von Fans für Fans

Tales from Earthsea

Debüt von Miyazaki junior

von Herbert.West
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Eigentlich sollte Hayao Miyazaki persönlich Regie bei diesem Film führen, aber weil er noch mit "Howl's Moving Castle" beschäftigt war, nahm stattdessen sein Sohn Goro auf dem Regiestuhl Platz. Der Film ist Goros Debüt, und er ist etwas enttäuschend ausgefallen. Natürlich sind die Fußstapfen des legendären Vaters so riesig, dass man nicht erwarten konnte, dass sein Sohn sie ausfüllen würde. Aber "Tales from Earthsea" bleibt auch hinter dem Niveau, das man sonst vom Studio Ghibli gewohnt ist, zurück.

An der Vorlage an sich kann es nicht liegen, denn Ursula K. Le Guins Fantasy-Reihe gehört zu den Klassikern des Genres. Es hapert an der Umsetzung. Erst einmal fehlt die Magie, die man von den Filmen von Miyazaki senior gewohnt ist. Weiterhin ist das Drehbuch schlecht entwickelt. So verlaufen viele Handlungsfäden im Nichts, viele Fragen bleiben unbeantwortet, und es gibt nur sehr wenig Charakterentwicklung. Zwar ist "Erdsee" an sich nicht so episch angelegt wie "Der Herr der Ringe", aber der Film an sich ist unnötig "small scale" bzw. "anti-episch". Die Armee der Bösewichte besteht z.B. nur aus insgesamt fünf oder sechs (!!) Soldaten, die sich zudem so trottelig verhalten, dass es sehr merkwürdig ist, dass alle Welt vor ihnen Angst hat.

Trotzdem ist der Film keinesfalls schlecht und unterschreitet ein gewisses Mindestniveau nicht. Obwohl er unnötig langsam ist, wird er dennoch nicht langweilig, und der sehr gute Soundtrack reißt auch noch was raus. Zudem ist der Ghibli-Zeichenstil immer wieder eine Freude. Interessant ist noch, dass diejenigen, die "Eragon" gelesen oder gesehen haben, "Erdsee" jedoch zuvor noch nicht kannten, zahlreiche Déjà-vu-Erlebnisse haben werden. Denn "Eragon"-Autor Paolini hat sich derartig schamlos bei der Saga (und außerdem natürlich noch bei "Herr der Ringe" und "Star Wars") bedient, dass einem schlecht werden könnte.
Herbert.West

22.07.2007, 14:12


Spirited Away, but too far.

von Timo
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Ob sich Goro Miyazaki (Sohn des legendären Hayao) hiermit einen Gefallen getan hat? Ich weiß ja nicht. TALES FROM EARTHSEA wurde damals für Hayao angelegt. Dieser steckte zu dem Zeitpunkt aber noch in den Dreharbeiten für HOWL'S MOVING CASTLE, weswegen sein Sohn den Regiestuhl übernahm. Das tückische an EARTHSEA ist, dass er stellenweise wirkt wie ein Film des Vaters. Das liegt natürlich am üblichen Ghibli-Zeichenstil, aber auch an der wunderschönen Musik. Nur das Herz des Films schlägt nicht so laut wie beispielsweise bei MONONOKE, CHIHIRO und TOTORO. Natürlich sind die Erwartungen hoch, wenn ein Film aus dem Hause Miyazaki stammt. Deswegen sollte man mit dem Regiedebüt des Sohnes auch nicht all zu hart ins Geicht gehen.

Schöne Seiten hat der Film allemal. EARTHSEA erzählt eine Geschichte von Leben und Tod, wie wichtig es ist, beide Seiten der Medaille zu akzeptieren, um sein Leben lebenswert zu machen. (Minimal vergleichbar mit Aronofskis THE FOUNTAIN, wenn auch nur im Ansatz.) Diese Thematik kann der Film durchaus transportieren. Es sind andere Punkte, welche stören: Die Geschichte wird unnötig langsam vorgetragen. Man hätte das Ganze viel rasanter gestallten können, ohne Kompromisse einzugehen. Zum anderen schneidet EARTHSEA einige Eckpunkte nur grob an: Der Subplot um die Drachen wirkt somit ein wenig konfus und formlos. Wir bekommen darüber nicht wirklich viel erzählt, was im Hinblick auf die Charakterentwicklung von Theru sehr schade ist. Ähnlich wie in HOWL'S MOVING CASTLE müssen wir zu viel ohne Erläuterung hinnehmen, was schon irgendwie den faden Beigeschmack von Effekthascherei mit sich trägt.

Das größte Manko für mich war jedoch, dass EARTHSEA der mystische Zauber anderer Ghiblifilme fehlt. Bestes Beispiel dürfte hier wohl CHIHIRO sein, in dem man gar nicht genug von dieser wundervollen, phantastischen Welt bekommt. Hier ist die Welt, trotz zahlreicher Fantasyelemente, eher unspektakulär ausgefallen. Und doch - ich kann es nicht anders sagen - ist TALES FROM EARTHSEA ein typischer Ghiblifilm. Das rettet Goro Miyazakis Film auch vor dem Durchschnitt. Die Charaktere sind interessant, die Musik ist traumhaft. Und uninteressant ist die Geschichte ja keineswegs. Für ein Debüt durchaus in Ordnung. (Was wieder einmal die These bestätigt: Auch ein schlechter Ghibli ist noch ein guter Film.)
Timo

30.07.2007, 08:53


Ein neuer Anfang

von T-Killa
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Goro Miyazaki fängt da an, wo auch sein Vater angefangen hat: bei der Story. Die Handschrift von Studio Ghibli ist deutlich zu erkennen, jedoch nicht auf dem unglaublichen Niveau des Vaters. Es fehlt (noch?) die Liebe zum Detail. Die Hintergründe wirken fade (die Wolken fand ich schrecklich!), die Effekte sind schlicht, und das Tempo eher langsam. Auch fehlen die kleinen, heiß geliebten Nebencharaktere, die die Handlung etwas auflockern. Leider hat auch der Soundtrack bei weitem nicht das Niveau, das man zuletzt gewohnt war.

Auch wenn es sich in einigen Reviews so anhört (Verweis auf Eragon), und im Trailer so aussieht, als ob es hier um Drachen geht, kommen diese Fabelwesen kaum vor.

Dennoch ein recht guter Einstieg von Goro Miyazaki.
T-Killa
sah diesen Film im Metropol 1, Stuttgart

30.07.2007, 11:35


Review

von asta
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Story und Charaktere sind bekannt: Guter Zauberer, böser Zauberer, Königssohn...

Kaum sind die Protagonisten vorgestellt, geht es auch schon los. In Heidigrafik traben die Helden über die Weite des Landes und quatschen die Bösewichter zu Tode.

Also wirklich, so viel Gelaber kann man auch als Hörbuch machen, da braucht man doch keine Standbilder dazu zu zeigen. Es weiß doch eh jeder, wie's ausgeht, muss man doch nicht zwei Stunden drumrum diskutieren.
asta
sah diesen Film im Metropol 1, Stuttgart

30.07.2007, 13:26


Review

von Michaela
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Ich weiß ja nicht, ob es daran lag, dass es der dritte Film war, oder ob es an den Stühlen im City lag, der Film dauerte gefühlte drei Stunden. Das ist der einzige Nachteil, er ist ein wenig lang.

Ansonsten hat mir diese mehr oder wenig komprimierte Herr der Ringe ähnliche Geschichte gut gefallen. Vergleiche zu bisherigen Ghibli-Filmen kann ich nicht machen, da ich die nicht kenne. Fand den Film, vor allem bezüglich der Hintergrundbilder, sehr gut gemacht. Ein schöner Fantasyfilm.

Was mich jedoch ziemlich störte, war in diesem Fall die Originalsprache, Japanisch. Mit der irisch anmutenden Geschichte und Filmmusik und den doch westlich aussehenden Figuren hätte ich Englisch bevorzugt. Aber mei.
Michaela
sah diesen Film im City, München

31.07.2007, 09:38


Miyazaki light

von FFFler
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Scheinbar kann man sich auf die Gleichung "Ghibli = Toller Animationsfilm" doch nicht immer verlassen, so ist das Regiedebut von Hayao Miyazakis Sohn ganz schön in die Hose gegangen. Es leidet vor allen Dingen an seiner viel zu einfachen Geschichte, die den Zuschauer nie fasziniert oder auch nur ansatzweise Spannung aufkommen lässt. Die Animationen sind unter dem von dem Studio gewöhntem Standard und das wundervoll märchenhafte will auch nur selten auftreten. Das hört sich jetzt schlimmer an als es ist, aber hier hat mir wohl mehr meine Erwartungshaltung einen Strich durch die Rechnung gemacht ... schwer enttäuschend.
FFFler
sah diesen Film im Metropolis 6, Frankfurt

11.08.2007, 07:46


A falcon flies alone, soaring in the wind

von lexx
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Sprachlos war ich, sprachlos bin ich, was Goro Miyazaki hier mit ganzer Herzensliebe erschaffen hat, lässt sich für mich schwer in Worte fassen. Nach den durchschnittlichen Bewertungen bei f3a, waren meine Erwartungen relativ niedrig angesetzt, umso mehr bin ich überrascht, wie sehr dieser Film selbst meine kühnsten Hoffnungen noch übertroffen hat. Zu erklären ist dies mit meiner großen Vorliebe für niveauvolle, ernsthafte, atmosphärische und realistisch anmutende Fantasy Geschichten, die in etwa so häufig auf Zelluloid gebannt werden, wie man Drachen über unsere Köpfe flattern sieht. Tales from Earthsea ist in jeder Hinsicht atemberaubend, solche traumhaft schönen Landschaftsbilder habe ich noch bei keinem Ghibli Meisterwerk erleben dürfen, gepaart mit etlichen ausufernden Zeitspannen, in denen der Zuschauer aus einer Symbiose von klassischer Musikuntermalung per Excellenze und irisch, mittelalterlichen Landschaftsbildern, geradezu in einen Rausch versetzt wird. Und als würde dies nicht bereits genügen den Zuschauer zu verzaubern, setzt uns der Film zudem allerliebste Hauptcharaktere vor, deren Texte steht's tiefgründig zu bewegen wissen, und sich in jeder Hinsicht der Aura der dargebotenen Bilder mehr als würdig erweisen. Ich bin wirklich begeistert mit welcher sensiblen Feinarbeit Goro Miyazaki diese Geschichte umgesetzt hat. Wer hier die vielen verrückten Ideen von Spirited Away oder die Action geladene Geschichte von Princess Mononoke vermisst, der hat - so leid es mir tut - einfach nicht die Essenz dieser Perle erkannt. Tales from Earthsea ist weniger ein unterhaltsamer Anime, der in standardisierte Formen gegossen wurde, viel mehr erlebt der Zuschauer eine Reise in eine Welt, die unserer sehr ähnlich ist und nur mit wenig Hokuspokus versetzt ist. Das ist eine Formel, aus der Magie entsteht. Fantastische Elemente werden sparsam aber effektvoll eingesetzt, so hält man die Zauberflamme am brennen und dämmt nicht durch übertriebenen Einsatz die Wirkung. Ich muss es so direkt schreiben und ich schreibe es gerne, gegenüber Tales from Earthsea wirkt der Herr der Ringe Film wie eine Fast Food Abfertigung. Endlich habe ich meine Fantasy Referenz gefunden, auf die ich nach dem Letzten Einhorn Film so lange gewartet habe. Etwas Kritik muss sich jedoch auch Tales from Earthsea gefallen lassen. Mr. "ich ziehe mir einen dämlichen Fliegerhelm über und mache einen auf lächerlich böse" hat eher die Wirkung einer Erbse unter der holden Matratze einer zarten Prinzessin, ist einfach immens deplatziert und nervt. Aber ohne diesen Störfaktor wäre dieser Film einfach zu perfekt geworden, so viel Glück war mir noch nie vergönnt.

Als Fazit muss ich bei den ganzen durchschnittlichen Bewertungen hier jedoch eine Warnung vorweg schicken. Der Film scheint eine ganz spezielle Ader bei mir zu treffen, ich war einfach mehrfach ungemein bewegt und völlig hingerissen, dass mir gewisse Schwächen vielleicht gar nicht erst aufgefallen sind, bzw. auffallen wollten. Ich habe mich einfach darauf konzentriert, was diesen Film ausmacht und mich davon verzaubern lassen. Es wird sehr viel geredet und philosophiert. Allerdings auch ebenso oft geschwiegen, einfach um die Szenen wirken zu lassen und nicht platt zu reden. Daraus zieht der Film einen nicht gerade Mainstream konformen Reiz, dem man sich hingeben muss.
Tales from Earthsea atmet definitiv das leidenschaftliche Ghibli Herz, kommt aber doch ganz anders daher, als man es von seinen Artgenossen gewohnt ist. Die Grafiken sind traumhaft schön, die Musik absolut bezaubernd und ergreifend, die Charaktere liebevoll, sympathisch und realistisch. Bei dieser meisterhaften Ausarbeitung wirkt die Geschichte fast nebensächlich, bleibt aber trotzdem jederzeit interessant und unterhaltend. Alles in allem ist Tales from Earthsea daher ein überragendes Film Erlebnis, welches man unbedingt im Kino gesehen haben muss. Spätestens jetzt muss ich mir zwingend überlegen eine Ghibli Tätowierung machen zu lassen, irgendwie muss man sich ja erkenntlich zeigen.*s*

Als Bonus gibt es noch ein kleines Gedicht aus einem Lied, vorgetragen von einem kleinen Mädchen, einsam stehend auf einem Hügel, beobachtet von einem Jungen, dem die Tränen in den Augen standen. Der sicherlich ergreifendste Moment im ganzen Film, das hat sicher nicht nur der Junge so empfunden.

Far, far above the clouds, against the setting sun
A falcon flies alone, soaring in the wind
I hear his lonely cry, so sad must he be
Riding the silent wind, a falcon flies alone
Reaching out with his wings, grasps the empty sky
Riding the silent wind, never can he rest
What it is within my heart, none can ever know
A heart like a falcon's, is this very heart
What it is within my heart, none can ever know
Lonely falcon in the empty sky
I walk alone along, deserted country roads
Walking with me side by side, you are always there
I feel your loneliness, lonely you must be
Crickets whispering, in the grassy fields
You walk there by my side, you walk the path with me
But you never say a word, never do you speak
What it is within my heart, none can ever know
Here inside this heart, that walks its path alone
What it is within my heart, none can ever know
The sadness of one, who always is alone
lexx
sah diesen Film im Metropolis 6, Frankfurt

19.08.2007, 14:19




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