crazy

Carrie

Als Mobbing endlich bestraft wurde!

von Leimbacher-Mario
"Carrie" kennt jeder. Buch und Film. Fest in der Populärkultur verankert, mit etlichen minderwertigen Sequels und Remakes und Kopien "gesegnet". Eine der 5 besten Stephen King-Verfilmungen, die je über die Leinwand huschte. Doch die Welt stört das kein Bisschen, sie ändert sich nicht. Mobbing und Boshaftigkeit scheinen in Zeiten des Internets wilder denn je in den Menschen zu wuchern. Genau das macht "Carrie" noch heute zu einem höchst aktuellen Film. In 100 Jahren leider noch immer. Ein Alptraum aus unterdrückter Sexualität, erzwungener Religion und entfesselter Kraft. Kongenial eingefangen und auf uns Zuschauer übertragen durch Brian de Palma in Topform. Es geht um die junge Highschoolschülerin Carrie, die zu Hause von ihrer herrscherischen Mutter kleingehalten wird und in der Schule als stille Außenseiterin hässlich gehänselt wird. Doch in ihr brodelt es und sie scheint Dinge mit der bloßen Kraft ihrer Gedanken bewegen zu können...

Wenn (leider erst nächstes Jahr) "New Mutants" erscheint, wird man wieder mal den Einfluss und die Beständigkeit dieses emotional zuerst beklemmenden, dann befreienden Psychohorror-Meisterwerks aufglimmen sehen. "Carrie" ist legendär gespielt, vor allem von einer radikal guten Sissy Spacek in der Hauptrolle. Zudem brennen sich die exzentrische Optik und die beunruhigende Musik tief ins Gedächtnis. Doch noch größere Spuren als im Kopf und auf den Augen hinterlässt de Palmas Befreiungsschlag im Herzen, in der Seele. Jeder der schonmal gemobbt wurde, jeder der sich als Teenager mal missverstanden und ausgestoßen gefühlt hat, wird nicht nur enorm mit Carrie fühlen, sondern durch einen unvergesslichen Abschlussball aus Flammen und Blut eine kräftige, wenn auch maßlos überzogene Befriedigung erleben. "Carrie" ist ein Feuerball der Lust und des Schocks. Vollkommen de Palma und dennoch King kondensiert. In einer Geschichte über Telekinese war selten mehr Schmerz, Wut und leider (für immer) Wahrheit. Keiner kommt hier raus - seht hin!

Fazit: De Palmas wahrscheinlich größter Erfolg - kathartisch, stylisch, empathisch. Wenn jugendliche Verunsicherung auf psychokinetischen Horror trifft. Für mich das enorm befriedigende Nonplusultra in Sachen Coming-out-of-Pubertät. Fast eine Art Schlusspunkt für und Kopfnuss gegen die Mobber und Bullys unserer kalten Welt. Müsste man meinen. Grandios!
Leimbacher-Mario

17.08.2022, 16:26



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