Death Note

Doppelreview für beide Teile

von Herbert.West
"Death Note" ist die Verfilmung einer sehr erfolgreichen Manga-Vorlage, und es gibt auch eine animierte Serie, die mir beide jedoch unbekannt sind. Dabei hat man die Handlung auf zwei Filme verteilt, "Death Note" und "Death Note: The Last Name", die übergangslos aneinander anschließen und eine durchgehende Geschichte von etwa viereinhalb Stunden Länge erzählen. Besucher des Fantasy Filmfest seien gleich vorgewarnt, dass sie sich beide Filme hintereinander anschauen müssen. Vor allem hat es keinen Sinn, nur den zweiten Teil sehen zu wollen; das ist so ähnlich, wie wenn man sich nur "Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs" anschaut und die anderen beiden Teile weglässt. Oder wenn man sich "Day Watch" (den Abschlussfilm des Fantasy Filmfest 2007) anschaut, ohne vorher "Night Watch" gesehen zu haben. Deshalb gibt es hiermit auch eine Doppelkritik für beide Filme gleichzeitig.

Ich könnte mir vorstellen, dass die hochgelobte Vorlage wirklich so viel taugt, wie behauptet wird. Denn die Grundidee ist sehr interessant, und der Film wimmelt vor gelungenen Handlungswendungen, die eigentlich qualitativ viel zu gut sind für die eher mäßige Verfilmung. Die Diskrepanz zwischen guter Handlung und nicht so guter Umsetzung charakterisiert die beiden Filme auch ziemlich gut. So etwas gibt es nur bei mittelmäßigen Adaptionen guter Vorlagen, insbesondere bei Literaturverfilmungen.

Der Regisseur Shusuke Kaneko hat vorher "Azumi 2" gedreht, und in der gleichen Machart geht es hier weiter. Eine unspektakuläre, fast auf TV-Niveau angesiedelte Inszenierung, die das Potenzial der Geschichte nicht einmal ansatzweise ausschöpfen kann. So ähnlich war es ja auch bei "Azumi 2": Der Regisseur hat mit seiner biederen Fortsetzung zu Ryuhei Kitamuras wildem Popcorn-Spektakel nur Durchschnitt abgeliefert, obwohl da viel mehr drin gewesen wäre. Das bezog sich sowohl auf die langweiligen Kampfszenen als auch auf die langweiligen Charaktere der Fortsetzung.

Zurück zu "Death Note": Die Schauspieler sind zum Teil richtig schlecht und trüben das Sehvergnügen doch in erheblichem Maße. Man darf sich ja "Death Note" nicht als krachendes Action- oder Horrorspektakel vorstellen. Im Grunde ist der Film ein viereinhalbstündiges Psychoduell der beiden Hauptprotagonisten "Kira" und "L", die umeinander herumschleichen und sich belauern. Umso stärker fällt es ins Gewicht, wenn da zwei kindliche Strubbelfrisuren aufeinandertreffen, die schauspielerisch so unbedarft sind wie durchschnittliche Soap-Darsteller. Den "Kira"-Darsteller kennt man schon aus den beiden "Battle Royale"-Filmen, wo er im zweiten Teil schauspielerisch auch schon negativ auffiel und mit dafür verantwortlich war, dass der Film qualitativ weit hinter dem Original zurückblieb. Sein filmischer Gegenspieler "L" wirkt ziemlich affig, wie er in jeder Einstellung eine andere, ausgefallene Süßigkeit in sich reinstopft und mit dem immer gleichen Gesichtsausdruck vor sich herglotzt. Mag sein, dass das in der Vorlage auch so ist, aber in einer Realverfilmung wirkt das unpassend oder ist zumindest ungeschickt umgesetzt. Beide Schauspieler schaffen es jedenfalls nicht, ihre Charaktere mit Leben zu erfüllen oder glaubhaft darzustellen.

Ein weiterer negativer Punkt, der anzusprechen ist, besteht in den Computer-Effekten. Die animierten "Death Gods", die nicht nur ab und an mal zu sehen sind, sondern eine durchaus wichtige Rolle spielen, sehen vollkommen billig und unecht aus, geradezu lachhaft sogar. Klar, das Budget war sicher nicht hoch - aber dann hätte man halt eine andere Lösung finden müssen. So schlechte CGI-Wesen hat kein Film verdient. Die wenigen Action-Sequenzen des Films bzw. der beiden Filme sind genauso statisch und wenig prickelnd wie die Kämpfe in "Azumi 2".

Trotz alledem sind die viereinhalb Stunden nicht schlecht. Als Zuschauer hat man nur den etwas bitteren Beigeschmack, dass das Thema wohl wesentlich mehr hergegeben hätte. Man kann sich "Death Note" eben auf dem Niveau einer ansehbaren, aber nicht überragend guten Sonntag-Nachmittag-Serie im Fernsehen vorstellen. Die Handlung ist zum Schluss interessant genug und bietet genug Abwechslung, so dass nie Langeweile aufkommt, auch wenn es die ganze Zeit vor Logiklöchern nur so wimmelt (ob es die in der Vorlage auch gibt, ist mir unbekannt). Beide Filme sind qualitativ praktisch gleich, und man muss sie wie gesagt unbedingt in der korrekten Reihenfolge ansehen, da es eigentlich nur um einen einzigen, zweigeteilten Film handelt.
Herbert.West

28.06.2007, 11:31



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