Teddy

Haare auf den Zähnen

von Leimbacher-Mario
„Teddy“ ist ein französischer Werwolfreisser mit starker Coming-of-Age-Konzentration, einer (beabsichtigt) schwierigen Hauptfigur und deutlichen Balanceproblemen zwischen Komödie, Drama und Horror, zwischen tragisch und fluffig. „Ginger Snaps“ in maskulin trifft „Elephant“ in austauschbar und klischeehaft. Ein Schulabbrecher, Tagträumer, Nichtsnutz und Waisenkind wird von etwas in der Nacht im Wald gebissen - wodurch sein Leben samt Beziehung die eh schon sehr schwammigen Wege endgültig verlässt…

Werwolfhorror hat oft mit unterdrückter Wut oder auch Männlichkeit gespielt, mit dem Erwachsenwerden und stand nicht selten ganz deutlich als Metapher und Genreanker für solche Themen. In „Teddy“ ist das modern, aber kein Stück anders oder kreativ. Der Protagonist wirkt anfangs nervig bis arschig, mit der Zeit tut er einem aber durchaus leid. Zumindest ging's mir so. Vom Finale hätte ich mir etwas weniger Off und mehr Carrie gewünscht. Krautrock hört man in einem französischen Film auch nicht alle Tage. Ein paar fiese bodyhorrorartige Auswüchse obendrauf. Die etwas naive, aber durchaus sinnvolle Mischung geht auf. Selbst wenn er absolut in keiner Kategorie genug aufdreht.

Fazit: Tieftraurige Amokläuferallegorie als Werwolf-Coming-of-Age'ler getarnt. Behaart, beharrlich. A French Werwolf in Bretagne.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

08.11.2021, 01:29



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