von Fans für Fans

Sicilian Ghost Story

Review

von Blade
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Ich habe vor einiger Zeit meine Liebe für das italienische Genre-Kino der 70er Jahre entdeckt und bin seitdem auch neugierig, wie diese Filmlandschaft sich in all der Zeit entwickelt hat und was für Filme man dort inzwischen dreht.

Sicilian Ghost Story ist nun einer der modernen Vertreter des italienischen Kinos und ist schlichtweg unglaublich stark, sowie gleichermaßen fesselnd, desillusionierend und überwältigend. Der Film begeistert mit seiner unglaublich prachtvollen und selbstbewussten Kameraführung und kombiniert das Ganze mit wunderschöner Musikauswahl und einer bittersüßen Geschichte, die noch lange nach dem Kinobesuch in meinem Kopf nachhallt.

Wer Pans Labyrinth von Guillermo Del Toro geliebt hat und ein vergleichbares, wenn auch anderes emotionales Erlebnis gerne noch einmal durchleben möchte, dem sei Sicilian Ghost Story wärmstens empfohlen.

Ein weiterer perfekt gecasteter und überzeugend gespielter Coming-of-Age Film. Es stimmt also wirklich, dass sich dieses Thema wie eine Art roter Faden durch das Festival zu ziehen scheint.
Blade
sah diesen Film im Savoy, Hamburg - Original-Review

10.09.2017, 23:58


Sicilian Lovestory

von Herr_Kees
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Die Geschichte zweier Liebender, die nicht zusammenkommen können, ist ein beliebtes Motiv der Literatur- und Filmgeschichte. In dieser Variante stehen der frisch aufblühenden Liebe nicht die Familien im Weg, sondern wohl eher "la familia": Giuseppe wird entführt, um seinen Vater bei der Polizei zum Schweigen zu bringen und Luna kann nur in ihren Träumen – oder sind es Visionen? – bei ihm sein.

Der Film, der auf einem wahren Fall beruht, nimmt sich sehr sehr viel Zeit, diesen Hauch von Geschichte zu erzählen. Manche würden es poetisch nennen, andere prätentiös. Die "Geister" des Titels sind hier jedenfalls rein metaphorisch und auch die im FFF-Programmheft angesprochene Nähe zu Märchen und Sagen muss man mit der Lupe bzw. wohl besser mit einem Literaturprofessor suchen.

Als gegen Ende dann der Film kurz davor ist, einen wirklich romantischen Abschluss à la Romeo & Julia zu finden, nimmt er nochmal eine Abzweigung, die so gar nicht zum Vorangegangenen passen will. Das ist dann wirklich ein Mysterium.
Herr_Kees
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

11.09.2017, 00:56


Kein Spaß

von Dr_Schaedel
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Achtung: Wer hier - wie ich - in Unkenntnis der Hintergründe des Films eine gepflegte Geistergeschichte mit Lokalkolorit erwartet, sei gewarnt: Bei SICILIAN GHOST STORY handelt es sich um eine bittere, tragische Geschichte aus der harten Realität des Mafia-regierten Sizilien in den 1990er Jahren, deren Machenschaften vor nichts Halt machten, und eine davon dient als Grundlage für den hier besprochenen Film.

Dass der Film überhaupt auf dem FFF zu sehen ist, liegt daran, dass die Macher es geschafft haben, aus der brutalen Realität eine Art Märchen zu machen, in dem es eine Zwischenwelt gibt, die in all der kaum aussprechlichen Brutalität ein wenig Trost spendet und zumindest mögliche Auswege zeigt. Das ist auch bitter nötig, denn der Film schneidet zunehmend rein wie ein dünner Draht, und besonders die Szenen am Schluss sind schwer zu ertragen.

Das Ganze wird umso schlimmer dadurch, dass man mit den beiden Protagonisten ein so authentisches, unbekümmertes und sympathisches Duo am Beginn der zarten, ersten Liebe einführt, dass alles, was danach kommt, nur noch Wut und Ohnmacht auslöst.

Vielleicht ein bisschen zu spät werden die tatsächlichen Fantasy-Elemente ins Spiel gebracht und vielleicht zu oft Wassertropfen in dunklen Kellerhöhlen und zitterndes Gras bedeutungsschwanger in Szene gesetzt. Aber das stört nur wenig, braucht es doch diese Ästhetik, um dem Zuschauer ein klein wenig Realitätsflucht zu gönnen, damit ihn die eigentlichen Begebenheiten nicht zu sehr überrollen. Zu denen will ich im Einzelnen nicht viel sagen, jeder Satz wäre hier Spoiler.

Zusammenfassend kann man sagen: Ein hartes Thema, sehr poetisch und einfühlsam umgesetzt, mit einem fantastischen Cast und erlesenen Bildern. Nur bedingt ein Gruselfilm und schon gar keine leichte Unterhaltung, aber ich bin dankbar, dass ich ihn im Rahmen des Festivals sehen durfte.
Dr_Schaedel
sah diesen Film im Cinemaxx, München

11.09.2017, 11:09


Poetisch

von landscape
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Mir gefiel besonders das poetische Band, das die Natur zwischen den Protagonisten spannt. Das Wasser, der Kauz, das Pferd und auch der Rottweiler... Diese Symbolik durchzieht den ganzen Film und betont auch das schicksalhafte, kaum beeinflussbare Handeln der Erwachsenen.

Sehr schöne Aufnahmen des Dorfes an zwei Hängen unter schwerem Nachthimmel mit den morsenden Freundinnen, das Schweigen der Erwachsenen, die Unmöglichkeit der Liebe der Teenager - wie schon bei Romeo und Julia.
landscape
sah diesen Film im Savoy, Hamburg

13.09.2017, 01:44


Tolle Bilder, aber etwas zu ruhiges Erzähltempo

von Roughale
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Wie der Titel schon andeutet, hatte ich leichte Probleme mit dem Erzähltempo, das mir etwas zu langsam war, mag an mir gelegen haben, aber um mich herum wurde auch viel gegähnt. Ebenso hatten einige andere auch den Zweifel, ob es ein würdiges Centerpiece war, ich habe da auch Zweifel...

Optisch war der Film sehr gut, dasselbe gilt für die Hauptdarsteller, die ihren Job exzellent machten, auch die kleineren Rollen, bis auf den geistig Behinderten, der mir zu klischeehaft rüberkam, waren solide. Der Hauch von Fantasy war auch gut dosiert, auch wenn es gegen Ende gern etwas mehr hätte werden können, ist Geschmacksache. Das Ende kam nicht wirklich überraschend und somit auch nicht ganz so schockierend - traurig war es allemal und wer musste da nicht an Shakespeare denken? ;-)

Im Großen und Ganzen für mich ein durchschnittlich guter Film, aber nicht mehr...
Roughale
sah diesen Film im Savoy, Hamburg

14.09.2017, 11:01


Dreams are my Reality

von D.S.
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Dem Titel meines Reviews zum Trotz ist das diesjährige Centerpiece weder kitschig noch albern noch poppig bunt: Tatsächlich handelt es sich um einen ausnehmend leisen, poetischen, stellenweise fast magisch anmutenden Film, der eine bittere Geschichte mit realem Hintergrund immer wieder in phantastische Gefilde überführt. Im Zentrum der Handlung steht dabei jedoch ein junges Mädchen, Luna, für das Träume ein Weg sind, die Realität zu gestalten.

Nachdem ihre erste, große Liebe Giuseppe von Mafia-Schergen entführt worden ist, entwickelt sie zudem die Fähigkeit, in ihren Träumen realitätsgleiche Visionen zu entwickeln, Traum und Realität also miteinander zu verbinden – und in diese Realträume bzw. Visionen nimmt uns der Film auf faszinierende Weise mit, indem er auch für den Zuschauer die Grenzen zwischen Lunas Wahrnehmungsebenen verschwimmen lässt. Besonders beeindruckend gelingt dies in Sequenzen, in denen Teile der gezeigten Szenerie real, andere jedoch geträumt sind, letztere also wie eine zweite Bildebene wirken.

Auch abgesehen davon ist der Film exzellent fotografiert, sowohl hinsichtlich seiner sensationellen Landschaftsaufnahmen als auch seiner Inszenierung dunkler, enger Räume oder der omnipräsenten Natur und ihrer Bewohner. Neben der Kamera und der Bildkomposition trägt auch der melancholische, sehr "weite" Score dazu bei, uns eine andere Welt zwischen Sehnsucht und Schmerzen zu eröffnen.

SICILIAN GHOST STORY entwickelt sich zu großer Filmkunst mit teils halluzinatorischer Sogkraft – leider aber benötigt er für meinen Geschmack viel zu lange dafür. Das Tempo des Geschehens ist nie nennenswert hoch, und über das erste Drittel der Laufzeit hinweg geschah weder in inhaltlicher noch in stilistischer Hinsicht viel, das mein Interesse geweckt hätte.

Irgendwann ertappte ich mich dann aber doch dabei, in die poetische Filmwelt einzutauchen. Zudem entwickelt die Geschichte eine Tragik, die kaum kaltlassen kann. Da der Weg dorthin für mich persönlich aber ein Stück zu weit war: "nur" 7/10 Punkten. Dennoch klar eines der bisherigen Highlights des Programms.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

18.09.2017, 02:37




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