An American Crime

There won’t be Sunshine for everyone.

von Timo
Zu den üblichen Folterspielchen und Funsplatterangriffen, stellt AN AMERICAN CRIME ein schönes Kontrastprogramm dar. Wobei "Spaß" in Zusammenhang mit diesem nüchternen, passiven, hoffnungslosen Stück Film natürlich das falsche Wort ist. Spaß hat man hier weiß Gott nicht. Aber das will der neuste Film von ELLA ENCHANTED-Regisseur Tommy O’Haver auch nicht. Er will uns lediglich die Möglichkeit geben mit den Charakteren mitzufühlen und sie wenigstens kennen zu lernen. Auch das ist Kino.

Was auf dem Papier vielleicht schnell zur theatralischen Seifenoper verkommt, geht Tommy O’Haver erstaunlich gut von der Hand. Das liegt zum größten Teil an den herausragenden Akteuren, allen voran natürlich Catherine Keener. Hätte nicht gedacht, dass dieses Jahr noch eine Darstellerin an der penetranten, passiv-aggressiven und beängstigenden Imelda Staunton (Dolores Umbridge in HARRY POTTER V) vorbei kommt. Mehr Angst macht mit jedoch, mit welcher scheinbaren Leichtigkeit dies Catherine Keener von der Hand geht. Man kann hier ganz ungeniert von einer der mit Abstand besten Leistungen des Kinojahres sprechen. Doch auch Ellen Page braucht sich nicht zu verstecken. Hatte sie bereits mit HARD CANDY oder X-MEN 3 bewiesen was sie drauf hat, kann sie in AN AMERICAN CRIME nun vollends überzeugen. Für mich ist Ellen Page schon jetzt eine der großen Hollywood Hoffnungen.

Was aber zeichnet den Film aus? AN AMERICAN CRIME lässt seinen Zuschauern stets die Wahl selbst zu entscheiden. Er selbst richtet nicht über das, was die Charaktere tun oder eben leider nicht tun. Und selbst wenn Gertrude Baniszewski am Ende wegen ihrer Taten ein Monster ist und mehr verdient hätte als sie bekommt, kann man sich einen Funken Mitleid nicht ganz verkneifen. Tommy O’Haver’s Film ist deshalb ein beeindruckendes Drama geworden, dem es im Wahn der Reflektierung vielleicht etwas an Ambivalenz fehlt, weil oft die Nebencharaktere zu eindimensional ausfallen. Doch ansonsten gibt es an AN AMERICAN CRIME nicht wirklich etwas zu rütteln.
Timo
sah diesen Film im Metropolis 8, Frankfurt

06.08.2007, 08:54



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