Scary Stories to Tell in the Dark

Ein schauriges Vergnügen

von ArthurA
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Scary Stories to Tell in the Dark trifft meist genau den idealen Punkt zwischen Teenager- und Erwachsenenhorror. Bereits in den allerersten Szenen werden die Zuschauer auf die Halloween-Atmosphäre eingestimmt, wenn sie in einer Montage die Hauptfiguren bei ihren Vorbereitungen auf die Nacht der Geister und Hexen kennenlernen, musikalisch unterlegt von Donovans "Season of the Witch" (im Abspann kommt noch ein eindringliches Cover des Songs von Lana del Rey).

Es ist ein Film, der selten wirklich gruselig, aber dafür durchweg stimmig und schaurig ist. Was der Film nicht ist, ist zahm. Zwar gibt es keine Blutfontänen oder Splattereinlagen, doch die Gefahr für die Protagonisten ist stets sehr real. Nur weil es Kinder sind, bedeutet es hier definitiv nicht, dass sie vor dem Bösen sicher sind. Nachdem die ersten Geschichten von Sarah Bellows zum Leben erwachen, stellt sich sogar ein Gefühl der Unausweichlichkeit ein, nicht unähnlich dem Horror-Meisterwerk It Follows (der kurioserweise eine niedrigere Altersfreigabe in Deutschland erhalten hat, obwohl er deutlich weniger für ein junges Publikum geeignet ist).

Guillermo del Toro schrieb zwar nur den ersten Story-Entwurf und fungierte als Produzent, seine Handschrift ist in dem Film jedoch unverkennbar. Seine Liebe für Filmmonster und handgemachte Effekte sorgt für einige Highlights des Streifens. Ob es eine gruselige Vogelscheuche ist, die zum Leben erwacht, um an ihrem Peiniger Rache zu nehmen, eine Leiche, die nach ihrem verlorenen Zeh sucht, oder ein Schreckgespenst in Gestalt einer leichenblassen, übergewichtigen Frau, die in lynchesken roten Korridoren lächelnd auf einen zuschleicht – Øvredal und del Toro entwerfen hier gekonnt albtraumhafte Szenarien, die noch lange im Gedächtnis haften. Im großen Finale nimmt das CGI leider doch die Oberhand. Gerade im Kontrast zu den vorigen Schöpfungen ziehen die Computereffekte eindeutig den Kürzeren und rauben dem Film seine leise Intensität...
ArthurA - Original-Review

12.09.2019, 15:54


Leichte, aber sehr unterhaltsame Kost

von Alexander
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Das Beste an den „Scary Stories...“ waren für mich die ersten 20 Minuten. Da schwebt über einer richtig gut in Szene gesetzten 60er-Jahre-Atmosphäre mit stimmungsvollem Soundtrack und großartigen Bildern eine (noch) nicht greifbare, dunkle Wolke der Gefahr, die sich schon sehr bald in Form einer von mehreren düsteren Geschichten und der ersten, und zumindest für mich auch am wirkungsvollsten umgesetzten, Gruselgestalt manifestieren soll…

Man erkennt sofort die teure und hochprofessionelle Produktion von erfahrenen Machern des Genres. Hier wird nichts dem Zufall überlassen, allerdings auch überwiegend auf sichere, mainstream-kompatible Funktionalität gesetzt, was die eigentlich großartige Gruselgeschichte um dieses letzte bisschen Zauberhaftigkeit beraubt, die ich doch so gerne gesehen hätte.

Im weiteren Verlauf bietet der Film durchaus kurzweiliges Grusel-Vergnügen mit vielen kleinen schönen Einfällen, optisch mitunter grandios in Szene gesetzt, die sich allerdings auch recht ungeniert bei zahlreichen Verwandten des Genres bedienen, nicht wirklich viel Neues zu bieten haben und im Aufbau des Films und seinen vielleicht etwas zu brachialen Schock-Effekten nicht nur an das Konzept von „IT“ erinnern. Hier hätte ich mir mehr Schrecken und weniger Schreie gewünscht, mehr Horror und weniger Hysterie. Mag uns die Geschichte zum Anfang noch in ihren Bann zu ziehen wissen, so verspielen die Regisseure diesen Trumpf leider zu schnell und driften alsbald in Richtung des klassischen Teenie-Horrors ab.

Leider gipfeln die reich an Zahl in Szene gesetzten Gruselanekdoten mit ihrem teilweise wirklich kreativen Creature-Design ausgerechnet in dem, zumindest für mich, am wenigsten erschreckenden Monster und einem nahezu generischen Ende, das leider mehr mit der Brechstange arbeitet, als den zu Beginn des Films feinstofflichen Grusel zu einem vielleicht, der Geschichte angemessenen, richtig coolen Schluss zu führen. Aber wir sind hier halt in einem del-Toro-Film, da sucht man Subtilität häufig vergebens.

Insgesamt sind die „Scary Stories...“ sehr stimmig produziert und in Ansätzen sogar richtig gut, doch wirkte der Film auf mich in weiten Teilen so wie der vorhersehbare und definitiv etwas zu kommerziell geratene Crowdpleaser für alle Altersgruppen, den ich irgendwie auch befürchtet hatte. Unterhaltsam zwar, atmosphärisch, mit ein paar gut gesetzten Schocks und gruseligen Momenten, allerdings auch generisch und, wie immer bei del Toro: Viel zu laut! Etwas weniger del Toro und mehr André Øvredal hätten dem Film sicherlich gut getan.

Ein guter Grusler für den Halloween-Abend bei lecker Kürbis-Suppe und Süßigkeiten ganz bestimmt, für den verwöhnten Genrefan mit Anspruch aber eher fade. So bleiben die „Scary Stories...“ halt nur als nettes Popcorn-Spektakel in Erinnerung, sicherlich auch nicht als schlechtester Abschlussfilm, und bestimmt auch geeignet sowohl für ein erstes Date im Autokino als auch für Teenies und andere Horror-Anfänger, die sich an einem recht kommerziell geratenen Grusler nicht weiter stören und ihn spätestens bei der Pizza danach auch schon wieder zur Hälfte vergessen haben mögen. Ein wenig schade ist das allerdings schon.
Alexander

16.09.2019, 11:04


Creepshow Junior

von Herr_Kees
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Halloween 1968. Durch die Kleinstadt Mill Valley weht ein Hauch von STRANGER THINGS und IT. Allerdings mit blasseren Figuren, die hier kaum etabliert werden, und mit deutlich weniger Chemie zwischen den Darstellern.

SCARY STORIES wirkt wie eine Young Adult-Variante von CREEPSHOW: eine Rahmenhandlung mit jugendlichen Identifikationsfiguren, gefüllt mit alten Stories aus EC-Comics. Die Spinnengeschichte ist eine 1:1-Übernahme und die Story mit dem Zeh erinnert doch sehr an die Vatertags-Episode aus Romeros Klassiker. Nur dass der Film sich hier nicht einmal die Mühe macht, diese Geschichten in irgendeiner Form zu motivieren. Die Monster manifestieren sich einfach grundlos aus dem Nichts und lediglich Ramons Monsterbegegnung erhält eine zweite Deutungsebene.

Wenn nicht ein paar schöne Schocks wären und das feine Creature Design nicht so offensichtlich aus dem Skizzenbuch von Produzent Guillermo del Toro stammen würde, könnte man den Film getrost abhaken. Das Ende allerdings weist auf eine geplante Fortsetzung hin, wenn nicht gar ein Franchise. Man muss sich allerdings fragen, für wen. Denn für Kinder ist der Film deutlich zu spooky, für junge Erwachsene mit Sicherheit zu altbacken und für Genrefans wahrscheinlich zu dick aufgetragen und zu langweilig.
Herr_Kees
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

23.09.2019, 00:08


Darf ich vorstellen: das Horrorgenre!

von Leimbacher-Mario
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„Scary Stories to Tell in the Dark“ abzuwerten, weil man ja „Härteres gewohnt ist“ oder weil er „einem zu soft und kindlich erscheint“, ist absolut kein Zeichen von „ich bin ja der allergeilste und abgebrühteste Horrorgucker“. Sondern eher einfach unfair und unnötig. Denn diese Halloween-Semi-Anthologie ist für mich viel mehr der „Creepshow“ des neuen Jahrtausends als einfach nur „Goosebumps“ für etwas ältere Kids. Ich finde, André Øvredal hat hier einen richtig spaßigen, oldschooligen, lässigen Horror-Allrounder geschaffen, irgendwo zwischen „It“ und „Trick 'r Treat“, der sicher die kommenden Jahre öfters mal an Halloween in meinem heimischen Player landen wird. Erst recht wenn Kinder im Haus sind! Das Ding ist retro ohne Eigenständigkeit zu verlieren. Das Ding ist richtig creepy und hat tatsächlich/erfreulich Fallhöhe und echte Einsätze. Das Ding bringt den naiven Fun zurück in ein doch manchmal sehr ernst und bieder gewordenes Genre. Und das Ding ist obendrein noch respektvoll und würdig zu, sehr nah an seinen ikonischen, literarischen Vorlagen. All das gebührt ein wenig mehr Respekt als nur ein müdes: „Das ist was für die U17er.“

Wir folgen vier Jugendlichen am Halloweenabend in ein altes Spukhaus, wo sie ein Buch voller gruseliger Geschichten finden. Und schnell müssen die Kids feststellen, dass sich gerade neue Geschichten wie von Geisterhand schreiben und diese zudem noch wahr werden, jeder einzelne von ihnen in tödlicher Gefahr ist... Die Vibes vibrieren hier für meinen Geschmack vom edlen Intro auf „Season of the Witch“ einfach genau an den richtigen Stellen. Es gibt Radiodurchsagen wie in „The Fog“, eine herbstlich-wohlige Halloween-Atmo, der Bund der Teens ist spürbar, alle jungen Darsteller machen ihre Sache fehlerfrei - ich hatte meine helle Freude an diesen Scary Stories, die ihrem Namen Ehre machen. Auch für Erwachsene, keine Sorge. Die Designs der (oft handgemachten) Kreaturen sind Extraklasse, eine dicke Gestalt auf rotem Hintergrund als großes Highlight. Aber auch der Jangly Man samt seiner unter die Haut gehenden Backstory und Verbindung zu seinem Opfer, hatte was. Genauso wie die stapfende Vogelscheuche in einer nahezu meisterhaft komponierten Sequenz. Man spürt einfach das Talent, das Fansein, die Leidenschaft bei allen Beteiligten. Und auch das sicher nicht allzu kleine Budget. Es ist ein verdammt effektiv und positiv naiv gemachtes Best of des Genres. Und das muss man erstmal derart überzeugend, kurzweilig hinbekommen und das Generieren von neuen Horrorheads wird so ein Leichtes, kann kaum hoch genug gelobt werden. Denn was wären wir ohne Nachwuchs?! Also keine Angst vorm Pickelausdrücken, passt auf den Zeh in eurem Eintopf auf und denkt zweimal nach, bevor ihr ein verwunschenes Buch aufschlagt...

Fazit: Ja klar, Mainstream, Blutarmut, Jugendlichkeit, Weichheit, stimmt schon. Und dennoch ist dieser geschmackvolle Teen-Grusler für mich ein moderner (kommender) Halloween-Klassiker. Warum? Weil Härte nichts über einen guten Horrorfilm sagt, weil auch die Jüngeren Filme für sie brauchen, weil das Ding wunderbarer, perfekter Einsteiger-Horror ist und richtig Bock auf unser liebstes Genre macht, weil die Vibes von Carpenter bis del Toro stimmen, weil das Creature Design grandios ist, weil der Film für mich mehr als nur „Goosebumps“ +4 Jahre ist. Punkt. Nein, Ausrufezeichen.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

23.09.2019, 00:41


Review

von Roughale
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Das war es also mal wieder, das FFF ging mit einem sehr konventionellen, mainstreamigen Film zu Ende, da wird bestimmt etwas gemeckert werden, aber nicht von mir. Ich fühlte mich gut unterhalten, fand die unbekannten Darsteller erfrischend und den Handlungsaufbau stimmig. Leider hat der Trailer schon zu viel gezeigt, ein echtes Manko der heutigen Zeit, bis auf das letzte Monster (ich nenne es mal Puzzle-Monster, ohne zu viel zu verraten), hat man alle gesehen, das verhinderte stark die Spannung, sollte man dem Regisseur mal sagen, soweit er für den Trailer verantwortlich war. Und genau bei dem Monster kam auch ein kleines del Toro Feeling auf - hätte gern mehr sein dürfen. Die Kurzweiligkeit passte mir auch sehr gut.
Roughale
sah diesen Film im Savoy, Hamburg

30.09.2019, 10:31




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