crazy

Ted K

Freedom Club

von D.S.
Sehr um Authentizität bemühte, ausführliche, zum großen Teil getragen und atmosphärisch sogar fast intim inszenierte Auseinandersetzung mit dem Handeln des „Unabombers“ Theodore Kaczynski. Als hochintelligenter Soziopath lebte der Doktor der Mathematik nach dem plötzlichen Abbruch seiner Lehrtätigkeit ab 1971 zurückgezogen in einer kleinen Berghütte in Montana und hielt seine Gedanken dort auf abertausenden Seiten in einer eigenen Codesprache fest.

Wenn es auch in diesem zweistündigen Werk nur selten zu Action-Einsprengseln kommt, ist es doch keine Sekunde lang langweilig, im Gegenteil: Das Eintauchen in die Gedankenwelt dieses vielleicht ersten „Öko-Terroristen“ entwickelt eine ungemeine Faszination, da es sich ungefiltert anfühlt und man den Eindruck gewinnt, seiner Persönlichkeit tatsächlich näher zu kommen und die Beweggründe für sein Tun zumindest teilweise nachvollziehen zu können – was bei anderen „True Crime“-Biopics nur sehr selten der Fall ist.

Deshalb ein hochinteressanter Film, der mit einem glänzend aufgelegten Sharlto Copley in der Titelrolle gesegnet ist und trotz der überwiegenden Nüchternheit seiner Erzählung sehr fesseln kann. Fragwürdig fand ich höchstens ein paar wenige Sequenzen, die Halluzinationen und Wahnvorstellungen Kaczynskis zeigen und dabei recht deutlich aus der Rolle fallen. Zudem hätte ich mir ab und zu eine klare zeitliche Verortung des gerade gezeigten Geschehens gewünscht. Deshalb von mir insgesamt nur gute 6,5 von 10 Punkten. Allen an der Zeitgeschichte interessierten FFF-Gängern aber unbedingt empfohlen.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

28.10.2021, 04:16



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