von Fans für Fans

Super Dark Times

Bis einer blutet

von Herr_Kees
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So ist das: Solange die Jungs unter sich sind, hat man seinen Spaß, aber sowie ein Mädchen dazwischenkommt, wird es kompliziert.

Die Coming-of-Age-Geschichte hat einen starken Start, man fühlt sofort die Verbundenheit mit den Jugendlichen und wenn ihre Spiele dann gefährlicher werden, sitzt man förmlich auf der Sesselkante und möchte gar nicht hinsehen. Die Entwicklung, die Josh nach dem "Unfall" durchmacht, lässt sich für den Zuschauer jedoch genau so wenig nachvollziehen wie für seinen Freund Zach. Das macht die immer distanzierter werdende Beziehung zwischen den beiden Charakteren zwar glaubhaft, gleichzeitig entwickelt man jedoch auch eine Distanz zum Film selbst, der lange auf der Stelle zu treten scheint, bis er in einem dann doch unerwarteten Ausbruch mündet. Insgesamt also ein zweischneidiges Schwert.
Herr_Kees
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

08.09.2017, 23:22


Review

von Blade
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Super Dark Times wurde irgendwo als diesjähriger Donnie Darko beschrieben und obwohl ich die Parallelen durchaus nachvollziehen kann, sollte man die beiden Filme nicht zu nah beieinander stellen. Ist Donnie Darko mit seiner übernatürlichen Zeitreise-Komponente doch weitaus komplexer als das, was uns in Super Dark Times dargeboten wird. Da ich mit Donnie Darko aufgewachsen bin, legt so ein Vergleich die Messlatte natürlich trotzdem sehr hoch an und ich war durchaus skeptisch bevor ich mehr oder weniger blind eine Karte gelöst hab.

Wie sich jedoch herausstellt, ist diese Skepsis völlig unbegründet, denn herausgekommen ist ein definitiv herausragender Film, der mit wunderschönen Bildern in Szene gesetzt wird und großartiges Schauspiel von einem jungen Cast bietet, welcher in Sachen Authentizität und Realismus dem Cast vom gestrigen It Remake in Nichts nachsteht.

Der Eindruck, den der Film auf mich hinterlassen hat, lässt sich wohl am besten als eine Art Seil beschreiben, dass um mich gelegt, mit einem Knoten zugebunden und über die Laufzeit immer weiter zugeschnürt wurde, bis ich kurz vorm Zerbrechen war.

Nachdem ich das Kino verlassen hatte, gingen mir schlagartig Gedanken zu einer Art Kreis Symbolik durch den Kopf, die der Film ziemlich clever darbietet. Das Ganze wird deutlich etwa durch viele Close-Ups von runden Gegenständen wie einem Duschabfluss, einem tragbaren CD-Player oder einem runden Deckeneinlass in einem Laden. Es ist fast so, als möchte der Film, dass man über den "Kreislauf des Lebens" nachdenkt, ohne dass er einen direkt mit der Nase drauf stoßen will.
Blade
sah diesen Film im Savoy, Hamburg - Original-Review

08.09.2017, 23:57


It's a Mad Mad World

von Frank
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SUPER DARK TIMES zeichnet von Beginn an mit wenigen gut ausgewählten Bildern ein präzises Bild von den Tagen Heranwachsender zwischen Entdeckungslust, Daseinsfrust, Hingabe und Widerstand, Verschlossenheit und Verletzlichkeit.
Die vier postpubertierenden Jungs leben in den 90ern nahe einer Kleinstadt und machen, was man eben so macht in dem Alter: Unsinn reden, Verbotenes ausprobieren, ihre Wirkung auf Mädchen testen. Und dann passiert etwas..

Was wurden wir heiß gemacht auf diesen Film mit den verwirrenden DONNIE DARKO-Vergleichen, Aussagen wie "jetzt schon ein Klassiker" usw. Vermutlich wäre ich ohne diese Vorschusslorbeeren nicht einmal auf ihn aufmerksam geworden. Nun, wenn hier schon mit Vergleichen begonnen wurde, fange ich mal damit an:

Schon mit seinen ersten Bildern – Morgendämmerung, Hügel, Fahrräder – sind bzgl. der visuellen Gestaltung und der Atmosphäre zwar Ähnlichkeiten zu DONNIE DARKO offensichtlich, und auch im weiteren Verlauf erinnert er in manchen Situationen und der Auswahl mancher Bilder an jenes Meisterwerk. Dass er als Gesamtes aber weder dessen Qualität und Komplexität erreicht noch seine Atmosphäre und Stimmung trifft, liegt vor allem am Drehbuch, das nicht die Vielschichtigkeit seines Vorbildes aufweist und schlicht eine andere Geschichte erzählt, sowie am unterschiedlichen, weniger poplastigen Soundtrack.

Zum Drehbuch: Bei SUPER DARK TIMES fehlt die Ausprägung einer mysteriösen Ebene. Sie wird vernachlässigt, nur angedeutet und nach einer Traumsequenz nicht weiter vertieft. Sie läuft ins Leere und lässt den Zuschauer mit einem Fragezeichen zurück, allerdings nicht von der Art, die bei DONNIE DARKO zum Rätseln und Grübeln einlädt, sondern eher so, dass man es schnell vergisst und als "war wohl nicht so wichtig" abtut. Die ganze Zeitreise-Komponente fehlt hier ja auch.

Der zweite Schwachpunkt des Drehbuchs (unabhängig von einem Vergleich) ist das für Zach wie für den Zuschauer schwer nachvollziehbare Verhalten von Josh (super gespielt von Charlie Tahan) und die weitere Entwicklung der Beziehung zwischen den Beiden. Hier findet leider eine Entfremdung auf drei Ebenen statt; einmal auf der Konfliktebene des Plots zwischen den beiden Freunden, dann auf der Rezeptionsebene zwischen Josh und dem Zuschauer, für den Joshs Verhalten psychologisch zunehmend schwerer zu begreifen ist. Und letztlich stilistisch-dramaturgisch, wenn die psychologischen Ansätze in physischem Ausdruck versanden und in einem weniger befriedigenden Ende gipfeln. Ich denke, dass an diesen Punkten seitens des Drehbuchs nicht das Beste herausgeholt wurde.

SUPER DARK TIMES weist dennoch zahlreiche Qualitäten auf, so dass mich seine faszinierende, mitunter magische Atmosphäre voll unterschwelliger Spannung sehr vereinnahmt hat. (Wenn auch nicht über die gesamte Laufzeit.)

Der Film hat einem hervorragenden, superb spielenden Jugend-Cast. Wie machen die das bloß immer, solch starke Ensembles junger Schauspieler zusammenzustellen? Z. B. Elizabeth Cappuccino mit ihrer beeindruckenden Ausstrahlung. Es genügen wenige charismatische Bilder von ihr. Für die Jugendlichen, besonders für Josh, hat sie etwas anbetungswürdiges, irgendwo zwischen heißem Jugendtraum und rettendem Engel. Als sehr gelungen sehe ich auch die Darstellung des Mutter-Sohn-Verhältnisses an. Owen Campbell und Amy Hargreaves gaben eine überzeugende Vorstellung. Da gab es sehr viel Subtext, Gesten. Und dann die oben schon erwähnte eindrucksvolle Performance von Charlie Tahan, der seiner Figur mit viel Dynamik und subtilem Gespür mehr und mehr Boshaftigkeit verleiht.

Ben Frost hat dazu einen stimmigen, leicht kühlen, manchmal düsteren Score geschrieben, der die emotionale Verlorenheit der Protagonisten betont. Synthie-Einsatz und Elektro-Stilistik prägen den Sound, soweit ich das erinnere. Es finden sich, glaube ich, aber auch musikalische Elemente aus Ambient und Rock darin. Müsste ich mir nochmal anhören, um das sicher sagen zu können. Mir hat der Soundtrack jedenfalls während des Films gut gefallen. Er kreiert allerdings eine ganz andere Stimmung als der von D.D.

Nach BLADE OF THE IMMORTAL nun schon der zweite Schwertkampffilm dieses Jahr :) und ebenfalls ein stark fotografierter. Der Fokus der Kamera auf kreisförmige Objekte - CD-Spieler, das Loch in der Decke während der Traumsequenz, Fahrradfelge u.a. ist mir auch nicht entgangen. Es scheint plausibel, dieses Stilmittel mit dem Werden und Vergehen in Verbindung zu bringen.

SUPER DARK TIMES ist ein wunderbarer Coming-of-Age-Film geworden mit emotionalem Thrill, viel Atmosphäre, hervorragenden Darstellern, stimmungsvollen Bildern und einem passenden Score. Nur einen zweiten Donnie Darko sollte man nicht erwarten.
Frank
sah diesen Film im Savoy, Hamburg

17.09.2017, 03:24


Die Freundschaft in den Zeiten des Discmans

von D.S.
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Die 90er. Kein so super schönes Jahrzehnt, vor allem in kultureller und ästhetischer Hinsicht aber lange nicht so gruselig wie die 80er. Und von der gegenwärtigen Popkultur auch lange noch nicht so ausgeschlachtet wie ebenjene. Wer an die 80er denkt, der weiß mittlerweile, woran er da zu denken hat. Und bei den 90ern? Hmm. Vielleicht an den Discman?

Tatsächlich lässt sich SUPER DARK TIMES längst nicht so klar in einer bestimmten Epoche verorten, wie das bei anderen vergangenheitszentrierten Jugendfilmen jüngerer Zeit der Fall ist. Ich will hier ja gar nicht schon wieder den unvermeidlichen DONNIE DARKO erwähnen, mit dem SUPER DARK TIMES ohnehin nur sehr wenig gemein hat und dessen Nennung vollkommen falsche Erwartungen weckt. Und der übrigens inzwischen auch schon 16 Jahre alt ist. Nehmen wir stattdessen zum Beispiel nur STRANGER THINGS oder auch IT (2017): Dort werden die 80er aus jeder Pore geatmet. Dass SUPER DARK TIMES Mitte der 90er spielt, lässt sich dagegen konkret an wenig mehr als einer Clinton-Rede im Fernsehen und dem genannten Discman festmachen. Speziell der Soundtrack ist in dieser Hinsicht enttäuschend; bekannte Musik des Jahrzehnts fehlt komplett, dafür gibt es gleich mehrere Songs aus den 80ern zu hören (u.a. von Black Flag und Wire).

Aber auch in seiner Stoßrichtung ist der Film längst nicht so klar definiert, wie man zunächst glauben möchte. Ja, es geht um das Hintersichlassen der Kindheit, das "erwachsene" Übernehmen von Verantwortung im Angesicht ernsthafter Probleme, es geht um Freundschaft und was sie ausmacht. Aber gerade letzterer Aspekt wird hier in gewisser Hinsicht mehr behauptet als gezeigt: Zach (Owen Campbell, THE AMERICANS) und Josh (Charlie Tahan, WAYWARD PINES) führen zu Beginn der Handlung zwar typische Jungsgespräche, hängen zusammen rum und sind in dasselbe Mädchen verknallt. Aber wie beste Freunde, die eine gemeinsame Vergangenheit wirklich verbindet und die füreinander durchs Feuer gehen würden, wirken sie nicht.

Dementsprechend kann ihre auf den ersten tragischen Höhepunkt des Films folgende fortschreitende Entfremdung voneinander den Zuschauer auch kaum emotional treffen – so er sie denn überhaupt richtig mitbekommt, denn im Fokus der Handlung stehen zunächst mal diverse andere Dinge. Zu viele, vielleicht. Fast folgerichtig wirkt die Eskalation im Finale nicht unbedingt nachvollziehbar; ja, da ausreichende Erklärungen fehlen, fast sogar komplett unglaubwürdig.

Die Entwicklung der Handlung wird von zwei Personen getrieben. Der Film konzentriert sich jedoch nur auf eine davon. Da es aber um Freundschaft geht... oder etwa doch nicht? ... fehlt dem Gezeigten ein Standbein.

Wirklich erschüttern konnte mich SUPER DARK TIMES deshalb nicht, verzaubern wie (da ist er dann doch wieder) DONNIE DARKO ohnehin nicht – woran neben der hier fehlenden "magischen Ebene" übrigens auch die Filmästhetik Schuld trägt. Die ist nämlich leider Videoästhetik.

Dennoch handelt es sich um einen guten, sehenswerten Film mit einigen sehr intensiven Momenten, der von tollen Darstellern getragen wird und uns in eine spezifische, geschlossene Erlebniswelt versetzt. Den falsch geschürten Erwartungen wird er jedoch nicht so ganz gerecht und verblasst mit den letzten Einstellungen sogar fast etwas in der Beliebigkeit. Deshalb von mir "nur" 7 von 10 Punkten. Hatte mir mehr erhofft.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

17.09.2017, 04:36


Einschneidende Jugenderinnerungen

von Zwerg-im-Bikini
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Manchen Filmen wird ein zu großer Hype zum Verhängnis. Als SUPER DARK TIMES für das Fantasy Filmfest angekündigt wurde, las ich von großen Erwartungen und Vergleichen zu DONNIE DARKO und STAND BY ME. Letzten Endes schnitt er nicht so gut bei den Bewertungen ab, wie ich gedacht hätte. Damit man nicht so leicht enttäuscht ist, möchte ich deshalb zuerst etwas hierzu klarstellen...

SUPER DARK TIMES hat bis auf das Schul-Setting und die düstere Optik nichts mit DONNIE DARKO gemeinsam. Verstörte Teenies in Kapuzenshirts machen halt noch keinen Kultfilm. DONNIE DARKO ist für mich der Inbegriff von Mindfuck und verschwurbeltem Mystery, und das gibt es hier nicht. Stattdessen handelt es sich um einen zwar spannenden, aber in der Realität verwurzelten und nicht kompliziert zu verstehenden Thriller. Es geht um eine Freundschaft, die durch einen tragischen Vorfall auf die Probe gestellt wird. Coming of Age mit einem Schuss Horror. Bis auf die erste und letzte Szene, zu denen ich mir inzwischen einige eher absurde Theorien zurechtgesponnen habe, hatte ich nicht das Gefühl, dass es viel herumzuinterpretieren gibt.

Mir haben die Darsteller sehr gut gefallen, die es tatsächlich schaffen, die Jugendlichen authentisch wirken zu lassen. Nur die Entwicklung eines bestimmten Charakters war für mich leider nicht ganz so gut nachvollziehbar. Außerdem hat dieser Film von der Kameraführung her die große Leinwand verdient. Schade, dass es wahrscheinlich zu keiner regulären Kinoauswertung kommen wird, weil sich Netflix die Rechte gesichert hat. Zuletzt will ich noch lobend erwähnen, dass die Geschichte zwar in den späten 90ern spielt und man das auch deutlich merkt, man es aber nicht zu penetrant aufs Auge gedrückt bekommt. Insgesamt hat mir die Stimmung sehr gut gefallen, aber vielleicht spielt da auch etwas unterschwellige Nostalgie für diese Zeit mit, weil ich damals etwa so alt gewesen sein dürfte wie die Protagonisten. Ich sehe gar nicht ein, weshalb ich heutzutage keine T-Shirts mehr über Pullis ziehen soll...
Zwerg-im-Bikini
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt - Original-Review

18.09.2017, 00:45




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