La Pietà

Vater, Mutter, Spinnt

von D.S.
2011. Seltsame Menschen machen in einer artifiziellen, rosagetränkten Welt seltsame Sachen, während in Nordkorea Kim Jong-il ein Einhorn fängt und sein Volk mit vergifteten Erdbeeren umbringt. LA PIETÀ ist zur Hälfte die bildgewordene Skurrilität, voll mit irritierend „unnormalen“ Figuren, deren Handeln rational kaum nachvollziehbar scheint, und zur Hälfte bedrückend schmerzhaftes Drama über die Exzesse eines Münchhausen-Stellvertretersyndroms, bei dem eine Mutter (Ángela Molina, LIVE FLESH) ihren Sohn in totaler Abhängigkeit von ihr selbst zu halten versucht – und dafür sogar ohne mit der Wimper zu zucken in Kauf nimmt, dass er in einen lebensbedrohlichen Gesundheitszustand verfällt, denn so kann sie sich mit Fug und Recht weiter um ihn kümmern und stolz einen Sinn in ihrem Leben verspüren. Wobei, vielleicht geht es hier auch um gegenseitige Abhängigkeit, eine nicht nur bizarr, sondern sogar inzestuös anmutende Mutter-Sohn-Beziehung, die sich durch gegenseitige Hassliebe und den Wunsch nach Geborgenheit vor der mit Verantwortungspflichten drohenden Außenwelt speist.

In jedem Fall hat Eduardo Casanovas zweiter Langfilm (der in einer sehr lustigen „Cornflakes“-Szene am Rande die Idee seines Kurzfilms EAT MY SHIT aufgreift) eine Menge Tiefgang zu bieten. Um sich diesen zu erschließen, muss man sich allerdings durch viel Geschrei, noch mehr Hässlichkeit und ganz generell unglaublich fordernde Bildinhalte kämpfen. LA PIETÀ ist zweifellos künstlerisch wertvoll und stilistisch überaus beeindruckend, aber auch sehr, sehr anstrengend. Trotz großem Respekt für die filmische Version des Regisseurs und ihre Umsetzung, für die ich 5,5 von 10 Punkten vergebe: Meins war das leider absolut nicht.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

25.09.2022, 01:38



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