crazy

Family Dinner

Gut abgehangen

von D.S.
Eine fast schon kammerspielartige kleine Produktion aus Österreich, in der hinter den Kulissen braver Bürgerlichkeit der pure Wahnsinn lauert – und durch deren Story Esoteriker und „Naturheilkundler“ gehörig ihr Fett wegbekommen: Das klingt nach einem fies satirischen Film-Snack im Haneke-Format, und irgendwo ist FAMILY DINNER das auch, jedoch geht sein Drehbuch zu nachlässig mit Logikproblemen um, präsentiert zu eindimensional gezeichnete Charaktere und wählt in seiner Auflösung den viel zu offensichtlichen Weg, um nachhaltig sättigend zu sein. Eine FFF-Zwischenmahlzeit, ja, aber keine Gourmet-Genreküche.

So fragt man sich gleich am Anfang, wie der Oster-Besuch der molligen Teenagerin Simi bei der ihrer Tante Claudia wohl vereinbart worden ist, da die beiden Seiten sehr unterschiedliche Ideen über Ankunftszeit und Aufenthaltsdauer offenbaren. Viel wichtiger noch, es wird überhaupt nicht klar, was Simi sich denn von ihrem Besuch bei der „Healthy Cooking“- und Diätexpertin genau erhofft. Ihre Bücher hat sie ohnehin bereits studiert, und die sollten eigentlich alle für ihr Ziel notwendigen Informationen enthalten – was insbesondere deshalb als seltsam aufstößt, da die einzige tatsächliche „ernährungsberatende“ Maßnahme ihrer Tante darin besteht, Simi auf Nulldiät zu setzen. Klar, ist alles wichtig für den Storyaufbau und -verlauf, nur eben leider ganz und gar nicht realistisch.

Wenn man über solche Aspekte hinwegsehen kann, wird man immerhin mit einer klinisch-kalten Atmosphäre der versteckten Aggression und einem Überbau lebensfeindlicher Ideen im angeblich naturverbundenen Haushalt der Tante und ihres muskelflexend maskulinen Partners belohnt, zu dem ansonsten noch Simis offenkundig psychisch labiler, von seiner Mutter wie ein Kleinkind behandelter Cousin Filipp gehört. Gemeinsam mit dem schüchternen, verunsicherten Hausgast bereitet sich die rustikale Esoterikerfamilie auf ein Osterfest vor, das wie schon bei unseren Urvätern ganz im Zeichen von Wiedergeburt und Erneuerung stehen soll …

… und dabei auf einen Story-Clou hinführt, der nicht nur alles andere als originell, sondern vor allem bereits im ersten Filmdrittel absolut vorhersehbar wird. Auf Spannung kann deshalb kaum gehofft werden, ebenso schöpft die Satire aber ihr Potential nicht ausreichend aus – da die Charaktere geradezu karikaturenhaft überzeichnet wirken, eindimensional, nicht ernstzunehmend. Und Spitzen gegen Klischeefiguren verpuffen eben gerne mal.

Im guten Mittelfeld des Festivalprogramms siedelt sich FAMILY DINNER dennoch an, handwerklich ist er souverän umgesetzt und löst einige Male durchaus ein Schmunzeln aus. Er hätte nur smarter zubereitet und interessanter gewürzt sein dürfen. 5,5 Punkte.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

25.09.2022, 02:10



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