After Blue

Prinzessin Fantorgasmo

von Leimbacher-Mario
„After Blue“ ist der neue Streich des exzentrischen „The Wild Boys“-Machers Bertrand Mandico und geht in die gleiche Richtung, jedoch stilistisch und thematisch noch deutlich wirrer, weiter und wilder. Irgendwo zwischen feministischer (?) Kunstausstellung, einem feuchten Traum, loopenden Drogentrip und leeren Langeweileluftballon mit Glitzerüberzug glänzt hier eigentlich nur die Oberfläche, die Optik, die Akustik. Der Inhalt spielt auf einem fremden Planeten ohne Männer, mit viel Knospengerubbel, (un)natürlichen Auswüchsen, einer prallen, gejagten Kate Bush und barbarella'eskem Westernflair. Tintenfischtheatralik.

„After Blue“ ist, wenn überhaupt, nur für Hardcore-Arthouse-Enthusiasten, ging für mich allerdings dieses Jahr an einem vollen Fantasy Filmfesttag brutal unter, schlug gänzlich fehl, überforderte und frustrierte. Er fühlt sich an wie zwei Ewigkeiten und drei Monde. Gesponsert von Gucci und auf den Spuren von „El Topo“. Kommender Kultfilm oder prätentiöse Qual? Für mich leider viel näher an Letzterem. Style ohne bleibende Substanz. Null Zugang für mich. Anstrengend ohne Ende. Hübsch ohne Limit. Der Score hat seine Momente. Thematisch wird eine Menge angeschnitten. Surreal. Schäumend schön. Aber einfach unheimlich aufgeblasen, ätzend und laaaangsam. Eine Quasselstrippe obendrauf. Man kann es nicht laut genug sagen. Das ist extremstes, experimentelles Kunstkino aus Frankreich. Androgyne Alpträume. Als 5-minütiges Musikvideo wohl besser. Brüste und Tentakel. Sünden und Muschiaugen. Sci-Fi goes gaga und grenzwertig. Vielleicht habe ich noch nie öfters auf die Uhr geguckt. Will „After Blue“ viel? Womöglich. Kann er viel? Meiner Meinung nur aufregen und anöden. Das hat bei „The Wild Boys“ einfach noch viel besser und runder gepasst.

Fazit: Ganz nah an einer unfreiwilligen Satire seiner Arthouse-Schublade. Audiovisuell ein Donnerschlag. Ansonsten eine erzählerisch-schmerzvolle Kunstkakophonie und Collage, die sich anfühlt wie eine halluzinogene Ewigkeit. Farbenfroher Fehlschlag.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

04.11.2021, 02:12



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