crazy

Hunt

Jagd auf Roter Oktober

von D.S.
Im Dezember 1979 gelangte der südkoreanische General Chun Doo-hwan durch einen Militärputsch an die Macht im Land und verfestigte die bestehenden diktatorischen Strukturen durch die gnadenlose Verfolgung aller innenpolitischen Gegner sowie die blutige Niederschlagung demokratischer Bewegungen, was einen Höhepunkt im Gwangju-Massaker im Mai 1980 fand, das bis zu 2.300 zivile Todesopfer forderte. Im Oktober 1983 überlebte er einen Bombenanschlag auf eine Regierungsdelegation in Myanmar, als dessen Urheber Nordkorea bezichtigt wurde.

Der Polit-Action-Thriller HUNT erzählt eine stark fiktionalisierte Geschichte rund um ebenjenen Anschlag, die sich der Theorie widmet, es habe einen Maulwurf im südkoreanischen Geheimdienst gegeben, der dem verfeindeten Staat im Norden über Jahre hinweg sicherheitsrelevante Informationen unter anderem über den Putsch-Präsidenten und seine öffentlichen Auftritte zur Verfügung gestellt habe. Im Mittelpunkt der Handlung stehen dabei die Leiter zweier Abteilungen des Geheimdienstes (KCIA), des Innen- und des Auslandsgeheimdienstes, die einander verdächtigen, den Spion in ihren Reihen zu haben – oder gar selbst ebenjener Spion zu sein.

Wer nicht in südkoreanischer Zeitgeschichte bewandert ist oder wer auch nur den Fehler begeht, mal ein paar Minuten nicht genau hinzuschauen und zuzuhören, kann sich in HUNT schnell mal etwas verloren fühlen. Wie auch bei grundsätzlich vergleichbaren südkoreanischen Thrillern wie THE MAN STANDING NEXT oder THE SPY GONE NORTH wird hier einiges Vorwissen vorausgesetzt – im Grunde richtet sich HUNT an ein einheimisches Publikum, das den permanent eingeflochtenen Andeutungen und Querverweisen vermutlich ohne nennenswerte Probleme folgen kann. Im Vergleich mit den genannten Werken ist das Erzähltempo hier jedoch noch ein gutes Stück höher, zudem kommt es in der zweiten Hälfte des Films zu zahllosen überraschenden Wendungen, Irrungen und Wirrungen.

Aber auch, wenn man sich also als durchschnittliche:r westliche:r Zuschauer:in immer wieder mal von Feinheiten der Handlung überfordert fühlt, wird man dennoch blendend unterhalten, solange man der Story wenigstens grundsätzlich folgen kann. Das liegt zum einen daran, dass wir auf beiden Seiten so klar wie interessant gezeichnete, nie vollkommen dechiffrierbare Protagonisten geboten bekommen, deren Charakterentwicklung wir dank einiger stark involvierender Plot-Points meist durchaus gebannt verfolgen – und zum anderen daran, dass hier mehr gehandelt als geredet wird. Von brutalen Foltereinheiten bis zu adrenalintreibenden Shoot-outs: HUNT weiß, wie er trotz brachialen 131 Minuten Laufzeit niemals langweilen kann.

Im Finale gibt es dann noch exquisite Schauwerte zu bewundern, und spätestens diese entschädigen für den südkoreatypischen Patriotismus-Pathos, der natürlich bei einem solchen Thema noch eine ganze Ecke lauter durchs Zelluloid trieft als sonst schon meist. Wer Spionage-/Polit-Thriller mit ordentlichem Action-Anteil schätzt, wird in HUNT ein Fest finden. Für mich einer der stärksten entsprechenden Genre-Beiträge seit langem. Fette 7,5 Punkte.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

27.09.2022, 05:46



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