Blood Conscious

Ist Blut dicker als Wasser?

von D.S.
Ein junger Typ fährt mit seiner älteren Schwester und ihrem Verlobten für ein verlängertes Off-Season-Wochenende zum Ferienhaus seiner Eltern am See in der Pampa. Schon von Anfang an wird deutlich, dass die Stimmung untereinander nicht die beste ist – speziell Junior und der Macho-Poser-Verlobte können einander nicht besonders gut leiden. Das wird am Ziel ihrer Reise noch für eine gewaltige Reihe weiterer Konflikte sorgen. Denn hier wird es stressig; ist nichts so, wie es sein sollte. Nein, tatsächlich ist ungefähr alles so ziemlich komplett im Arsch: Statt Mom und Dad und netten Nachbarn hängen hier nur Leichen rum. Sowie ein Redneck mit Schrotflinte, der von mordlüsternen Dämonen faselt. Und wer entscheidet nun, wie man damit umgeht?

Im Indie-Horror I TRAPPED THE DEVIL geht es um einen Mann, der der festen Überzeugung ist, er habe den leibhaftigen Teufel in seinem Keller eingesperrt. Der (oder das?) Eingesperrte wiederum versucht, die Anwesenden davon zu überzeugen, dass sein Kerkermeister von allen guten Geistern verlassen und er selbst nur ein harmloser, normaler Mensch sei. Im Wesentlichen ist das auch die zentrale Idee von BLOOD CONSCIOUS: Unsere Protagonisten versuchen herauszufinden, wer nun vielleicht tatsächlich ein „Dämon“ und wer ein unschuldiger Mensch ist.

Das klingt prinzipiell gar nicht mal so uninteressant, allerdings fehlt es dem Film eindeutig an inszenatorischen Höhepunkten – oder auch nur an erhöhtem Tempo. Von Logik oder Glaubwürdigkeit wollen wir nicht mal reden: Während wir als Zuschauer schon frühzeitig diverse „red flags“ beim Kontakt mit anderen Figuren wahrnehmen, erweisen sich unsere Protagonisten als komplett blind bzw. förderbedürftig. Dazu kommt, dass alle drei sich kontinuierlich Mühe geben, so unsympathisch wie möglich herüberzukommen. Große Empathie mag da nicht aufkommen; ob sie es durch die Nacht schaffen oder nicht? Oh well.

Dämonen? Viren? Geister? Halluzinationen? Am Ende bleibt BLOOD CONSCIOUS extrem unkonkret und im Ausgang seiner Story auch völlig offen. Was vielleicht nicht so schlimm wäre, wenn diese Story wenigstens in irgendeiner Hinsicht einen Punkt machen würde. Ich kann nur mutmaßen, dass es um Rassismus geht und man irgendwo GET OUT als Vorbild im Auge hatte. Dem Drehbuch fehlt jedoch mehr als nur ein wenig Klasse, um auch nur in dessen Reichweite zu gelangen.

Dennoch ist das Ganze halbwegs spannend inszeniert, zwischenzeitlich atmosphärisch dicht und gut gespielt. Deshalb 5,5 von 10 Punkten.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

26.10.2021, 05:23



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