crazy

Alienoid

Größenwahn vom Feinsten

von D.S.
Der teuerste koreanische Film aller Zeiten ist superdämlich, macht aber auch super viel Laune – und kommt dabei gar nicht mal so sehr koreanisch daher, sondern eher pan-asiatisch, indem er nämlich neben fetten Action-Exzessen auch A CHINESE GHOST STORY-Ästhetik und Stephen-Chow-Humor einerseits, blanken Japan-Irrsinn andererseits inkludiert. Obwohl, eigentlich erweist er sich sogar als fast weltfilmgeschichtlich übergreifend: Explosive Shoot-outs und Martial-Arts-Ballette treffen unter anderem auf die TRANSFORMERS, KNIGHTRIDER, WALL-E, BACK TO THE FUTURE und die MEN IN BLACK – einzig Arthouse-Anteile kann man hier lange suchen.

ALIENOID ist ein wahnsinnig überfrachteter, aufgeblasener Unterhaltungs-Overkill mit charmanter Attitüde, der absolutes Mainstream-Blockbuster-Potential hat. Denn er fordert zwar durch sein permanentes Hakenschlagen in der Erzählung, nicht aber durch irgendwelche Inhalte oder Stilmittel, die den Sehgewohnheiten des Massenpublikums zuwiderlaufen würden. Viel eher läuft er Gefahr, zu viel des Guten zu bieten: Seine andauernde Materialschlacht kann tatsächlich stellenweise ermüden, denn er kommt kaum einen Augenblick mal zu jener Ruhe, die es benötigt, um die nächste Krawallwelle auch voll genießen zu können.

Andererseits muss sich so niemand sorgen, sich hier auch nur eine Sekunde lang zu langweilen. Durch die Zeit springende Alien-Roboter kämpfen gegen ebenso durch die Zeit springende Alien-Bösewichte, verbünden sich mit Magiern und heutiger Technik, müssen sowohl um ihre persönliche Existenz als auch um das Fortbestehen der Menschheit fürchten, falls ihnen letzteres nicht doch zwischendurch mal egal ist – und all das ist so farbenfroh wie actionlastig, so temporeich wie immer wieder auch humorvoll in Szene gesetzt, dass man kaum anders kann, als sich famos unterhalten zu fühlen. Ein Großteil der Action ist dabei natürlich (?) computergeneriert. Zum Teil sieht die CGI absolut überragend aus, erreicht locker das Level von AVENGERS & Co., zum Teil fühlt man sich allerdings eher an Videospiele auf PS2-Niveau erinnert.

Zwischen der Gegenwart und dem 14. Jahrhundert hin und her wechselnd, gerade in der Vergangenheit aber zudem oft sehr kleinteilig verschachtelt unterwegs, macht es ALIENOID einem nicht immer leicht, allen Handlungsdetails zu folgen. Das ist aber nicht schlimm, denn der schiere Spektakelfaktor überwiegt, und das Filmerlebnis als Ganzes ist trotz einer Laufzeit von über 140 Minuten erstaunlich kurzweilig (wenn auch nicht komplett: Teil 2 soll 2023 folgen). Ein echter Crowdpleaser, dem man seine Dämlichkeit kaum übelnehmen kann. Stattdessen grinst man mit, wenn man nicht gerade vor Staunen den Mund nicht mehr zubekommt. 7 Punkte von mir.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

28.09.2022, 03:26



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