crazy

Watcher

Alles schon gesehen

von D.S.
In V/H/S/94 zog WATCHER-Regisseurin Chloe Okuno dem Publikum mit dem schmutzigen, verstörend rauen Segment “Storm Drain” den Boden unter den Füßen weg – mit ihrem Langfilmdebüt präsentiert sie nun jedoch einen geradezu glattpolierten Suspense-Thriller überaus konventioneller Machart, der aufgrund seiner Stromlinienhaftigkeit kaum bleibenden Eindruck hinterlassen kann. Sicher, der Hitchcock-geschwängerte WATCHER ist schön anzusehen und sehr souverän inszeniert, verlässt jedoch nie den sicheren, lang etablierten Boden des handelsüblichen Paranoia-Krimis. Und hat auch abseits der Handlung wenig zu bieten, das aus dem gehobenen Genrewust heraussticht, weshalb es schon ein wenig verwundert, dass der Film auf zahlreichen Festivals im Vorfeld des FFFs relativ stark abgefeiert wurde.

Maika Monroe, zuletzt in FLASHBACK bei den FFF Nights 2021 zu sehen, spielt ein zwar recht unabhängig, aber auch recht unbedarft gezeichnetes Blondchen, das nach dem Scheitern ihrer Schauspielkarriere mit ihrem Partner nach Bukarest zieht, wohin er in seinem Marketing-Job wegbefördert wurde. Sie kennt dort niemanden und weiß sich nicht wirklich zu beschäftigen, ihre mangelnden Rumänischkenntnisse sorgen erst recht dafür, dass sie weitgehend isoliert in den Tag hineinlebt. Da wirkt es fast schon wie eine glückliche Fügung, dass sie zumindest gedanklich etwas zu tun bekommt: Es scheint, als würde ein Nachbar sie aus dem Fenster gegenüber beobachten, und damit nicht genug, er verfolgt sie auch ins Kino und in den Supermarkt. Aber tut er das tatsächlich, oder handelt es sich um bloße Zufälle? Ist er der Serienmörder, der die Stadt aktuell in Angst und Schrecken versetzt? Hat er sie als sein nächstes Opfer auserkoren? Oder bildet sie sich das alles nur ein?

Das war’s auch schon im Wesentlichen, was die Handlung betrifft. Diese setzt auf ein vergleichsweise niedriges Tempo und nur wenige Höhepunkte, verschenkt damit aber auch die Möglichkeit, das Publikum durch größere Adrenalinschübe an die Leinwand zu binden. Lange hält der Film sich die Antwort auf die oben genannten Fragen halbwegs offen, wobei nicht nur der/die Genrekenner/in, sondern auch der/die aufmerksame Zuschauer/in frühzeitig weiß, wohin der Hase hier läuft.

Locations und Figuren sind elegant in Szene gesetzt, die Atmosphäre ist dicht und WATCHER macht auch sonst keine Fehler. Er wagt nur eben auch sehr wenig. Frau Monroe spielt gefällig, wirkt aber ziemlich austauschbar.

Wer Krimis, wer Hitchcock, wer ganz leise Paranoia mag, wird hier gut unterhalten. Mehr Positives fällt mir dann allerdings nicht mehr groß ein. Knappe 6 Punkte – letztendlich Stangenware aus dem oberen Segment.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

25.09.2022, 03:52



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