Out of the Blue

Gray

von D.S.
Auch, wenn es unfair ist: für mich müssen sich dieses Jahr alle Real-Crime-Dramen an "An American Crime" messen. Da hat "Out of the Blue" leider nicht den Hauch einer Chance, auch wenn es sich wirklich nicht um einen schlechten Film handelt. Aber er bietet genau das nicht, was den erstgenannten zu einem so intensiven Erlebnis werden läßt: Involvement.

Ich zumindest fühlte mich hier fast nie in das Geschehen hineingezogen, zu merkwürdig distanziert und von außen "objektiv" beobachtend ist die Geschichte des neuseeländischen Amokläufers David Gray inszeniert. Wobei eine solche Objektivität natürlich real nicht existiert, der Film entscheidet über die Bilder, die er uns zeigt. Viele hinterließen aber nicht den gewünschten (?) Eindruck, konzentrierten sich auf Personen, die für mich in diesem Augenblick nicht die entscheidenden waren - und vermittelten mir weder das Entsetzen der Betroffenen bzw. Opfer in ausreichendem Maße noch gaben sie mir Einblick in die Motivation oder auch nur die Gefühlswelt des Mörders.

Nun kann man natürlich argumentieren, daß letzteres vermutlich auch gar nicht die Absicht des Films war. Sein Ansatz scheint ja vielmehr zu sein, die Plötzlichkeit des Amoklaufs zu verdeutlichen; das Nicht-Vorbereitet-Sein der Kleinstädter; die unvorhersehbare Wucht, mit welcher der Sturm über sie hereinbrach. Und eben gerade das Unverständnis. Das zumindest legen der Titel "Out of the Blue" und der Trailer zum Film nahe, der mit ungefähr folgenden Textcharts arbeitet: "They didn’t see it coming... Not then... Not there... Not ever".

Ok, das mag prinzipiell ein interessantes Anliegen sein, aber ist es auch eines, das einen solchen Spielfilm rechtfertigt? Und falls ja, vermittelt er diesen radikalen Einbruch des idyllischen Erlebens wirklich deutlich genug? Ich denke, hier hätte ein wenig dramatische Überhöhung vielleicht doch ganz gut getan. Oder zumindest eine dramaturgisch stärker gewichtende Inszenierung.

So bleibt für mich vor allem Distanz in Erinnerung. Die ist zwar durchaus ehrenwert und als Konzept, wie gesagt, interessant. Aber in meinen Augen hier eindeutig nicht fesselnd genug. Vielleicht ist die Buchvorlage in diesem Fall das passendere Medium, dem Film kann ich nur 4,5 Punkte geben.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 8, Frankfurt

05.08.2007, 06:11



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