Holla, eine sehr positive Überraschung! Gleichzeitig einer der Filme, die beim FFF 2007 bisher wohl am wenigsten Beachtung gefunden haben – dabei eigentlich ein idealtypischer Festivalvertreter, jedenfalls wäre er das in früheren Zeiten gewesen: Tierhorror at its finest, ohne Kompromisse, ohne Albernheiten und ganz sicher kein Stück weit Trash.
Angeblich basiert „Black Water“ auf einer wahren Geschichte. Worauf man vielleicht nicht viel geben muß, was aber die geringe Zahl potentieller Opfer erklärt, die hier anwesend ist: ein Liebespaar plus die beste Freundin, das war’s schon. Gemeinsam macht man sich in den Winterferien auf, Australiens Provinz zu entdecken und entspanntes Freizeitleben zu genießen. Schon bald führt der Trip zu „Barry Backwater“, der eine alternative Flußrundfahrt samt Angeln und Tierwelt-Entdecken anbietet. Tatsächlich werden unsere drei Protagonisten plus Reiseführer dann aber entdeckt. Von einem nicht ganz so freundlichen, dafür aber ganz schon großen Killerreptil. Das sehr schnell klar macht, wer hier das Hausrecht hat...
Was dann passiert, kann sich zwar jeder denken: ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen verängstigten Touristen auf einem Baum im Sumpf und einem aggressiven Salzwasserkrokodil, das zu allem möglichen bereit und in der Lage ist. Storymäßig wird hier also nicht allzu viel geboten, und wir erleben auch keine Non-Stop-Action mit Kills am Fließband (wie auch, bei nur drei Protagonisten), aber das macht gar nichts – denn die Action, die uns beizeiten dann geboten wird, hat es in sich. Es gibt nicht nur einige fantastische Heartstopper-Momente, sondern vor allen Dingen über einen großen Teil der Laufzeit wirklich aufgeladene, an den Nerven zerrende Stimmung. Wo verbirgt sich das Krokodil gerade? Kann man es wagen, mal eben ins Wasser zu gehen? Was war das für ein Geräusch?
Dabei wirkt „Black Water“ außergewöhnlich realistisch. Das hier ist eben kein CGI-Monster, sondern ein ECHTER Jäger, was man in jedem Moment spürt. Und auch die menschlichen Protagonisten kommen vom Habitus und ihrem gesamten Verhalten, ihren Entscheidungen und ihren Ängsten her sehr viel nachvollziehbarer rüber als allgemein üblich. Das heißt allerdings auch, daß wir ein erhöhtes Maß an Rumgeheule und Redundanz ertragen müssen – Kollateralschaden ;)
Warum ich dem Film trotzdem nicht mehr als 6,5 Punkte gebe? Gute Frage, schwer zu beantworten. Irgendwie hat er mich nur über einen Teil seiner Laufzeit wirklich gefesselt, vielleicht waren die Optionen der Handlung einfach zu begrenzt und die Location auf Dauer zu eintönig. Und notgedrungen schleppte sich der Storyfortlauf manchmal auch ein wenig dahin. Vielleicht hatte ich nach einem gewissen Review in der „Deadline“ aber auch schlicht ZU hohe Erwartungen.
Dennoch möchte ich „Black Water“ jedem ans Herz legen, der auch nur die geringste Schwäche für ernsthaften Tierhorror (oder überhaupt für einen ernsthaften Horrorfilm) hat. In diesem Subgenre kenne ich kaum besseres. Übrigens mag vielleicht die Story irgendwo tatsächlich stellenweise ein bißchen an „Open Water“ erinnern, die Inszenierung allerdings dankenswerter Weise überhaupt nicht. Das hier ist kein DV-Pseudo-Doku-Mist mit Exotik-Einlagen, sondern ein echter Horrorfilm mit einem nur zu real vorhandenen Feind. Ich vergebe 6,5, aber je nach Vorliebe sind auch bis zu 8,5 Punkte absolut nachvollziehbar. |