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Sukiyaki Western Django (2007)

Holt die Spaghetti nach Asien zurück!!!

Film Nummer 70 in gerade einmal 17 Jahren! Unglaublich, was dieser Takashi Miike zu leisten im Stande ist. Nicht nur, die schiere Menge an Filmen, nein, auch deren zugegebenermaßen schwankenden, aber nicht von der Hand zu weisenden Qualitäten sind es, die mich immer wieder erstaunen.

Daß sich dieser Mann dazu auch immer wieder selbst neu zu erfinden in der Lage ist, zeigt er nun eben mit seinem (fast) neusten Output: „Sukiyaki Western Django“. Ein japanischer Italowestern? Irgendwie schon, wobei da ein sehr großes Fragezeichen um das Fragezeichen gezogen werden muß.

Miike lässt einen namenlosen Fremden in ein vom Goldrausch arg gebeuteltes und fast verlassenes Städtchen irgendwo im Nirgendwo einreiten. Fast verlassen deshalb, weil es doch tatsächlich noch zwei verfeindete Gruppen gehalten hat in diesem Loch. Die in hübsches Rot gewandeten Heikes (obwohl wir es hier nur mit Männern zu tun haben) und die in unschuldiges Weiß gehüllten, zahlenmäßig überlegenen Genjis. Unser japanischer Clint Eastwood Verschnitt ist heiß begehrt, nachdem er seine beeindruckenden Fähigkeiten am Colt demonstrieren durfte, doch er beschließt bei der alten Dorfschnapsdrossel unterzuschlüpfen und nach einem Pläuschchen die beiden Banden und ihre grundunsympathischen Anführer gegeneinander auszuspielen.

Als geschulter Westernfreund dürfte einem die Geschichte bekannt vorkommen und auch als noch geschulterer Easternexperte wird einem hier sicher einiges bekannt vorkommen. Da ich mich zugegebenermaßen nicht zu Zweiteren zählen kann, muß ich mich eben auf mein Corbucciauge und mein Castellariherz, sowie meinen Leoneverstand verlassen.

„Sukiyaki Western Django“ spielt mit dem Zuschauer. Immer wieder fühlt sich der in wohlige Westernästhetik gekuschelte Zuschauer fremd und wird von bizarr anmutenden Regelverstößen wachgerüttelt. So stehen in einem typischen, schmuddeligen Westerndorf japanische Kondos und Pagoden in denen die Antihelden auf Tatamis die Philosophie der Samurai mit dem Schwert debattieren bis die Köpfe qualmen und bersten. Und zu allem Überfluß sprechen sämtliche Darsteller – allesamt natürlich Japaner (Tarantino hat zwei kleine Gastauftritte, die für Erheiterung sorgen) – ein ungeheuerliches Englisch, aber das war ja seinerzeit bei den vielzitierten Nudelessern Südeuropas oft auch nicht anders.

Miike hat sichtlich Spaß daran mit den ihm zur Verfügung stehenden Klischees zu spielen und immer wieder unzählige Filmzitate teils subtil zu verstecken, um sie dann reichlich wenig subtil auch dem begriffsstutzigsten Zuschauer ins Gesicht zu schlagen, dabei wildert er von Japan bis Schweden in einer Zeitspanne von grob geschätzt 1961 – 2020. Die an sich sehr dramatische und ernste Geschichte konterkarikiert er dabei durch albernste Blödeleien und immer wieder absurd anmutende Übertreibungen. Ein wahrhafter Spaß den immer gut gelaunten Darstellern bei diesem Hin und Her zusehen zu dürfen und den nächsten Blödsinn, oder das nächste geniale Zitat zu erwarten, zu goutieren und zu beklatschen.

„Sukiyaki Western Django“ ist sicher kein reiner und schon gar kein ernster, oder sonderlich harter Western. Jedoch: es ist unzweifelhaft ein Western, es ist ein japanischer Western, ein mitunter alberner japanischer Western. Zweitweise sogar ein wirklich übermäßig kindischer alberner japanischer Western, aber es ist und bleibt ein Western! Wem dies als Empfehlung nicht reicht, es ist einer der ganz wenigen Western in denen es sogar schneit und selbst Klaus Kinski konnte mit seiner eisigen Präsenz nicht dafür sorgen, dass die Dächer der Pagoden innerhalb einer Szene mit Schnee bedeckt sein konnten. Ein Leistung die vielleicht nur ein Takashi Miike zu leisten im Stande war, dieser Mann kann sogar die Sonne am Himmel festbinden, davon bin ich jetzt überzeugt!
Rohrkrepierer
sah diesen Film im Cinecitta', Nürnberg
 
08.04.2008, 17:58
 

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