WΔZ

Torture Sells

von zoulwags
Der folgende Review enthält SPOILER!
Stahlnägel, die unter Fingernägel gehämmert werden, Kniescheiben, die zertrümmert werden, männliche Genitalien, die verstümmelt oder abgeschnitten werden. Eli Roth hat es vorgemacht und Folterhorror boomt. So auch in "WAZ", der zwar anfangs eher nach schmutzigem Cop-Film mit "Seven"-Ästhetik aussieht und hektische Geschäftigkeit (Wackelkamera, hohe Frequenz des bösen F- bzw. C-Worts) verbreitet, sich dann aber spätestens im letzten Drittel mit großen Schritten in Richtung Folterecke bewegt. So weit, so unnötig. Ich gebe zu, dass ich "Hostel" für bodenlos halte und mich alle weiteren Beiträge zu diesem Subgenre bisher wenig gekratzt haben.
"WAZ" macht es einem allerdings etwas schwerer, denn hinter den Folterszenen steht die Frage, wie viele Schmerzen ein Mensch bereit ist zu ertragen, um das Leben eines geliebten anderen Menschen zu retten. Zweifelsohne eine "ethisch provokante" (Programmheft) Frage und die Antworten, die der Film bietet, sind tatsächlich ziemlich interessant. Aber sind wir doch mal ehrlich: wollte uns der Regisseur hier wirklich zum Nachdenken bringen? Ist die Konstellation, vergewaltigte Frau rächt sich an ihren Peinigern, indem sie sie der Reihe nach besagtem "ethischen Test" unterzieht, nicht ein bisschen arg weit hergeholt? Und dient sie nicht vielleicht sogar ein bisschen dazu, dass Selma Blair am Ende dem nackt auf einen Stuhl gefesselten alten Haudegen Stellan Skarsgard all die eingangs erwähnten unangenehmen Dinge zufügen kann? Ich meine ja. 100% Selbstzweck. Und trotzdem konnte ich mich der Faszination der Fragestellung und somit gerade dem letzten Teil des Films nicht verschließen.
Deshalb fällt mir bei kaum einem Film dieses Jahr so schwer, ihn zu bewerten.
Da hilft auch der Blick auf Schauspieler als Übersprungshandlung nicht. Die Damen Blair und George fand ich beide sehr überzeugend, während Stellan Skarsgard bei der Darstellung des ultra-toughen Cops bisweilen arg ins Chargieren geriet. Dazu trug auch sein seltsamer Akzent bei, der nach allem, aber nicht nach New York klang. Auch hier also Licht und Schatten, und ich pendle mich daher mal salomonisch bei einer mittleren Bewertung ein.
zoulwags
sah diesen Film im Cinedom 6, Köln

15.08.2007, 11:46



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