Dawn of the Dead

Vom heiligen Gral und wie man zugreift, ohne zu entweihen...

von QuintenQuist
Es gibt Filme, die fasst man nicht, unantastbare Kunstwerke vergangener Epochen, die im eifrigen Fan bei jeder Annäherung den Reflex wachrufen, zur Verteidigung des heiligen Grals anzusetzen.

Romero`s "Dawn of the Dead" ist so ein Werk und das ja auch nicht zu Unrecht, hat doch kaum ein Film einem Genre so sehr den Ton und die Gangart vorgegeben wie dieser, wobei man natürlich fragen könnte, ob es nicht vielleicht auch einfach an mangelndem Talent gelegen hat, das es sich so verhält, aber wie auch immer, jemand hat sich getraut, ein Herr namens Zack Snyder, sympathischer Kerl, er spricht auf der DVD zu mir, uns, den geneigten Sehern und es gehört schon einiger Wagemut dazu ( oder auch Profitgier ), ein so geheiligtes Stück Zelluloid neu zu verfilmen.

Was einem vor Betrachtung des Remakes klar sein sollte ist, dass ein Kaufhaus als Schauplatz heute kaum noch dazu reicht, Konsumkritik zu üben, die Zeiten haben sich geändert, die Zombies schlurfen ja auch nicht mehr debil rum sondern legen ein mächtiges Tempo an den Tag ( für einige Fans noch so ein blasphemisches Moment der Modernisierung ), und so bemüht sich der Film auch nicht etwas zu sein, was heute einfach keinen Sinn mehr macht.

Und nein, der Film versucht auch nicht, das Original zu übertreffen.

Erinnern sich weniger geübte Filmseher an das Original fokussiert sich die Wahrnehmung auf den Part im Kaufhaus, was soweit geht, das aus "Dawn Of The Dead" "Zombies im Kaufhaus" wird und Snyder ist so konsequent, genau diesen ins kollektive Fanbewusstsein eingeflochtenen Teil des Originals ohne langes Vorspiel zu seinem Zentrum zu machen.

"Dawn Of The Dead" ist primär ein Film von jemandem, der das Genre mag, ein visuell außerordentlich eindrücklicher, blutiger Horrorfilm, der mit dem, was er mehr an Budget hat im Vergleich zum Original auch wirklich etwas anzufangen weiß.
Der Film ist ein eigenständiges Werk mit unverkennbaren Einflüssen, ohne Zweifel, aber lässt man einmal den Reflex, das Original immer als unantastbar zu betrachten, Reflex sein, darf man dieses Remake durchaus auf dieselbe Stufe mit dem Original stellen, denn Snyder kopiert hier nicht, er hat viele schöne Ideen, ein strammes Tempo und, ein klares Plus zu Romero`s Film, die weit besseren Darsteller, die nicht wirklich viel brauchen, um ihre Charaktere spürbar zu machen.

Sarah Polley, Jake Weber und natürlich Ving Rhames sind im Gegensatz zu den durchschnittlichen Schergen, die man im Genre so vor sich hin kreischend ertragen muss, erwachsene charismatische Schauspieler, die einen Film tragen können.

So ist Snyder`s "Dawn Of The Dead" vielleicht nicht dem zivilisationskritischen Geist des Originals verhaftet, aber er gibt ihm ein neues Gesicht, ein anders Gewand.

Eine Möglichkeit, den heiligen Gral neu zu betrachten, vielleicht auch mal ganz kurz zu berühren, ohne das man ihn gleich entweihen würde.
QuintenQuist
sah diesen Film im Cinemaxx, Hamburg

11.09.2007, 21:21



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