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Cypher (2002)
| Direktlink  | Ich bin als langjähriger Filmfest-Besucher schon einige Male auf hochtrabende Texte des Festival-Programmhefts bzw. der Homepage hereingefallen. "Cypher" gehört jedoch nicht zu den Filmen, bei denen die Filmbeschreibung der offiziellen Filmfest-Homepage zu dick aufträgt. Allerdings gerät man keineswegs "[...] mit jeder Minute tiefer in den Bann dieses Films." Der Anfang weckt wenig Interesse und macht es dem Zuschauer schwer, sich für den Film zu begeistern. In den Bann des Films wird man erst später gezogen, denn der Handlungsverlauf ist, nachdem die Anlaufschwierigkeiten überwunden sind, überraschend und selten vorhersehbar, der Zuschauer bleibt lange im Unklaren über die wahre Identität des Morgan Sullivan alias Jack Thursby.
Die Ernüchterung setzt wieder ein, wenn das Ende naht und man den Grund für alles, was im Film passiert ist, aufgetischt bekommt. Ein schlechtes, typisch amerikanisches Ende.
Der Film ist nicht schlecht, aber bei der Auswahl Filme, die das Festival dieses Jahr aufbietet, würde ich diesen Film nur bedingt weiter empfehlen. | life.sux |           25.07.2003, 00:39 | | |
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Billig, aber intelligent | Direktlink  | Vergeßt alle Assoziationen zu CUBE: CYPHER ist weitgehend ein sehr "normaler" Film. Relativ dialoglastig, mit nur wenigen Spezialeffekten und ebenso wenigen Actionsequenzen. Ein Film über Industriespionage in der Computerindustrie. Das Thema ist also eher konventionell – allerdings gibt es einige Merkmale, die CYPHER deutlich von der Masse abheben und ihn eben doch zu einem typischen Natali-Film machen. Zu einem Film, der den gewöhnlichen Rahmen sprengt.
Das fängt schon damit an, daß Spionage als Thema nicht komplex genug scheint: hier geht es um Doppel-, nein Dreifach-, nein Vierfach-,... Spionage. Wir begegnen Morgan Sullivan, der sich als Undercover-Agent bei der Firma Digicorp bewirbt und den Auftrag erhält, den Konkurrenten Sunways auszuspionieren. Doch schon bei seinem allerersten Einsatz als "Jack Thursby" lernt er die hübsche Rita kennen, die ihn bald vor üblen Plänen seitens seines Arbeitgebers warnt und ihn dazu bringt, sich als Doppelagent zu verdingen – bei Sunways. Und das ist noch lange nicht das Ende der verwirrenden Reisen Sullivans durch verschiedene Realitätsebenen und Identitäten, durch Lug und Trug und Verrat... Dabei muß sich Sullivan – genau wie der Zuschauer – ständig fragen: Wem kann ich wirklich vertrauen? Was ist hier gerade Realität und was Fiktion?
Das Konzept des Films ist nicht neu – ähnlich gelagerte Storyideen hat es bereits mehrfach gegeben. Und einem dieser Vorbilder – mit Mikey Rourke in der Hauptrolle – verdankt CYPHER wohl auch ganz explizit seinen Titel. Und leider läßt sich die Auflösung des Mysteriums nach einer gewissen Zeit auch relativ leicht erahnen – eine Auflösung übrigens, durch die sich der Film zu reinem Popcornkino degradiert. Fragen bleiben am Ende jedenfalls keine offen. Dennoch funktioniert CYPHER, mehr noch: er fasziniert. Denn der recht verworrene Handlungsablauf mit seinem häufigen Wechsel der Realitäten legt ein ziemliches Tempo vor – was auf visueller Ebene noch gesteigert wird durch mehrere hypnotische Zwischensequenzen, rauschhafte Bildfolgen, die den Zuschauer geradewegs in die Leinwand und in die Psyche Morgan Sullivans zu ziehen scheinen. Zudem ist Natali einfach ein begnadeter Erzähler: zwar bleiben wir recht lange im Unklaren darüber, was hier eigentlich vor sich geht, doch werden ständig Clues und auch rote Heringe eingestreut, die uns bei der Stange halten, unser Interesse an der Story und vor allem ihrer Auflösung schüren.
Ein deutlicher Negativpunkt sind sicher die oftmals jämmerlich billig wirkenden Sets und Bauten. Für CUBE stand wahrscheinlich noch wesentlich weniger Geld zur Verfügung – angesichts des sehr spartanischen Sets fiel das dort aber nicht so ins Gewicht wie hier, wo wir mit einer Vielzahl unterschiedlichster Handlungsorte konfrontiert werden. Der billige Look schmälert die Begeisterung für das Geschehen manchmal merklich, weil eine so intelligente und "sophisticated" Story in einem solch "notdürftigen" Rahmen einfach deplaziert wirkt. Dieser Punkt trägt dann, wie auch das erwähnt vorhersehbare und "billige" Ende, dazu bei, daß CYPHER wohl kein Film geworden ist, an den man sich lange erinnern wird. Erst recht kein Meilenstein, kein so originelles und verstörendes Meisterwerk wie CUBE.
Aber nichtsdestoweniger haben wir hier einen extrem gut unterhaltenden und intelligenten Thriller vor uns, der weitaus besser funktioniert als die Mehrzahl der Möchtegern-cleveren Filme aus Hollywood. 7,5 Punkte | Dominic Saxl sah diesen Film im Cinemaxx, Berlin |           20.08.2003, 04:25 | | |
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