crazy

Moloch

Geisterstunde, europäisch

von D.S.
Der Trailer verspricht einen intensiven, verstörenden Grusler im europäischen Mythengewand – der Film liefert dann einen in der Tat sehr europäisch, sprich: hüftsteif daherkommenden Geisterstreifen, der auch eine TV-Produktion hätte sein können. Und sich im Kern um ein Götterwesen dreht, dessen Mythologie im arabischen Raum verortet ist.

Verpackung und Inhalt passen hier also nicht so recht zusammen, und angesichts des offenkundigen Willens der Filmemacher, einen „Folk Horror“-Beitrag zu kreieren, verwundert es umso mehr, dass keine Legende, kein Mythos zum Thema gemacht wurde, die/der auch einen fundamentalen Bezug zum Handlungsort hat. Wobei: Zum Teil geht es ja tatsächlich um eine niederländische/norddeutsche (Hexen-) Saga. Ihr wurde allerdings eine weitere Ebene übergestülpt, die das Gesamtergebnis sicherlich global besser vermarktbar macht – genau wie die Integration eines internationalen Forscherteams um den englischen Anthropologen (?) Jonas (Alexandre Willaume, THE WHEEL OF TIME) in die Handlung. Sie sorgt jedoch ultimativ vor allem dafür, dass die eigentlich sehr simple Geschichte unnötig kompliziert aufgeblasen wird. Man hätte sie auch wesentlich einfacher, geradeaus und dadurch mit mehr Punch erzählen können.

Stattdessen wird verquere Ecke um verquere Ecke genommen; es dauert sehr lange, bis die scheinbar unzusammenhängenden Handlungsstränge auf ein kohärentes Ziel hinführen. Das steigert in diesem Fall allerdings nicht die Spannung oder das Zuschauer:innen-Interesse, sondern führt immer wieder zu Story-Leerlauf, der durch nur mäßig spannende Familiendramen gefüllt wird.

Hinzu kommen zahlreiche nachts spielende Szenen, die an mangelndem Kontrast leiden und dadurch so blass wie unklar bzw. „verschleiert“ wirken, sowie CGI-Effekte, die schwer zu günstig aussehen. Die Leistungen der Darsteller:innen sind allerdings gut, die Figuren wirken glaubhaft, die neblige Mooratmosphäre ist dicht, das Ende der Erzählung konsequent und finster. Nur der Weg dorthin fühlt sich unnötig behäbig sowie nicht immer kinematografisch genug umgesetzt an – und vor allem will er eben einfach nicht recht auf den Punkt kommen, sondern nimmt Umweg nach Umweg.

MOLOCH ist einer der äußerst wenigen Filme, von denen ich mir ein US-Remake wünschen würde. Bei dem hätte ich nämlich die Hoffnung, dass es die Stärken der Geschichte zielgerichtet ausspielen würde. Statt Zeit mit „niedlichen“ Nebensächlichkeiten wie Schultheateraufführungen zu verschwenden und mit überflüssig umständlich gestalteten Erklärungen von Handlungshintergründen zu langweilen oder gar zu verwirren. Mehr Straffung und bessere Effekte, und MOLOCH wäre ein veritabler Geister-Hit. So langt es allerdings nur für 5,5 Punkte. Holländisches Campingplatz-Feeling inklusive.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

25.09.2022, 04:41



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