Tales from Earthsea

A falcon flies alone, soaring in the wind

von lexx
Sprachlos war ich, sprachlos bin ich, was Goro Miyazaki hier mit ganzer Herzensliebe erschaffen hat, lässt sich für mich schwer in Worte fassen. Nach den durchschnittlichen Bewertungen bei f3a, waren meine Erwartungen relativ niedrig angesetzt, umso mehr bin ich überrascht, wie sehr dieser Film selbst meine kühnsten Hoffnungen noch übertroffen hat. Zu erklären ist dies mit meiner großen Vorliebe für niveauvolle, ernsthafte, atmosphärische und realistisch anmutende Fantasy Geschichten, die in etwa so häufig auf Zelluloid gebannt werden, wie man Drachen über unsere Köpfe flattern sieht. Tales from Earthsea ist in jeder Hinsicht atemberaubend, solche traumhaft schönen Landschaftsbilder habe ich noch bei keinem Ghibli Meisterwerk erleben dürfen, gepaart mit etlichen ausufernden Zeitspannen, in denen der Zuschauer aus einer Symbiose von klassischer Musikuntermalung per Excellenze und irisch, mittelalterlichen Landschaftsbildern, geradezu in einen Rausch versetzt wird. Und als würde dies nicht bereits genügen den Zuschauer zu verzaubern, setzt uns der Film zudem allerliebste Hauptcharaktere vor, deren Texte steht’s tiefgründig zu bewegen wissen, und sich in jeder Hinsicht der Aura der dargebotenen Bilder mehr als würdig erweisen. Ich bin wirklich begeistert mit welcher sensiblen Feinarbeit Goro Miyazaki diese Geschichte umgesetzt hat. Wer hier die vielen verrückten Ideen von Spirited Away oder die Action geladene Geschichte von Princess Mononoke vermisst, der hat - so leid es mir tut - einfach nicht die Essenz dieser Perle erkannt. Tales from Earthsea ist weniger ein unterhaltsamer Anime, der in standardisierte Formen gegossen wurde, viel mehr erlebt der Zuschauer eine Reise in eine Welt, die unserer sehr ähnlich ist und nur mit wenig Hokuspokus versetzt ist. Das ist eine Formel, aus der Magie entsteht. Fantastische Elemente werden sparsam aber effektvoll eingesetzt, so hält man die Zauberflamme am brennen und dämmt nicht durch übertriebenen Einsatz die Wirkung. Ich muss es so direkt schreiben und ich schreibe es gerne, gegenüber Tales from Earthsea wirkt der Herr der Ringe Film wie eine Fast Food Abfertigung. Endlich habe ich meine Fantasy Referenz gefunden, auf die ich nach dem Letzten Einhorn Film so lange gewartet habe. Etwas Kritik muss sich jedoch auch Tales from Earthsea gefallen lassen. Mr. "ich ziehe mir einen dämlichen Fliegerhelm über und mache einen auf lächerlich böse" hat eher die Wirkung einer Erbse unter der holden Matratze einer zarten Prinzessin, ist einfach immens deplatziert und nervt. Aber ohne diesen Störfaktor wäre dieser Film einfach zu perfekt geworden, so viel Glück war mir noch nie vergönnt.

Als Fazit muss ich bei den ganzen durchschnittlichen Bewertungen hier jedoch eine Warnung vorweg schicken. Der Film scheint eine ganz spezielle Ader bei mir zu treffen, ich war einfach mehrfach ungemein bewegt und völlig hingerissen, dass mir gewisse Schwächen vielleicht gar nicht erst aufgefallen sind, bzw. auffallen wollten. Ich habe mich einfach darauf konzentriert, was diesen Film ausmacht und mich davon verzaubern lassen. Es wird sehr viel geredet und philosophiert. Allerdings auch ebenso oft geschwiegen, einfach um die Szenen wirken zu lassen und nicht platt zu reden. Daraus zieht der Film einen nicht gerade Mainstream konformen Reiz, dem man sich hingeben muss.
Tales from Earthsea atmet definitiv das leidenschaftliche Ghibli Herz, kommt aber doch ganz anders daher, als man es von seinen Artgenossen gewohnt ist. Die Grafiken sind traumhaft schön, die Musik absolut bezaubernd und ergreifend, die Charaktere liebevoll, sympathisch und realistisch. Bei dieser meisterhaften Ausarbeitung wirkt die Geschichte fast nebensächlich, bleibt aber trotzdem jederzeit interessant und unterhaltend. Alles in allem ist Tales from Earthsea daher ein überragendes Film Erlebnis, welches man unbedingt im Kino gesehen haben muss. Spätestens jetzt muss ich mir zwingend überlegen eine Ghibli Tätowierung machen zu lassen, irgendwie muss man sich ja erkenntlich zeigen.*s*

Als Bonus gibt es noch ein kleines Gedicht aus einem Lied, vorgetragen von einem kleinen Mädchen, einsam stehend auf einem Hügel, beobachtet von einem Jungen, dem die Tränen in den Augen standen. Der sicherlich ergreifendste Moment im ganzen Film, das hat sicher nicht nur der Junge so empfunden.

Far, far above the clouds, against the setting sun
A falcon flies alone, soaring in the wind
I hear his lonely cry, so sad must he be
Riding the silent wind, a falcon flies alone
Reaching out with his wings, grasps the empty sky
Riding the silent wind, never can he rest
What it is within my heart, none can ever know
A heart like a falcon’s, is this very heart
What it is within my heart, none can ever know
Lonely falcon in the empty sky
I walk alone along, deserted country roads
Walking with me side by side, you are always there
I feel your loneliness, lonely you must be
Crickets whispering, in the grassy fields
You walk there by my side, you walk the path with me
But you never say a word, never do you speak
What it is within my heart, none can ever know
Here inside this heart, that walks its path alone
What it is within my heart, none can ever know
The sadness of one, who always is alone
lexx
sah diesen Film im Metropolis 6, Frankfurt

19.08.2007, 14:19



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