von Fans für Fans

Fido

Ein Zombie hing an der Hundeleine

von D.S.
Zweifellos ein netter Film. Sorgt für viele Lacher, ist locker, leicht und unbeschwert. Um mehr als nur nett zu sein, ein echter Top-Film etwa, fehlt ihm jedoch gehörig Biss. Und das, obwohl seine wichtigsten Accessoires da das genaue Gegenteil für sich verbuchen können... Aber nicht jede Komödie mit menschenfressenden Untoten hat automatisch den Drive und die Überdrehtheit von "Shaun of the Dead". Das muß jetzt nichts Schlechtes heißen, nur muß man einfach darauf vorbereitet sein, daß es bei "Fido" doch sehr viel ruhiger, braver und in jeder Hinsicht harmloser zugeht. This is Hollywood, not England.

Aber eine solche Bewertung ist vielleicht auch ein wenig unfair, denn letztlich ist "Fido" wohl viel weniger nur eine Zombie-Komödie als vor allem auch eine Persiflage auf das Kino- und Filmerlebnis, das ein US-Bürger in den "Goldenen 50ern" hatte. Das fängt schon mit der Eröffnung des Films an: ein typisches Educational Movie, aber eben nicht über beispielsweise die Gefahren des Marihuana-Mißbrauchs, sondern über den "Great Zombie War" und die Entstehung der modernen, Zombig-Integrierenden Gesellschaft. Nach dem Zwischenfall der intergalaktisch-radioaktiven Verstrahlung des gesamten Planeten erheben sich alle Toten wieder aus ihren Gräbern - aber dank der großartigen Leistungen von "ZomCom" sind sie mittlerweile nicht länger eine Bedrohung, sondern eine Bereicherung für den braven amerikanischen Bürger. Sie dienen als Arbeitssklaven, als Haustiere, als Statussymbole - und manchmal sogar als Liebesdiener, gezähmt durch ein Halsband, das allerdings ab und an seine Aussetzer hat... und dann kommt es zu Problemen in der heilen Welt. Was auch Timmie erfahren muß, der sich eine sehr enge Bindung zu Fido, dem ersten Hauszombie seiner Familie aufgebaut hat.

Das Faszinierendste an diesem Film war für mich weniger nur der schön absurde Gedanke, verwesende Horrorgestalten in eine alltägliche menschliche Lebenswelt einzubauen. Das führte zwar zu einer Menge zum Schreien komischer Situationen - aber irgendwann war der Witz auch verstanden, durch, nicht mehr ganz so witzig. Was "Fido" eine Stufe weiter brachte, war vielmehr die Form dieser menschlichen Gesellschaft. Wir finden uns hier nämlich in der typischen, perfekten Suburbia-Idylle aus den Hollywoodstreifen der 50er Jahre wieder. Bis ins Detail wurden entsprechende Filme nachgebaut, von der stets perfekt frisierten Hausfrau über den strebsamen Schüler bis zum Familienerlebnis Nummer 1, dem gemeinsamen Waschen der Pracht-Limousine am sonnigen Sonntagnachmittag. Herrlich - vor allem, weil diese Idylle durch das Vorhandensein nicht des Familienhundes, sondern des Familienzombies ins feinsinnig Groteske verzerrt wird. Wenn man mag (aber das ist nur meine kleine persönliche Theorie, die durch nichts in der Handlung untermauert wird), kann man dem Film hier sogar noch ein bißchen mehr Message unterstellen - indem man sich nämlich Schwarze anstelle der Zombies vorstellt. Was ja nun zum hier persiflierten Zeitbild bzw. Gesellschaftszustand durchaus passen würde...

Warum ich "Fido" trotzdem nicht mehr als 7 Punkte geben kann? Naja, dieser Film ist weder besonders mitreißend noch in irgendeiner Form nachhaltig. Er ist auch nicht so temporeich oder durchgeknallt, daß man permanent vor Lachen unter dem Stuhl liegen würde. Im Gegenteil, er schreitet sehr gemächlich voran und ist im ambivalentesten Sinne "amüsant": nette Familienunterhaltung für nebenbei, sicherlich toll gemacht, aber letztendlich auch ohne irgendwelche Ecken und Kanten. Für das "50er Jahre-Filmexperiment" durchaus lobenswert, rund und in sich absolut stimmig. Aber nicht aufregend genug, um etwa zu einer Kult-Komödie zu werden.

Nicht falsch verstehen, ich fand den Film alles andere als schlecht. Der Superhit ist er aber eben auch nicht. Dennoch einer, den man dieses Jahr gesehen haben sollte. Und ja, ich will jetzt auch einen Haus-Zombie haben ;)
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 6, Frankfurt

07.08.2007, 04:52



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