Bloody Oranges

It’s a wonderful, wonderful life

von Herr_Kees
So recht einem Genre will sich dieser episodisch erzählte französische Film nicht zuordnen lassen:

Da gibt es ein hoch verschuldetes älteres Ehepaar, dessen letzte Hoffnungen ausgerechnet auf dem Gewinn eines Rock’n’Roll Tanzwettbewerbs liegen und das damit einer Jury ausgeliefert ist, die vor lauter PC-Diskussion und gleichzeitiger Minderheitendiskriminierung das Wesentliche aus dem Auge verliert.

Da gibt es eine Sechzehnjährige, die kurz vor dem ersten Geschlechtsverkehr steht und von ihrer Frauenärztin reichlich radikal aufgeklärt wird.

Da gibt es einen Minister mit Dreck am Stecken, dessen Autopanne einen – vorsichtig ausgedrückt –  unerwarteten Verlauf nehmen wird.

Und da gibt es einen Anwalt, der sich offenbar nicht nur im Bett für einen der Größten hält, im Verlauf des Films jedoch so einiges einstecken muss.

Wie es sich für einen ordentlichen Episodenfilm gehört, sind die Schicksale aller Protagonisten miteinander verwoben, was jedoch erst nach und nach deutlich wird. Was ORANGES SANGUINES jedoch von Werken wie SHORT CUTS, AMORES PERROS oder HUNDSTAGE deutlich abhebt, ist sein Tempowechsel in der zweiten Hälfte des Films. Konnte man den Film mit seinen subtil nach allen Seiten austeilenden Dialogen bis dahin noch als bissige Gesellschaftssatire bezeichnen, so versetzt uns eine Episode plötzlich ins Terrorterritorium eines FRONTIER(S) und der Fortgang der Geschichten wird zunehmend gewalttätiger und düsterer.

Nichtsdestotrotz bleibt von BLOODY ORANGES ein geschlossener Eindruck in Erinnerung – der eines ungewöhnlichen, aber irgendwie berührenden Films.
Herr_Kees

11.08.2022, 18:00



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