Deadstream

Nicht noch ein Found-Footage-Film

von D.S.
Der Abschlussfilm der Herzen: Bei wohl kaum einem anderen Beitrag des FFF 2022 war sich das Publikum derartig einig; kaum ein anderer lieferte so punktgenau das, was man auf dem Festival sehen will – echten Horror und überbordenden Humor in perfekter Kombination. Ein Crowdpleaser wie aus dem Bilderbuch.

Die Effektivität von DEADSTREAM liegt zum einen darin begründet, dass er seine Vorbilder kennt und weiß, was sie hat funktionieren lassen. Zum anderen darin, dass er keine Scheu hat, das zuzugeben – und voller Energie, geradezu kindlicher Spielfreude daranzugehen, ihre Motive und Devices zu mixen, variieren, überdrehen. Natürlich ist EVIL DEAD 2 der deutlichste, naheliegendste Bezugspunkt, was weniger an den manchmal übertrieben plumpen Make-up-Effekten liegt als vielmehr an der gekonnten Kreuzung von wahnwitzig albernen Jokes sowie einer schwer selbstironischen Grundstimmung mit Gruselmomenten, die wirklich ans Eingemachte gehen. Ja, es sind auch zahlreiche (verblüffend heftige) Jump Scares dabei. Doch DEADSTREAM gelingt das Kunststück, inmitten seines adrenalingetränkten Set-ups, seiner so temporeichen wie nägelbeißenden Erzählung darüber hinaus immer wieder auch ernsthaft herzhämmernfördernde Atmosphäre aufzubauen. Und diese wiederum durch zum Schreien komische Monologe oder selbstmörderisch dämliche Handlungen seiner Hauptfigur, gespielt von Co-Regisseur Joseph Winter selbst, aufzulösen. Bis es das nächste Mal Gänsehaut voraus heißt.

DEADSTREAM ist tatsächlich sowohl wunderbar scharfzüngige Satire über YouTube-Influencer und entwaffnend sympathisches Beispiel für zügellose Situationskomik als auch smarter, grimmig wirksamer Geisterhausfilm, der von Kennern mit Respekt für die Materie gemacht wurde – und allen ebensolchen garantiert das Herz aufgehen lässt. Einzig die schäbige Location lässt sich nennenswert kritisieren; einige Effekte hätten mit mehr Budget besser aussehen können, der Storyeinstieg dauert vielleicht einen Tick zu lang. Ansonsten gibt‘s hier aber ehrlich nichts zu meckern: Eine der größten, schönsten Überraschungen des Festivals – einer der Gründe, warum man das FFF besucht. Dicke 7,5 Punkte.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

30.09.2022, 00:15



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