DER CLUB DER TOTEN DICHTER-Herz Polka. Über all den Schmalz sieht man jedoch gerne hinweg, denn die zahllosen Fights und Shoot-outs sind so gelungen (und teilweise überraschend originell) inszeniert, dass alles andere eh in den Hintergrund tritt. Hinzu kommen noch ein paar beeindruckende Auto-Verfolgungsjagden und vor allem -Stunts, die sich vor James Bond nicht verstecken müssen. Und in Frankfurt Szenenapplaus bekommen haben.

Das Einzige, das zum vollen Old-School-HK-Glück fehlt, ist ein bisschen mehr Drama, Empathie, Größe für die Geschichte der Ex-Cops, die nun Baddies sind. RAGING FIRE interessiert sich klar nur für die vorgeblich „Guten“, es gibt kaum moralische Uneindeutigkeiten, sondern nur Schwarz und Weiß – und dadurch am Ende geringeres Involvement auf Seiten des Publikums. Für Old-School-HK-Lover aber dennoch eine ganz klare Empfehlung – dicke 6,5 von 10 Punkten.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

26.10.2021, 04:30



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