Lamb

Määääh!

von D.S.
Wenn es ein Synonym für grenzensprengenden Gegenwartshorror gibt, dann ist es A24. Auch mit LAMB beweist die Produktionsgesellschaft wieder einmal, welch großes, inhaltlich vollkommen offenes, immer berührendes Feld das phantastische Kino auch heute noch eröffnen kann, weit weg von Zielgruppenoptimierungs- und Markterschließungsstrategien.

LAMB ist nämlich in allererster Linie mal ein durch und durch isländischer Film, im Setting karg, rauh und nüchtern, mit einer Noomi Rapace und einer skandinavischen Landschaft in den Hauptrollen, die kaum weiter entfernt vom typischen Hollywoodkino wirken könnten. Mindestens genauso sehr wie der „Star“-Vermarktung verschließt sich der Film aber auch der simplen Genre-Klassifizierung. Als Horrorfilm lässt er sich trotz einiger entsprechender Elemente nicht einordnen, als Thriller genauso wenig, aber selbst seine Berührungspunkte mit dem Fantasy-Kino sind so oberflächlich, letztlich nur formell vorhanden, dass puristisch gesinnte Genrefans mit Sicherheit enttäuscht von ihm sein werden. Tatsächlich lässt er sich, ganz ähnlich wie der nur atmosphärisch verwandte THE GREEN KNIGHT, in überhaupt keine Genre-Schublade stecken.

Warum auch? LAMB erzählt eine vollkommen eigenständige, unvergleichliche Story, die im gewöhnlichsten Alltag beginnen und alles Bekannte verlustfrei hinter sich lassen kann, ohne dafür eines bunten Spektakels zu bedürfen: Ein Ehepaar, dessen Tochter Ada kurz nach (oder bei?) der Geburt verstorben ist, lebt auf einem abgeschiedenen Bauernhof auf Island und betreibt dort vor allem die Schafzucht. Eines Tages wird ein ganz besonderes Schaf geboren, das sie in ihr Leben aufnehmen und das jenes entscheidend verändert. Ein wenig später werden sie vom Bruder des Mannes besucht, der für einige Probleme sorgt. Genau wie die Mutter des besonderen Schafes …

Das war es eigentlich auch schon fast – mehr kann zumindest nicht gesagt werden, ohne zentrale Elemente dieses außergewöhnlichen Filmerlebnisses vorwegzunehmen. LAMB ist anders als alles andere, das du jemals gesehen hast. Er lässt sich nicht einordnen und auch nicht wirklich vergleichen.

Produktions- und Sounddesign, Kamera und Darstellerleistungen sind herausragend, aber das wusstest du bei der Erwähnung von A24 schon. Es gibt hierzu einfach nicht mehr viel zu sagen: Wer Filme wie THE VVITCH oder MIDSOMMAR liebt, sich gerne von Bizzarheiten die Augen öffnen lässt und bereit für wirklich Ungewöhnliches, fundamental Verstörendes ist, wird LAMB lieben. Gute 7,5 von 10 Punkten. Ganz ohne Björk.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

29.10.2021, 04:59



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