...das scheint jedenfalls die Botschaft zu sein, die „Crime Insiders“ vermitteln will. Und das macht er ganz hervorragend: ungeschminkt negativ werden sämtliche Protagonisten dieses rauen, schmutzigen, harten Films über das organisierte Verbrechen gezeichnet. Werte wie Ehrgefühl, Loyalität und Freundschaft scheinen ihnen ausnahmslos allen vollkommen fremd zu sein – gern wird mal was Entsprechendes vorgeheuchelt, wenn es der eigenen Sache dient; aber sobald ein Verrat sich lohnt, wird er auch begangen.
Damit entwirft „Truands“ natürlich das genaue Gegenbild zu all den Gangster-Glorifizierungen zahlloser Genrefilme, wie wir sie in den letzten 20 Jahren vor allem auch aus Hong Kong kennengelernt haben. Hier gab es neben den skrupellosen, unmoralischen Killern stets auch die Hitmen alter Schule, die tief drinnen doch stets bereit waren, sich für das Gute aufzuopfern. Und sei das Gute auch mal nur die Treue zu ihrem väterlichen Syndikatsboss. All das gibt es in diesem französischen Vertreter nicht, aber davon abgesehen, erinnert er in Aufbau und Narration des Öfteren stark an genau diese Streifen (nein, nicht an die von John Woo). Und, was noch entscheidender ist, vom Look and Feel her: Glamour und das happy Highlife sucht man hier auch in den luxuriösen Unterkünften der jeweiligen Chefs vergebens, über allem liegt ein Gefühl von kompletter emotionaler Leere und ständiger Bedrohung. Macht wird um der Macht willen angestrebt, längerfristig glücklich macht sie aber keinen. Wir erleben Lowlifes, die trotz allen materiellen Reichtums Lowlifes bleiben: gewalttätig, niederträchtig und letztendlich vollkommen perspektivlos.
Wie erwähnt, es gibt hier keinen Sympathieträger; am ehesten vielleicht noch Beatrice Dalle als Frau der Hauptfigur: ein älterer Gangboss, der keine Drogen in seinen Etablissements verkauft wissen will, aber das ist auch schon seine einzige Grenze. Seine Gang besteht aus unterschiedlichen Charakteren, die ihm alle in hohem Maße ergeben scheinen – solange er noch die Macht in der Unterwelt innehat. Dann gibt es noch Francky, der nicht zu seinem Syndikat gehört, aber immer wieder Jobs als Freelancer wahrnimmt, und der für unseren Boss fast wie der Sohn ist, den er niemals auf die Welt setzen konnte.
Am Rande seines Mafia-Universums gibt es dann noch zwei arabische Cousins, von denen einer gerade erst aus dem Knast entlassen wurde. Wo er offenbar in Kontakt mit radikalen Islamisten geriet und nun nicht mehr sicher ist, ob er sich einem Ungläubigen unterwerfen sollte...
Daneben tritt aber noch eine Vielzahl anderer Figuren auf, die alle ihre eigenen Pläne verfolgen und jederzeit bereit sind, sie an die aktuelle Situation anzupassen. Das führt zwischendurch immer wieder zu einer nicht sehr stringenten Erzählweise. Zeitweilig nimmt der Film so viele Fäden gleichzeitig auf, daß es schwer wird, sie alle wieder zu entwirren und dem Verlauf des Ganzen zu folgen. Da zudem alle Figuren gleichermaßen wenig Identifikationspotential bieten, geht das Involvement des Zuschauers auch mal für eine Weile flöten.
Hier wäre es vielleicht gut gewesen, sich auf ein paar Figuren weniger zu konzentrieren – allerdings wäre dann die Realität vermutlich nicht so gut abgebildet worden. Letzteres war vermutlich auch die Idee hinter dem zum Glück nur manchmal auftretenden Einsatz einer Handkamera – die sorgt aber für nichts anderes als Unübersichtlichkeit.
Zusammengefaßt ist „Crime Insiders“ eine Empfehlung für alle, die Lust auf einen gemeinen, teilweise schmerzhaften (und in einigen Szenen auch sehr brutalen) Film haben. Ich hätte mir allerdings manchmal deutlich mehr Tempo und Stringenz gewünscht, ab der Hälfte der Laufzeit läßt der Film hier deutlich nach und ist wohl auch einfach mindestens 20 Minuten zu lang. Deshalb nur 6,5 Punkte, aber ich war auf jeden Fall sehr positiv überrascht. |