The Hillside Strangler (2004)
Based on a true story. | Direktlink  | Im wesentlichen gibt es drei verschiedene Arten von Filmen über echte Serienmörder. Einmal solche, die die realen Geschehnisse nur als Hintergrund für eine Story benutzen, die in irgendeiner Weise unterhaltsam sein soll; und sich darum meist nur bestimmte, spektakuläre Aspekte davon herauspicken, die dann oft auch noch dramatisch überhöht werden - siehe zum Beispiel der arg zwiespältig zu bewertende "Ted Bundy". Dann gibt es solche, die mitunter sehr frei von der Realität abstrahieren, sie verdichten oder ihr etwas hinzuaddieren - meist mit dem proklamierten Ziel, der Psyche eines Serienmörders näherzukommen, sein Wesen und seine Beweggründe begreifbar zu machen. Ein Beispiel hierfür ist etwa "Henry - Portrait of a Serial Killer", der für mich immer noch den beeindruckendsten Genrevertreter darstellt, da seine verstörende Inszenierung dem Unfaßbaren der Thematik sehr gerecht wird.
Und schließlich gibt es Filme wie "The Hillside Strangler", die in gewisser Hinsicht fast wie eine Dokumentation daherkommen. Denn sie konzentrieren sich weitestgehend darauf, die Täter, ihr Umfeld und ihren Hintergrund entsprechend der bekannten Fakten abzubilden - sowie natürlich darauf, die tatsächlichen Vorkommnisse möglichst 1:1 nachzuerzählen. Selbstverständlich interpretiert auch "The Hillside Strangler": alleine schon darüber, was er erzählt und was er ausläßt. Und darüber, wie Opfer und Täter dargestellt werden. Dennoch bewerte ich diesen Authentizitätsanspruch hier schon mal grundsätzlich positiv, halte ihn für der Thematik angemessen.
Hand in Hand mit diesem Anspruch geht allerdings die Konsequenz, daß die Spannungskurve des Films nahe an der "Dramaturgie" des realen Geschehens bleibt. Der "Leerlauf" in der Realität findet sich also auch hier wieder, was den Film nicht gerade "spannend" macht (aber das soll er wohl auch nicht unbedingt sein). Auch ansonsten vermeidet die Inszenierung allzu offensichtliche Dramatik - die Hauptakteure des Films und ihre Taten werden recht nüchtern präsentiert. Wodurch immerhin vermieden wird, daß falsche Sympathien entstehen: glorifiziert wird hier sicherlich nichts und niemand. Die Cousins Kenneth Bianchi und Angelo Buono, die in den späten 70er Jahren durch eine Serie krankhaft brutaler Sexualmorde in Los Angeles als "Hillside Strangler" berüchtigt wurden, werden als genau die perversen Frauenfeinde gezeigt, die sie waren - wobei der Film sie nicht einfach nur verurteilt, sondern über ihr Umfeld und ihre Erfahrungen auch mögliche Hintergründe ihrer Taten vermittelt.
Leider nimmt sich der Regisseur anfangs deutlich zu viel Zeit, um uns die Ausgangssituation nahezubringen, die in der Mordserie resultierte. Da sich das Leben der beiden schon vor ihren Taten hauptsächlich um Sex drehte, nimmt dieses Thema einen enormen Raum ein: ihre Gespräche über Frauen, ihre (erstaunlich oft erfolgreichen) Versuche, Frauen flachzulegen, ihre Zuhältertätigkeit... Fast über die gesamte erste Hälfte geht es in "The Hillside Strangler" fast ausschließlich in der Horizontalen zur Sache. Das mag ja die geistige Atmosphäre, in der ihre Taten stattfinden konnten, auf authentische Weise vermitteln (so wie auch Look & Feel des Films im authentischen 70er Jahre-Sleaze-Look gehalten sind). Aber so wirkt der Film halt erst mal wie ein schmieriger Softsex-Film, und das möchte man auf dem FFF vielleicht nicht unbedingt sehen...
Irgendwann geht es dann aber doch vorrangig um die Taten der beiden (daß der Filmtitel im Singular gehalten ist, hat übrigens den Grund, daß die zeitgenössischen Medien lange Zeit nur von einem Täter ausgingen und so die entsprechende Bezeichnung "The Hillside Strangler" prägten). Und deren Brutalität spricht eigentlich für sich, wird vom Film aber auch adäquat vermittelt: allerdings weniger über das detaillierte Zeigen expliziter Szenen als vielmehr über Konzentration auf das Leiden der Opfer. Beeindruckend war für mich vor allem, wie eng sich der Film an die Realität hält. Bis ins Detail, bis in die Dialoge werden die Morde so gezeigt, wie sie (nach allen Ermittlungsergebnissen) stattgefunden haben müssen, auch individuelle Besonderheiten einzelner Taten werden geschickt in die jeweilige Szene mit eingebunden. Nur ein Punkt irritierte mich: auch wenn Reihenfolge, Tötungsart und Fundort der Opfer im Film exakt den realen Geschehnissen entsprechen, so wurden doch alle ihre Namen geändert. Und als Kenneth Bianchi seiner Freundin, die ihn verlassen hat, von LA aus hinterherzieht, lebt er mit ihr im Film fortan in Oregon, wo es sich tatsächlich um Washington handelte. Warum diese Änderungen...? Aber das ist natürlich nebensächlich. Insgesamt bleibt man hier wirklich erstaunlich nahe an den Fakten.
Wer sich für die Thematik interessiert, sollte sich "The Hillside Strangler" unbedingt ansehen, denn meiner Meinung nach vermittelt er ein wirklich facettenreiches Bild der Täter, und damit auch manchen Einblick in ihre Persönlichkeit und ihre Motivation zu den Taten. Wer allerdings auf einen einfach unterhaltsamen Film hofft, sollte vielleicht besser fernbleiben, denn das Spannungslevel hier bleibt für solche Ansprüche deutlich zu niedrig.
Kritikwürdig ist, abgesehen davon, in jedem Fall, daß der Film aber auch NUR die Täter und ihre Hintergründe betrachtet. Polizeiliche Ermittlungsarbeit wird kaum gezeigt, die anschließende Gerichtsverhandlung gar nicht. Überhaupt kommt der Film zu einem sehr abrupten Ende, kaum daß die beiden festgenommen worden sind.
Insgesamt also etwas holprig und im Tempo schwankend inszeniert - und ein ganzes Stück zu lang -, kommt "The Hillside Strangler" letztlich einer umfassenden Dokumentation über reale Serienmörder so nahe, wie ein Spielfilm das nur kann. Das macht ihn etwas schwierig zu bewerten - aber ich denke, 5,5 Punkte sind ein für alle Seiten nachvollziehbares Ergebnis. Genre-Fans vergeben mehr. | Dominic Saxl sah diesen Film im Metropolis, Frankfurt |           10.08.2004, 04:28 | | |
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Welcome back to the 70s | Direktlink  | Nachdem der Journalist Chuck Parello 1997 sein Regiedebut mit Henry 2 gab, habe ich nicht wirklich mit seiner Rückkehr dieses Jahr aufs Filmfest gerechnet. War Henry 2 als Indie-Produktion zwar handwerklich in Ordnung, aber dennoch in seiner Art ziemlich überflüssig und nicht viel mehr als eine Wiederholung der Henry-Geschichte.
Damals auf dem FFF 97 persönlich anwesend, machte Parello schon deutlich, dass Serienkiller sein Steckenpferd sind. "Er mußte einfach seinen persönlichen Henry drehen". Es folgte ein paar Jahre später der mäßige Ed Gein und jetzt mit Hillside Strangler sein dritter Serienkiller-Film, und auch sein mit Abstand bester.
Zu Hilfe holte er sich die Wiederentdeckung des Festivals: C. Thomas Howell. Der "Soulman", der in den letzten 10 Jahren zwar viel arbeitete, aber überwiegend nur in Fernsehproduktionen zu Werke ging, gibt der Hauptfigur die nötige Präsenz.
Der zweite Geniestreich ist das Setting. Die 70er - zur Zeit in vielen Filmen hip - sind durch und durch während des gesamten Films spürbar: die Schnauzbärte, die schräge Musik, Tits & Ass, coole Karren etc. Alles, was an die vielen schmutzigen, kleinen Schlitzermeisterwerke aus dieser Zeit erinnert. Die Tanzsequenz mit dem anschließend ausgeübten Mord ist dann auch ein kleiner Höhepunkt.
Dabei gelingt es Parello auch, die auf einer wahren Geschichte basierende Story äußerst realistisch zu erzählen. Man bekommt ein echtes Gefühl von der Stimmung in Kalifornien Ende der 70er. Und erlebt mit Entsetzen die Entwicklung der Hauptdarsteller.
Für mich eine Entdeckung des diesjährigen Festivals. | Christian |           14.08.2004, 21:37 | | |
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| Direktlink  | Enttäuschung oder gar Verärgerung sind zumeist Ergebnis zu hoher Erwartungen, was mir glücklicherweise nicht passieren konnte nach dem schlechten "Ted Bundy" vor ein paar Jahren, und es ist ja immerhin etwas, einen Film zu sehen, der die Erwartungen weder unter- noch überbietet.
"The Hillside Strangler" ist einfach ein schlechter Film mit vielen lustig verkleideten Menschen, was letztlich den kompletten Reiz des Films ausmacht.
Ernst nehmen muß man das keine Sekunde, was man dem Film natürlich übelnehmen dürfte, ist er doch nie in der Lage, auch nur andeutungsweise diese Bedrohung zu vermitteln, die von diesen Psychos nun ausging.
Naja, dramaturgisch ist der Film ein klassisches "Malen-Nach-Zahlen", alles, was man vom Genre kennt, läuft genau so, und es ist gänzlich irrelevant, ob das ganze nun auf einer wahren Geschichte basiert, denn die Geschichte wird so spannungslos runtergespult, dass der Film nach Verlassen des Kinos nur einen seltsamen Geschmack hinterläßt, man hat was gegessen, aber kann sich nach einigen Augenblicken ums Verrecken nicht erinnern, was es war.
ABER, böse kann man dem Film nicht sein, C. Thomas Howell grimassiert sich slapstickhaft durch diesen Maskenball.
Amüsant und schlecht . | QuintenQuist sah diesen Film im Cinemaxx, Hamburg |           26.08.2004, 08:43 | | |
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