Holla, hier hat es jemand offensichtlich auf neue Rekorde angelegt. In „Inside“ wird gelitten, geschrieen und geblutet wie vielleicht noch nie, da gibt der Titelvorspann schon ganz gut die Richtung vor. Wie man diesen Film, in dieser Fassung, an irgendeiner deutschen Kommission vorbeibringen will...? Man darf gespannt sein.
Es wurde in den vorhergehenden Reviews ja schon darauf hingewiesen: „Inside“ ist absolute Reduktion in Raum, Zeit und Handlung. Fast der gesamte Film spielt sich im Haus der von Alysson Paradis grandios gespielten Hauptfigur Sarah ab, in der Nacht vor Weihnachten, der Nacht vor der Geburt ihres Kindes. Und die Handlung beschäftigt sich mit nichts anderem als dem Versuch einer gnadenlosen, ganz in Schwarz gekleideten, von Béatrice Dalle unglaublich intensiv gespielten Frau, diese Geburt zu ihrer eigenen zu machen – an das Kind im Bauch von Sarah zu kommen.
Dafür ist ihr jedes Mittel recht – und über Leichen zu gehen, ist für sie fast Ehrensache. Gut, das kann man, wie auch die sonstige Zeichnung der Figur, als recht unglaubwürdig betrachten. Man kann weiterhin einige Nebenfiguren als überflüssig bezeichnen und kleinere logische Schwächen im Geschehen ausmachen. Vor allem kann man natürlich vortrefflich über den exzessiven Einsatz von Gewalt diskutieren oder sich gar über die politischen, ja sogar philosophischen Konnotationen des Films auslassen.
Man kann sich das alles aber auch einfach stecken und beim Betrachten von „Inside“ zwischendurch kurz mal das Atmen vergessen. Denn was hier an Intensität, bedrohlicher Atmosphäre, einem Gefühl der Ausweglosigkeit und schieren Unfassbarkeit an physischem wie psychischem Terror aufgebaut wird, sucht schon seinesgleichen.
Keine Frage, der Mindfuck bei „High Tension“ war ein anderer und heftigen Gore hat man auch schon vorher ein paar Mal gesehen (wobei „Frontier(s)“ in einigen Momenten leicht mithalten kann). Aber die schiere Masse, das schiere Ausmaß, die brutale Konsequenz des Ganzen... da kann einem schon die Spucke wegbleiben.
„Inside“ ist verdichtet bis zum Extrem, macht vor nichts und niemandem halt und wirkt dabei nur in ganz wenigen Szenen etwas billig. Im Gesamten erleben wir hier eine Gewalt- und Panik-Spirale, die sich immer schneller, immer atemloser und immer hemmungsloser zu zieht. Und dabei einige Bilder abliefert, die man nicht so schnell wieder zu sehen bekommen wird. Reingehen, anschnallen, Mund nachher wieder zumachen. 8 Punkte. |