crazy

I’m a Cyborg, But That’s OK

I do not always get the Korean sense of humour, but that’s okay

von zoulwags
Zunächst mal: nach dem Hype kommt der Backlash. Von daher war es ja eigentlich abzusehen, dass der arme Chan-wook Park, nachdem er mit dem jüngsten seiner Rache-Filme, "Sympathy for Lady Vengeance", endlich auch in den Feuilletons der überregionalen Presse gelandet war, demnächst mal eine vor den Latz geknallt bekommt. "Überschätzt", "Lieblos gemachter Film" u.ä. war hier von anderen Rezensenten zu lesen. Ich bedanke mich bei den Vertretern dieser Ansicht, da ich auf diese Weise relativ skeptisch in den Film gegangen bin und relativ glücklich wieder raus kam.
Sicherlich ist "Cyborg" anstrengend, wenn man sich richtig auf den Film einlässt. Anstrengend nicht nur, weil man massig englische Untertitel lesen muss, sondern weil man sich auch erst einmal in die Perspektive der Geschichte einfinden muss, in der nur selten der Blickwinkel der "normalen" Charaktere wie der Ärzte und Young-goons Mutter dominiert. Die meiste Zeit dominiert die Sicht der Neurotiker, allen voran Young-goons, die sich selbst für den titelgebenden Cyborg hält. Das führt dazu, dass man am Anfang des Films mitunter peinlich berührt meint, man sei in einer Georg-Thomalla-Klamotte der 70er-Jahre gelandet. Doch je länger der Film dauert, desto klarer wird, dass es hier nicht um vordergründige "Irrenanstaltswitze" geht, sondern dass der Film die Patienten der Nervenklinik bei allem Schabernack ernst nimmt und ihnen Respekt zollt. Am deutlichsten wird dies natürlich in der zentralen Geschichte, in der Il-Sun, der Dieb, der gute Mensch und jugendliche Liebhaber, es sich zur Aufgabe macht, Young-goon zu retten. Denn eigentlich verbergen sich hinter Young-goons skurriler Marotte, sich selbst für einen Cyborg zu halten, Essstörungen, die so gravierend sind, dass sie sich im Verlauf des Films beinahe zu Tode hungert.
Hier deutet sich die wahre Kunst von Chan-wook Parks Film an: was so auf den ersten Blick so witzig und absurd daher kommt, wurzelt bei genauem Hinschauen in einer durchdachten und alles andere als witzigen Geschichte. Im Kern ist "Cyborg" sicherlich eine Komödie, ja sogar eine romantische, aber eben eine über Essstörungen, Neurosen, Verlust, Trauer und - auch das noch - den Sinn des Lebens. Die scheinbare Absurdität ist letztlich nie Selbstzweck, sondern stets motivisch mit dem Rest der Geschichte verknüpft. Meine arme Mitgeherin musste sich nach dem Kino auf dem Heimweg bereits eine Aufschlüsselung der Motive anhören. Wer bis hierhin gelesen hat, dem danke ich für die Geduld, erspare ihm (oder ihr) aber den Rest.
zoulwags
sah diesen Film im Cinedom 6, Köln

11.08.2007, 01:46



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