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Princess (2006)

Was habe ich denn da mit "Princess" für einen skurrilen Film bitteschön gesehen? Der minimalistische Zeichentrickfilm mit wenigen (grob pixelig dargestellten) Realszenen ist, zumindest inhaltlich betrachtet, schon ein starkes Stück und ob seiner in der Porno-Branche angesiedelten Thematik in Verbindung als eiskalter Rachethriller trotz aller Niedlichkeit der Optik definitiv nicht! für Kinder geeignet.

Inhaltlich erzählt "Princess" die Geschichte der 5jährigen Mia, deren just verstorbene Mutter nicht nur eine trauernde Fangemeinde der Hardcore-Porno-Konsumenten hinterlässt, sondern auch Ihren Freund (und Manager) sowie Ihren Bruder August, seines Zeichens Ex-Priester und zukünftiger Ersatz-Papa für die 5jährige Mia.

Der Konflikt Ex-Priester und Porno-Branche sollte schon jetzt ins Auge gesprungen sein und beinhaltet auch einen großen Teil des Konfliktes des Filmes, der sich allerdings wesentlich weiter zu entwickeln versteht, als man das in seinem erstmals klischeehaften Denken zwischen Sex und Religion erahnen sollte. Die Tatsache, dass - geprägt durch das Umfeld, in dem sie aufwuchs - die kleine Mia offensichtlich keine Werte wie Moral kennengelernt hat, ist nur der kleinste Teil des Anstosses, weswegen der neugeweihte Pflegevater in einen Rachefeldzug gegen die Porno-Industrie zieht und den Verantwortlichen Charlie auffordert, sämtliches (millionenschweres) Pornomaterial seiner Schwester zu vernichten... wozu er natürlich nicht bereit ist und den nun folgenden Rachefeldzug Augusts heraufbeschwört.

Das ist wirklich extrem starker Tobak, den "Princess" da auf die Leinwand bringt. Nein! Das ist wirklich extrem starker Tobak, den "Princess" da mit schon kindlicher Leichtigkeit präsentiert auf die Leinwand bringt. Es ist fast schon erschreckend, wie dramatisch schwer der filmische Inhalt mit einer selbstverständlichen Leichtigkeit präsentiert wird, der es dem zum Nachdenken Unwilligen extrem einfach macht, in diesem Film einfach nur die pure Gewalt - und dadurch den nötigen Sehspaß - zu präsentieren.

Auf der einen Seite irgendwie Schwäche des Filmes, ist dies auf der anderen Seite wohl genau die Absicht und auch die Stärke, die "Princess" hier in seiner ungewöhnlichen Realisation auf die Leinwand zu bringen versteht. Diesen Film kann man ansehen, ohne dabei Nachdenken zu müssen. Doch diesen Film kann man auch ansehen und danach stundenlange Diskussionen über den kontroversen Inhalt führen; so man dies denn gerne möchte.

Belassen wir es dabei und werfen einen Blick auf die Realisation dieses Zeichentrickfilmes für Erwachsene, der zwar im Erotik-Milieu spielt, aber definitiv keinen neuen Zeichentrickfilm-Porno darstellt - auch wenn hie und da eindeutige Szenen und allüberall zweideutige Anspielungen zu sehen sind.

Von der Machart her erinnerte "Princess" mich irgendwie an "Wenn der Wind weht", da die Art und Weise der Präsentation auf der Leinwand sich hie und da doch zu ähneln versteht. Doch "Princess" geht nicht zuletzt durch die Einspielung der (wenigen, extrem pixeligen und wie von einer Auflösung 320x160 hochgerechnet wirkenden) Realszenen, sondern auch mit der streckenweise vorhandenen Vermischung von realen Dingen und/oder Gegenständen in das gezeichnete Umfeld eigene Wege. Auch bietet "Princess" keinen durchgängig gleichen Stil, sondern wechselt andauernd die Darstellungsart seiner Umgebung und vor allem Personen, welche in den unterschiedlichsten Stilmitteln auf die Leinwand gebracht wurden und erinnern.
Und gerade diese Art der Realisierung macht den insgesamt eher schlicht wirkenden Film vor allem für Cineasten sehr interessant; denn hier gibt es immer etwas zu sehen und zu erörtern, es lohnt sich oftmals, die gesamte Leinwand nach Stil-Darstellungen abzusuchen, ohne dass hierbei die Langeweile aufzukommen scheint, die Filme wie "Renaissance" oder "13 (Tzameti)" nach einiger Laufzeit aufkommen liessen.

Und Zeit zum Schauen hat man bei "Princess" durchaus genug. Denn trotz Erotik, Rachefeldzug, brutaler Gewalt und fliessendem Blut ist "Princess" an vielen Stellen ein in der Erzählweise sehr ruhiger, fast schon zäher Film, der oftmals an der Schwelle zum Langweiligen zu stehen droht.

Fazit:
In meinen Augen ist "Princess" kein Film zum Sehen und Vergessen. "Princess" ist ein Film, der wirklich enorm in die Magengrube zu schlagen versteht, sofern man sich ein wenig mit dem Film auseinander setzt und den Inhalt auf sich wirken lässt. Die Realisierung ist extrem schlicht, aber gerade dadurch auch sehr interessant. Ob sie mir aber wirklich zu gefallen verstand, weiss ich selbst noch nicht so ganz, wie ich im Übrigen auch wirklich Probleme habe, den ganzen Film einzuschätzen.

Die Tatsache allerdings, dass "Princess" das geniale Lied von Edith Piaf 'Non, je ne regrette rien' auf ENGLISCH zu spielen und in dieser völlig emotionslosen Version die gesamte, gewaltige Macht der damit unterlegten Szene zu zerstören wagt... gibt definitiv einen Punkt Abzug!

Auch wenn ich mich mit der Bewertung dieses Filmes - gerade wegen seiner seltsamen Wirkung - schwer tue, zolle ich der Aussergewöhnlichkeit des Filmes Tribut und würde ihm satte 7 Punkte verleihen. Abzüglich des eben erwähnten, dicken Minuspunkts verbleiben also 6/10 für "Princess". Jedenfalls ist das ein klarer Kandidat für das Prädikat: Künstlerisch wertvoll ;)


Wer will, kann sich hier noch 4 Filmclips ansehen:

http://www.mblnews.de/movie/trailer/Princess-Clip1.mov: Clip1
http://www.mblnews.de/movie/trailer/Princess-Clip2.mov: Clip2
http://www.mblnews.de/movie/trailer/Princess-Clip3.mov: Clip3
http://www.mblnews.de/movie/trailer/Princess-Clip4.mov: Clip4
Sidschei
sah diesen Film im Metropol 1, Stuttgart
OOOOOO....
19.03.2007, 07:04
 

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