Sound of Violence

Trash de luxe

von D.S.
Um das Positivste, das man über dieses Machwerk sagen kann, gleich vorwegzunehmen: SOUND OF VIOLENCE ist der beste Trashfilm, der seit Langem beim FFF gelaufen ist. Und vor allem ist er ein richtiger Trashfilm, kein Streifen Marke Asylum o.Ä., der bewusst als solcher angelegt worden ist: Nein, es sieht so aus, als hätten die Macher hiermit eigentlich einen ernst zu nehmenden Film abliefern wollen – nur, um mit ihrem Vorhaben grandios zu scheitern. Das Resultat ihrer Bemühungen ist jedenfalls Plot-Abstrusität par excellence, veredelt durch Overacting allerorten und einen dabei doch stetig spürbaren Anspruch, etwas aussagen (oder auch nur einen vernünftigen Film abliefern) zu wollen. Besonders irritierend ist in diesem Zusammenhang, dass in technischer Hinsicht wenig zu bemängeln ist, insbesondere die Kamera und (meistens) auch das Produktionsdesign sind recht kompetent. Die wichtigsten Darsteller (darunter übrigens Mick Jaggers Sohn James) spielen solide. Die Dialoge, die sie dabei abliefern müssen, sind hingegen immer wieder haarsträubend.

Entscheidend verantwortlich für diesen Komplett-Fail ist allerdings das Drehbuch. Das fängt schon bei der unbeholfenen Narration an, die uns die Hauptfigur zunächst als Kind präsentiert, das aus nicht genauer erläuterten Gründen sein Gehör verloren hat. Da das Thema Hören sowie die Persönlichkeitsentwicklung dieser Figur im Mittelpunkt der Handlung stehen, hätte man doch vielleicht zumindest irgendwann in einem Halbsatz darauf eingehen können, nein? Weit gefehlt, stattdessen erleben wir sie nach der Eröffnungssequenz nun als junge Erwachsene, die wieder einwandfrei hören kann, und das ohne jede technologische Unterstützung. Warum? Das kann man sich allerhöchstens selbst zusammenreimen, erklärt wird es ebenfalls nicht. Genauso wenig wie die Tatsache, dass sie mal als Studentin gezeigt wird, dann aber wiederum in einem Dialog als Dozentin bezeichnet wird.

Aber selbst, wenn man darüber hinwegsehen kann: Bald erreicht der Plot ein derartig intensives Level von Schwachsinnigkeit, dass man nur noch ungläubig schlucken kann. Wir haben da nämlich also dieses zuckersüße Lämmchen von Hauptfigur, das insgeheim ein kaltblütiger Killer ist. Ach was, ein criminal Mastermind, das seine Taten, seine Opfergewinnung minutiös plant, gleichzeitig aber an jedem Tatort überflüssigerweise derartig viele – und derartig spezielle – Spuren hinterlässt, dass eine halbwegs glaubwürdige Polizei (also nicht die, die wir hier zu sehen bekommen) ihm wohl in Tagesfrist auf die Schliche kommen würde. Noch viel besser oder lustiger oder trauriger: Tatsächlich ist sie eine Art Inspektor Gadget, Spezialistin für feinste fernbedienbare Foltervorrichtungen aller Art, die sie in so kurzer Zeit gebaut und einsatzbereit bekommt, dass sich ein Jigsaw eigentlich nur noch beschämt in die Ecke trollen kann. Insofern muss sie wohl neben oder vor ihrem Musikstudium auch mit Bravour Ingenieurwissenschaften und Physik studiert haben – ein echtes Wunderkind also, das jetzt für ein bisschen Adobe-After-Effects-Farbflash reihenweise Leute um die Ecke bringt … Das Leben in einer B-Movie-Knalltüte kann schon ein hartes sein.

Handlung, Figuren, Dialoge: Nichts in diesem Film fühlt sich auch nur ansatzweise echt oder gar glaubwürdig an. Also, Hirn auf Durchzug stellen, viel Bier tanken, sich kaputtlachen – oder gleich die Kopfhörer aufsetzen und zumindest den Filmton durch etwas Besseres ersetzen. 2 von 10 Punkten. Bodenlos.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

28.10.2021, 02:07



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