Dashcam

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von D.S.
DASHCAM erzählt inhaltlich sehr straight die Geschichte eines jungen Video-Editors eines New Yorker Nachrichtensenders, der liebend gerne selbst Reporter wäre. Als er durch einen (un-?) glücklichen Zufall in den Besitz vertraulicher FBI-Dokumente gerät, entwickelt er die Überzeugung, einer großangelegten Verschwörung rund um den polizeibedingten Tod des ehemaligen Generalstaatsanwalts auf die Spur kommen und dadurch seine Karriere auf das nächste Level heben zu können.

Als extrem zeitgemäßer Film spielt DASHCAM über die ersten zwei Drittel seiner Laufzeit komplett im kleinen Appartement unseres Protagonisten, Jake (Eric Tabach, laut Rosebud „Social-Media-Star“), das er aus Corona-Sorgen am liebsten erstmal gar nicht mehr verlassen möchte. Mehr noch, der größte Teil der Handlung spielt sich zunächst nur auf Jakes Computermonitoren ab, auf denen wir verfolgen, wie er Bild- und Tonspuren aus verschiedenen Dateien übereinanderlegt und zusammensetzt, um ein vollständiges Bild von den Umständen des Todes des prominenten Opfers zu gewinnen. Das ist zwar inhaltlich durchaus spannend. Visuell hingegen ist es alles andere als aufregend, über weite Strecken ausschließlich Adobe-Premiere-, Adobe-Audition- und Quicktime-Spuren auf der Leinwand präsentiert zu bekommen, bestenfalls mal unterbrochen durch einen FaceTime-Call.

Viel problematischer ist allerdings der Mangel an Ambiguität im Plot. Oder, wahlweise, der an Subtilität. Falls es dem Film analog zu seinen erklärten Vorbildern darum geht, den Zuschauer selbst ins Grübeln zu bringen, sollte er mehrere unterschiedliche Möglichkeiten zum Erklären des Geschehens wenigstens potentiell wahrscheinlich wirken lassen. Dann könnte man als Zuschauer mitfiebern und seine eigenen Theorien aufstellen bzw. dargebotene mögliche Erklärungen interessiert kritisch hinterfragen. Das ist hier leider ausgeschlossen: Die Handlung nimmt uns an die Hand, lässt keinerlei eigene Interpretationen offen und erklärt uns bis ins Detail, was tatsächlich passiert ist. Bleibt die Option, dass der Film ein klares Statement rund um Korruption, Machtmissbrauch, Überwachungsstaat etc. setzen möchte (was im Videogruß der Filmemacher auch so anklingt): Dann wäre eine etwas subtilere Form der Kritik wünschenswert gewesen. Hier regiert in Sachen Aussage aber leider der Holzhammer.

DASHCAM ist deshalb noch lange nicht grundsätzlich uninteressant, im Gegenteil macht es Spaß, gemeinsam mit dem Protagonisten Spuren zu analysieren, Hinweise zusammenzuführen und gefühlt einem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Dieses ist allerdings so plump bis überhaupt nicht verpackt und die Erzählung so dermaßen vor allen Überraschungen oder auch nur Zweideutigkeiten, (Un-) Wahrscheinlichkeiten, Mysterien gefeit, dass die Spannung sich irgendwann weitgehend ins Nirgendwo verflüchtigt. Von diversen im letzten Filmdrittel getroffenen, vollkommen bescheuerten bzw. unglaubwürdigen Entscheidungen eines unfreiwilligen Geheimnisträgers, der weiß, dass er überwacht wird, will ich noch nicht mal anfangen.

Insgesamt ein nettes Corona-Pandemie-Filmexperiment rund um die Themenkomplexe Verschwörungsglauben und Polizeigewalt, aber doch deutlich zu kurz gesprungen, um wirklich etwas in den Diskurs einbringen zu können. 4 von 10 Punkten.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

29.10.2021, 04:01



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