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Appleseed (2004)
Farblos. | Direktlink  | "Appleseed" war für mich ein höchst zwiespältiges Filmerlebnis. Einerseits beeindruckend durch famose 3D-Animation (wenn mich auch die humanoiden Figuren – ja, nennt mich Ketzer – mehr als einmal an "Captain Future" und Co. erinnerten). Andererseits erschütternd durch das Erzählen einer Geschichte voll billigster Moral.
Vorab muß ich allerdings sagen, daß ich weder ein Anime-Fan bin, noch die Manga-Vorlage oder die frühere (TV-?) Verfilmung des Stoffes kenne. Vielleicht urteile ich hier also nicht objektiv genug, und vielleicht bewerten Fans "Appleseed" ganz anders. Als sozusagen neutraler Beobachter habe ich aber diverse Schwächen zu vermerken. An erster Stelle ist hier, wie schon angedeutet, die Story selbst zu nennen: In Olympus, einer scheinbar heilen Welt, leben Menschen in Frieden mit den Bioroids, einer nützlichen und sie schützenden Klon-Rasse. Bald stellt sich aber heraus, daß die wahre Macht in Olympus gar nicht mehr in den Händen der Menschen liegt. Die Bioroids und der sie lenkende Supercomputer Gaia scheinen eigene Pläne zu verfolgen... oder steckt etwa etwas ganz anderes hinter den zunehmenden Gewaltausbrüchen? Die schöne Ex-Soldatin Deunan tritt in einen Wettlauf mit der Zeit und mit heimtückischen Feinden, um das Rätsel zu lüften, das über ihrer Vergangenheit liegt - und die am Horizont aufziehende Katastrophe noch zu verhindern...
Klingt nach Thrills und viel Action. Letztere gibt es tatsächlich, wenn auch nicht unbedingt kontinuierlich über den Film hinweg, sondern eher an einigen Stellen arg gebündelt auftretend. Thrills aber ... Spannung, Dramatik, überraschende Wendungen – sucht man weitgehend vergebens. Dabei versucht der Film ja, sie zu bieten: archetypische Suspense-Momente ("Wird es die Heldin noch vor dem großen Knall schaffen? Die Sekunden ticken davon...") sind vorhanden, ebenso scheinen nicht alle Personen die zu sein, die sie vorgeben zu sein. Das Problem ist dabei nur, daß das alles nicht unbedingt funktioniert. Ohne zu spoilern: echte Überraschungen inszeniert man anders.
Viel schwerwiegender war für mich allerdings "die Moral von der Geschicht". Mag ja durchaus sein, daß die in der Vorlage schon genau so angelegt ist – aber hier wird mir dennoch zu schablonenhaft in Gut und Böse, Schwarz und Weiß, voll und ganz ehrenhaft und abgrundtief böse, skrupellos, verdorben unterteilt. Im Gegensatz zur Grafik/Animation, die echte Tiefe erreicht und die Figuren plastisch werden läßt, bleiben die Charaktere von der Storyseite her eindimensional. Flach. Farblos. Und mit ihnen eben auch die Story selbst, jedenfalls zu einem großen Teil.
So kracht und scheppert und strahlt das zwar alles ganz gut – insbesondere die Anfangssequenz von "Appleseed" macht enormen Spaß. Im gesamten aber ärgerte ich mich einfach zu oft über die Plattheiten, die auf mich niederprasselten; über die Vorhersehbarkeit; und ab und zu auch noch über die doch stellenweise arg chaotische Narration. Deshalb kann ich beim besten Willen nicht mehr als 3 von 10 Punkten vergeben – und den Film nur Fans empfehlen. Aber wie gesagt: die können das auch ganz anders sehen als ich Anime-Banause. | Dominic Saxl | |           15.06.2005, 16:49 | | |
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| Direktlink  | Appleseed ist – komplett am Computer animiert – ein echter Augenschmaus und wird häufiger als Revolution für den japanischen Animationsfilm bezeichnet. Kann gut sein, dass das stimmt, denn die Optik ist schlicht als genial zu bezeichnen – allerdings sehen die Konkurrenzprodukte Steamboy, Ghost in the Shell 2 oder Casshern keineswegs schlechter aus. Die SF-Handlung ist wesentlich weit weniger tiefschürfend als bei den beiden Letztgenannten und setzt eher auf oberflächliche Unterhaltung, was aber nicht unbedingt abwertend gemeint sein soll. Allzuviel Anspruch darf man halt nicht erwarten, eher ein Spektakel der Marke "I, Robot". Wer sich von Ghost in the Shell 2 überfordert gefühlt hat oder sonst mit dem Genre nicht allzu viel anfangen kann, für den ist Appleseed eventuell eine gute Alternative, da er publikumstauglicher und mehr am Mainstream orientiert ist. Von der Animation abgesehen unterscheidet sich Appleseed nur unwesentlich von einem typischen SF-Blockbuster aus Hollywood. Was mir allerdings nicht besonders gefallen hat, ist der Soundtrack, der häufig deplaziert wirkt und viel zu sehr auf "hip" getrimmt ist; außerdem hätte der Film auch gerne ein bisschen düsterer ausfallen können. Davon abgesehen ist Appleseed ein optisch enorm faszinierender, inhaltlich nicht sonderlich anspruchsvoller, dafür aber kurzweiliger Animationskracher, mit dem man nicht allzu viel falsch machen kann. Ein Meisterwerk, wie hier und da behauptet wird, ist Appleseed jedoch nicht. | Herbert.West | |           04.08.2005, 10:10 | | |
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Enttäuschend auf sehr hohem Niveau | Direktlink  | Die erste Verfilmung hatte ich nur noch vage im Kopf, und an die Story konnte ich mich jetzt nicht mehr so genau erinnern. Gute Voraussetzungen also, um den Film als das zu bewerten, was er ist und ihn nicht mit der ersten Version zu vergleichen.
Eines vorweg: Optisch ist der Film eine Offenbarung! Ein bombastisches, geradezu orgiastisches Erlebnis! Zwar war hier nichts mehr handgezeichnet, aber man hat bewußt die Figuren offenbar mit Cellshading im Animestil gehalten. Herausgekommen ist klassischer Anime-Zeichenstil, nur mit hyperrealistischen und lückenlosen Bewegungsabläufen eines "Final Fantasy". Hat mir ausgesprochen hervorragend gefallen. Die Story war von der Grundidee her sehr interessant, die Heldin ein herrlich hartes Anime-Babe (irgendwie komisch, daß gerade die Japaner in ihren Animes starke Frauenfiguren als Helden mögen). Leider begeht der Film einen gigantischen Fehler: Er hat zu viel Story in zu wenig Zeit. Der Film ist mindestens eine halbe Stunde zu kurz. Es gibt zwei große Expositions-Szenen, in denen Minuten lang Hintergrundstory erzählt wird. Nicht, daß die nicht interessant wäre, im Gegenteil, ich hätte die nur lieber gerne selbst gesehen! Stattdessen kennt plötzlich jeder jeden, hat mit jedem eine gemeinsame Vergangenheit, die einen aber völlig kalt läßt, da die Information aus dem Nichts kommt und in einer Minute keine Bedeutung mehr hat. Schade, schade, SCHADE!!! Nach den ersten hervorragenden 30 Minuten baut der Film durch diesen sehr großen Makel leider ab und kann den genialen Ersteindruck nicht aufrecht erhalten. Es ist trotzdem noch ein Film, der mir gefallen hat, aber es tut mir geradezu körperlich weh, wieviel Potential hier verschwendet wurde. | Stingray sah diesen Film im Cinecitta', Nürnberg | |           11.08.2005, 19:07 | | |
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