crazy

Pig

In Gravitas Cage

von D.S.
Wikipedia verrät, dass Trüffel heutzutage mit speziell abgerichteten Hunden gesucht werden und etwa Italien den Einsatz von Trüffelschweinen bereits seit 1982 verboten hat. Robin Feld dürften solcherart Erkenntnisse egal sein. Der stoische, schweigsame Eigenbrötler lebt seit zehn Jahren zurückgezogen tief im Wald in der Nähe von Portland und hat nur noch einen Lebensinhalt: sein geliebtes, treues (und so hübsches wie anmutiges) Trüffelschwein. Als er eines Nachts überfallen und seines viehischen Freundes beraubt wird, bricht seine Welt zusammen. Er entschließt sich, der verhassten Stadt einen Besuch abzustatten, um seinen Vierbeiner zurückzubekommen – koste es, was es wolle.

Nicolas Cage spielt Robin mit einer Wuchtigkeit, Würde und Gravität, die wirklich beeindruckend ist. Dass er mit mehreren offenen Wunden im Gesicht, vor Schmutz starrender Kleidung und mutmaßlich einem Odeur, das selbst Fliegen verscheuchen dürfte (im Film klingt an, dass er seit Jahren nicht geduscht hat), auf den ersten Blick wie der fertigste Obdachlose von unter der Brücke wirkt, spielt dabei keine Rolle: Er transportiert eine Charakterfestigkeit und Ernsthaftigkeit, die in diesem Film ihresgleichen sucht.

Anders, als es vielleicht zu erwarten war, geriert sich seine hartnäckige Suche nach dem absenten Schwein aber nicht als Gewaltexzess à la MANDY. Nein, hier ist Ruhe, Präsenz und durchdringende „Schwere“ angesagt, entsprechend langsam entfaltet sich auch die Geschichte, in deren Verlauf wir erst mehr über Cages Figur erfahren – und darüber, was sie zu dem gemacht hat, was sie heute ist. Der Mangel an Tempo ist in diesem Fall jedoch kein Nachteil; ganz im Gegenteil braucht es die gegebene Zeit, um die Vielschichtigkeit von Cages Charakter wirklich einzuatmen.

Die Handlung schlägt mehrfach nicht vorhersehbare Haken und offenbart am Ende eine Studie einer verletzten Person, die nicht in simplen Kategorien zu fassen ist. Cage liefert eine seiner stärksten darstellerischen Leistungen aller Zeiten ab – mindestens genauso bewundernswert, insbesondere für ein Feature-Debüt, ist allerdings das Storytelling von Regisseur und Autor Michael Sarnoski.

Auch wenn sich PIG kaum als Film beschreiben lässt, der in die FFF-typischen Genres passt; auch wenn Übernatürliches hier genauso fehlt wie überbordende Action: Ein wunderbareres, nahezu magisches Filmerlebnis, angesiedelt mitten im menschlichen Dreck, hat man lange nicht mehr zu sehen bekommen. 7,5 von 10 Punkten.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

27.10.2021, 04:07



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