von Fans für Fans

Snowpiercer

Starkes dystopisches Werk mit einigen kleinen Schwächen

von ArthurA
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Der erste Schlüssel dazu, Snowpiercer zu genießen, besteht darin, seine nach näherer Betrachtung gänzlich unlogische Prämisse zu akzeptieren - und zwar, dass ein Zug tatsächlich irgendwie 20 Jahre lang die Erde umrunden kann, ohne dass jemand sich um die Instandhaltung der Gleise kümmert (dies ist aufgrund der extremen Kälte außerhalb des Zugs unmöglich). Hey, diese Ingenieure sollte die Deutsche Bahn, die in der Rebel bereits nach einer Stunde bei Minustemperaturen völlig zusammenklappt, unbedingt anwerben! Wie beispielsweise auch bei Zeitreisefilmen, muss man einfach annehmen, dass es irgendwie funktioniert und versuchen, nicht mit zu viel Logik an die Sache heranzugehen. Schafft man das, bekommt man einen handwerklich sehr gut gemachten dystopischen Film serviert, in dem Chris Evans sein Schauspiel überraschend eindrucksvoll unter Beweis stellt und Bong sich erneut als ein visuell sehr starker Filmemacher erweist. Die Ausstattung des Zuges ist grandios umgesetzt, die zahlreichen Actionszenen sind immer unterschiedlich und spannend in Szene gesetzt. Der gesamte Cast kann sich wirklich sehen lassen, wobei hier neben Evans die nicht wiederzuerkennende Tilda Swinton glänzt. Die Frau hat es wirklich drauf! Lediglich die schwachen CGI-Effekten bei Außenaufnahmen des Zugs und ein etwas unausgegorenes und für mich persönlich recht unbefriedigendes Ende trüben leicht das Gesamterlebnis des Films, der in gewissen Kreisen schnell zum Kult avancieren wird.
ArthurA
sah diesen Film im Cinedom, Köln - Original-Review

16.03.2014, 04:51


Der Winterwundenwelt-Express

von todaystomorrow
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Solides Endzeit-Abenteuer auf begrenztem Raum, das in erster Linie durch starke Darstellerleistungen und eine dichte Atmosphäre beeindrucken kann.

Sowohl in Sachen Action (Frequenz, Intensität, Inszenierung) als auch insbesondere im Hinblick auf die Story lässt die Comic-Adaption jedoch einiges zu wünschen übrig: Meist nicht spektakulär genug und zu unübersichtlich wirken die Fights; gar zu plump-polemisch ist die den Handlungsrahmen setzende Dystopie gezeichnet. Grautöne, Subtilität sucht man hier über weite Strecken vergebens; der Storyhöhepunkt setzt der Schwarz-Weiß-Malerei am Ende sogar noch einen mit dem Holzhammer drauf. Auch, wenn er ihn clever scheinbar intelligent verpackt.

Wie auch immer: Einigen überaus albernen Figuren, diversen Logikfehlern und seinen inhaltlichen Pseudo-Philosophie-Schwächen zum Trotz kann SNOWPIERCER von Anfang bis Ende gut unterhalten und lässt niemals Langeweile aufkommen. Der Hype ist dennoch grandios übertrieben - viel bleibt einem nach der Sichtung nicht vom Film in Erinnerung. Mehr als 6,5 Punkte sind für mich deshalb nicht drin.
todaystomorrow
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

21.03.2014, 04:34


Zugzwang

von Herr_Kees
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Ein bisschen kann man Harvey Weinstein verstehen: Fürs (amerikanische) Mainstream-Publikum ist Bong Joon-hos gesellschaftskritische Endzeitparabel nämlich nichts - dafür pendelt (sic) der Film zu unentschieden zwischen Melodram und SciFi-Action, hat dafür aber eine originelle Story, ein paar gute Actionszenen, mehr als eine Reminiszenz an OLDBOYS Hammerszene und eine herrlich schleimige Tilda Swinton zu bieten. Dennoch hat die gekürzte US-Variante sicherlich auch ihren Reiz.
Herr_Kees
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

23.03.2014, 01:05


Es fährt ein Zug nach Nirgendwo

von roother
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Um die Erderwärmung zu stoppen wird eine Chemikalie in die Atmosphäre geblasen, welche jedoch eine verheerende Wirkung hat: die Erde gefriert.
In einer Art rollender Arche brettern fortan die Überlebenden durchs Land. Im Zug selber herrschen klare, archaische Strukturen: Während die Elite im vorderen Teil des Zuges lebt, drängen sich am Ende jenes Gefährts die Massen. Hier wird gefoltert, gemordet und erniedrigt. Ein Proteinblock pro Tag schützt vor dem Verhungern. Einer dieser Menschen ist Curtis, der genug von der Unterdrückung hat. Er plant eine Revolution, die ein Ziel hat: den Erbauer im Kopf des Zuges. Gemeinsam kämpfen sich die Menschen nun von Wagon zu Wagon. Hinter jeder Tür warten neue Gegner und erschütternde Erkenntnisse. Werden die Kämpfer den Kopf des Zuges erreichen und was werden sie dort finden?

Snowpiercer folgt einer absolut klaren Struktur, welche den Film ziemlich zugänglich macht. Der Aufstand kämpft sich, fast wie in einem Ego-Shooter, von Wagon zu Wagon. Immer eingebettet in die grausame Dystopie eines Szenarios, das keinen Platz für Humanität, Liebe oder Hoffnung lässt. Immer wieder erreichen die Aufständischen einen Wagon, der ihnen ein weiteres Puzzleteil zum Verständnis dieses Zuges liefert.

Bei all der Action und den Kämpfen, vernachlässigt Joon-ho Bong nicht die einzelnen Charaktere und verleiht ihnen Tiefe und somit Glaubwürdigkeit. Immer wieder legt er inmitten den Schlachten die Pause-Taste ein, verlangsamt den Fluss der Handlung und schaut in seine Protagonisten hinein. Das macht Snowpiercer zu mehr als einem Action-Sci-Fi-Film.
Die Frage nach der Legitimation hierarchischer, archaischer Strukturen und deren Rolle innerhalb eines funktionierenden Systems steht im Zentrum der Sinnsuche von Curtis, auch wenn ihm das erst viel zu spät klar wird.
roother

25.03.2014, 20:45


Chattanooga Choo Choo

von Lovecraft
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Endlich mal wieder packende Science Fiction zum Mit- und Nachdenken. Bong Joon-ho, der mir persönlich einst das Tor zur koreanischen Filmwelt mit dem grandiosen "Memories of Murder" öffnete, versucht sich mit großem Budget und ebensolchem Erfolg an der französischen Comicvorlage von Lob und Rochette.

Wer in der düsteren Allegorie auf gesellschaftliche und sozialpolitische Verhältnisse nach Logik- und Plotlöchern sucht, ist meines Erachtens fehl am Platze. Natürlich ist die gesamte Prämisse des Films unrealistisch, aber darauf kommt es, gerade auch als Verfilmung einer literarischen Vorlage, hier nicht an. Ich fand es sehr angenehm, daß der Film seine (oftmals bittere) Message immer mit leichtem Augenzwinkern und ohne übertriebene Verbissenheit präsentiert. Daß man den Film nicht bierernst nehmen sollte, wird schon bei der umwerfend holprigen Ansprache von Tilda Swinton ("I am head, you are shoe") mehr als deutlich. Und Kartoffelacker, Rinderställe und Hühnerfarmen sucht man in den grandios designten Zugabteilen ebenfalls vergeblich. Diverse optische und inhaltliche Überraschungen halten den Zuschauer trotz erheblicher Lauflänge mühelos bei der Stange.

Aus meiner Sicht funktioniert der Film als Ganzes schlichtweg tadellos und sollte von thematisch Interessierten nicht versäumt werden.
Lovecraft
sah diesen Film im Cinestar, Berlin

31.03.2014, 15:03


Knapp vorbei...

von MrHenke
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...am Hammer SciFi Film.

Trotz dieser Grundprämisse die Reste der Menschheit in einem langem Zug um die Welt fahren zu lassen, dem ganzen Setting innerhalb des Zuges und trotz eines bekannten, internationalem Casts die Produktion abseits eines üblichen Hollywood Blockbusters in Szene zu setzten, lassen SNOWPIERCER zwar zu einem sympathischen Streifen werden, aber für das Erreichen der vollen Punktzahl verliert der Film beim "Abfahrtslauf" an der einen oder anderen Schikane.

Kurz erläutert:
Die Erzählstruktur der ersten 30 Minuten funktioniert gerade zu Beginn eines solchen Films nicht gut, ist nicht gerade mitreißend und dem geneigtem Zuschauer könnten Überlegungen wie z.B.: "Oh, dass wird nix!" durch den Kopf gehen...sowas ist natürlich auf die persönliche Sichtweise zurückzuführen und somit auch kein objektiver Kritikpunkt. Zum Glück kippt das Ganze dann ja auch ins Positive.

Abstriche gibt's dann "nur" noch für die ärgerlich, unbefriedigende Umsetzung von tollen Ideen, für dass "Nichtweiterdraufeingehen" von tollen Ideen und den einen nicht gerade vom Kinohocker schubsenden, animierten Zug von außen. Die 126 Minuten uncut Laufzeit verfügen auch über die eine oder andere Länge.

SNOWPIERCER ist jedoch alles in allem gut guckbar, aber irgendwie kein "must seen!"...egal ob SciFi Fan oder nicht...
MrHenke
sah diesen Film im Savoy, Hamburg

14.04.2014, 10:47


Ein Zug ins eisige Nirgendwo

von Leimbacher-Mario
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Die Welt ist vereist, unbewohnbar, durch ein fehlgeschlagenes Klimaexperiment in Sekunden todbringend. Die einzigen Überlebenden fahren in einem kilometerlangen, futuristischen Zug durch die Welt, mit einer eisbrechenden Spitze & etlichen Abteils - aufgeteilt von luxuriöser Oberschicht bis zur bettelarmen Unterschicht ganz hinten in einem klassischen Kastensystem. Aber eine Revolution startet & die armen Leute aus der Holzklasse arbeiten, metzeln & erforschen sich langsam ihren Weg ins "Führerhäuschen" durch viele unterschiedliche Waggons & schockierende Erkenntnisse.

Snowpiercer war der überraschende Crowdpleaser der Fantasy Filmfest Nights 2014. Eigentlich kaufe ich mir Blu-rays nie zum Vollpreis direkt nach Release - aber dieser dystopische Actionthriller konnte nicht warten, musste in meine Sammlung. Ist er doch einer der besten Indie-Filme der letzten Jahre, eine mitreißende Actiongranate & kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher Ordnung & Unterdrückung gleichermaßen. Noch dazu eine gelungene Comicverfilmung & mit einer weltmännischen, rauen Atmosphäre dank des südkoreanischen Regisseurs. Für mich kratzt Snowpiercer ganz knapp am Prädikat Sci-Fi-Meilenstein & Kritik fällt mir nicht leicht. Ist der Film doch unterhaltsam, schlau, actionreich, emotional, skurril, atmosphärisch, überraschend, rigoros, schockierend & eine Metapher auf unsere Welt. Einfach drei Klassen über dem Normalo-Hollywood-Sci-Fi-Film. Kann man da wirklich etwas kritisieren, was die Höchstpunktzahl verhindert?

Eigentlich dachte ich, der Film kann auch rein oberflächlich betrachtet als cooler Adrenaline-Ride gut punkten - seine polarisierenden Kritiken sagen mir aber das Gegenteil. Das ist für mich aber kein Kritikpunkt, sondern eher Reiz. Etwas härter & blutiger hätte der Film aber durchaus noch sein können, gerade, weil er sowieso nie ein riesiges Publikum ansprach & man noch mehr Risiko hätte gehen können. Außerdem wirken manche Effekte, eher noch Richtung Make-up als Richtung CGI, aufgesetzt & nicht wertig. Ansonsten ist der Film ein unantastbares Gesamtkunstwerk, vom Style bis zum tollen Ton bis zur Idee & den Schauspielern, von denen man einige noch nie so gut erlebt hat, Chris Evans allen voran.

Fazit: grandiose Idee, sehr gut umgesetzt, hinten raus sogar noch sozialkritischer als gedacht - eine der besten Zugfahrten in der Kinogeschichte!
Leimbacher-Mario

14.04.2016, 13:22




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