von Fans für Fans

Vidar the Vampire

Jesus F... Christ

von Michaela
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Vidar ist ein hart arbeitender Farmerssohn, der unter der Fuchtel seiner Mutter steht und braver Christ ist. Einer, der nie eine Freundin haben wird. Also schickt er ein Stoßgebet zu Jesus, damit dieses dröge Leben ein Ende hat. Jesus erhört sein Gebet und verwandelt ihn in einen Vampir. Vidar hadert mit seinem neuen Dasein und will auch mit Jesus nichts mehr zu tun haben, da der ihn nur vom rechten Weg abbringt. Klingt alles ein wenig schräg, ist es auch. Manche kleinen Szenen erinnern an große Vorbilder wie Nosferatu, Dracula oder Near Dark. Vidar sehe ich jetzt nicht als klassischen Vampirfilm. Hauptsächlich geht es dann um die Zerrissenheit von Vidar, der bisher ja nur ein einfacher Kerl war und dem jetzt plötzlich die ganze Welt zu Füßen liegen soll. Es wird gezeigt, wie er mit dieser Verantwortung bzw. Möglichkeit umzugehen zu lernen versucht und dabei unterschiedliche Versuche unternimmt, z. B. mithilfe eines Psychiaters oder den Anonymen Alkoholikern.

Die Rolle der Kirche ist oft auch ein Thema in Vampirfilmen. Dies ist hier nicht anders, im Gegenteil, hier werden einem die Bibel und diverse biblische Parabeln dermaßen verquer um die Ohren geschlagen, dass kirchliche Proteste eigentlich nicht ausbleiben dürften.

Insgesamt ist der Film nett, teilweise witzig, berührend und eben von Fresh Bloodlern gemacht. Sieht man dem Film an, schadet aber nicht. Es sind genau solche Filme, die ein Festival bereichern.

Allererste Sahne ist allerdings der Soundtrack mit Liedern der norwegischen Band General Fersamling.
Michaela
sah diesen Film im Cinemaxx, München

08.09.2017, 02:06


Therapie für einen Vampir

von Herr_Kees
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Gedreht über die Dauer von sieben Jahren mit einem Budget von 50.000 Dollar (laut Rosebud) – da gibt es deutlich schlechtere Debüts, siehe auch den Genrebeitrag RENDEL aus dem finnischen Nachbarland.

VIDAR beginnt witzig, charmant und einfallsreich. Die Geschichte des unerfahrenen norwegischen Bauersjungen, dessen Gebete nach dem echten Leben mit möglichst leichten Mädchen (bitte 20+) auf ungewöhnliche Weise erhört werden, hat Potenzial, die Rahmenhandlung des Therapiegesprächs ist stimmig und die musikalische Begleitung mit den lakonischen Folksongs von General Fersamling gibt dem Film einen ganz eigenen Charakter.

VIDAR ist denn auch keine reine Komödie, sondern findet immer wieder alptraumhafte, beklemmende und unheimliche Bilder und Szenen. Doch bald wird klar, dass der Film über diese Momentaufnahmen hinaus keine wirkliche Geschichte zu erzählen hat, was dann zu einigen Längen führt und schließlich in einem recht abrupten und wenig befriedigenden Ende mündet. Es hätte so ein schön eigenartig verquerer Film werden können. Vielleicht im nächsten Leben?
Herr_Kees
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

09.09.2017, 23:38


Review

von André Hecker
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Nach 'What We Do in the Shadows' und 'I Had a Bloody Good Time at House Harker' präsentiert das Fantasy Filmfest eine weitere Vampirkomödie - Vidar the Vampire. Die norwegische Produktion zeigt sich mit klassischem, nordischen Humor, immer etwas trocken und durchaus skurril.

Regisseur und Hauptdarsteller Thomas Aske Berg verkörpert den erfolglosen Milchbauern Vidar, der zufällig von einem Vampir gebissen wird, sehr gut. Wobei man doch sagen muss, dass es sich hier um keine reine klassische Komödie handelt, denn eine ganze Menge Drama und etwas Melancholie sind definitiv auch vorhanden, wenn Vidar daran verzweifelt, dass er nicht mal als Vampir Erfolg im Leben haben kann.

Eher skurril und absurder als die eingangs genannten Filme, macht Vidar the Vampire durchaus Spaß, wenn man sich auf die nordische Machart einlässt. Zudem ist er teilweise recht obszön, was nicht jedem gefallen muss, im Kontext aber absolut passt. In jedem Fall ist es recht bemerkenswert, was die Norweger mit recht geringem Budget geschaffen haben und spätestens bei Vidars Definition von Jesus Christus werden überzeugte Christen schockiert vor dem Bildschirm sitzen.
André Hecker
sah diesen Film im Savoy, Hamburg - Original-Review

13.09.2017, 13:04


Jesus sent me

von D.S.
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Mit THERAPIE FÜR EINEN VAMPIR konnten wir bereits beim FFF 2015 eine Komödie sehen, in der ein Blutsauger einem Psychotherapeuten sein Herz ausschüttet. Die gleiche Rahmenhandlung bekommen wir auch bei VIDAR THE VAMPIRE geboten, der sich in seiner Tonalität aber vollständig von dem österreichischen Beitrag unterscheidet.

Tatsächlich ist der komödiantische hier nur ein Teilaspekt, ebensosehr ist VIDAR melancholisches Drama, Außenseiterstudie – und vehement blasphemische Groteske. Kirchenvertreter dürften bei einer Sichtung mitunter vor Wut knallrot anlaufen.

Aufseiten des gewöhnlichen Publikums dominieren zunächst jedoch durchaus die Lacher, wenn auf trockene Weise die skurrile Hintergrundgeschichte der Vampirwerdung des Dorfbauern Vidar erzählt wird, der mit 33 noch bei Mama wohnt und niemals eine Freundin haben wird. Je länger seine Erzählung jedoch andauert, desto stärker rücken teilweise regelrecht deprimierende Aspekte in den Vordergrund. Einsam- und Sinnlosigkeit kann man eben auch als Vampir nicht entfliehen. Vielleicht sogar erst recht nicht.

Zu einem echten Drama kippt VIDAR allerdings nie um, da ist regelmäßig schräge Situationskomik vor – sowie gelegentliche, erstaunlich düster und beklemmend inszenierte Ausflüge in Horrorszenarien.

So ganz weiß VIDAR also nicht, wo er eigentlich hin will. Wer eine typische Vampirkomödie erwartet, könnte herb enttäuscht werden. Wer auf eine Story hofft, die über die Schilderung des bereits im Trailer vorgestellten Status Quo hinausgeht, allerdings auch: sehr viel weiter entwickelt sich das Ganze nicht, das Ende des Films kommt adäquat plötzlich und bleibt unbefriedigend (wie auch bereits von Herr_Kees vermerkt).

Insgesamt gibt es von mir aber dennoch eine Empfehlung. Nicht für einen Partyfilm, aber für eine Charakterstudie, die doch deutlich neben der Spur des Gewöhnlichen liegt. 6/10 Punkten.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

17.09.2017, 03:34


Vampirsein ist kein Kinderspiel

von Leimbacher-Mario
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All Hail Thomas Aske Berg, der bei dieser bissigen Vampirkomödie aus Norwegen als Ein-Mann-Armee sein Herzensprojekt vorantrieb. Regisseur, Schreiber, Cutter, Vidar selbst, Macher, Allzweckwaffe - das ist seine Vision und die gefällt mir! Kritik an religiösem Fanatismus plus freche Lacher plus ehrliche Figuren plus X. Nordisch, schonungslos, politisch/religiös wunderbar unkorrekt. Eine Komödie, die im Genre funktioniert und zudem wirklich mal etwas zu sagen hat. Ob man mit dem konform geht ist eine andere Sache. Doch man muss Respekt zollen. Es geht um den unglücklichen norwegischen Farmer Vidar, der in seinen 30ern ist, noch bei Mama wohnt und mit seinem Leben alles andere als zufrieden ist. Doch dann kommt Jesus der Erlöser mit langen Schneidezähnen, der ihn in einen Blutsauger verwandelt, geheime Wünsche erfüllt und den guten Vidar zu eher jesusuntypischen Dingen anstiftet... die Befreiung für den verwirrten Mitdreißiger als Neuvampir?

"VampyrVidar" hat zwei Seiten und beide haben bei mir funktioniert. Die ernste, kritische vielleicht sogar noch etwas mehr. Er ist kein neuer "What We Do in the Shadows", aber mit seinem eistrockenen, perfekt getimeten, nordischen Humor, einem liebenswerten Vidar und blutiger Political Uncorrectness, kann diese melancholische Sause bei mir punkten. Explizit wenn er es sein muss, sowohl was nackte Haut und Körpersäfte angeht wie bei seiner nicht falsch deutbaren Message. Ich habe keine Ahnung was die Kirche bzw. das Christentum dem Regisseur und Tausendsassa angetan hat, jedoch kann es nichts Gutes gewesen sein. Und diese Ohrfeige und Rache sitzt. Ein Genremix, der tiefer geht als er jedes Recht hatte. Und damit meine ich nicht Vidars Beißer, die sich in weibliche Schambereiche bohren. Eher sein persönlicher Werdegang, seine Suche nach dem Glück, sein Hass auf den Glauben und seine grundehrliche Haut. Da bekommt man selbst etwas Wut auf Jesus Christ Vampirestar. Nur das Ende ist wenig befriedigend, wie ein Spaziergang eines Vampirs bei strahlendem Sonnenschein.

Fazit: Wundervolle Blasphemie - blutig, frech, mutig. Ein sympathisch-andersartiger kleiner Vampirgrinser, der etwas zu sagen hat. Kontrovers und mit Eiern mit Reißzähnen. Das mag die Kirche nicht, ich dagegen umso mehr. Und dazu muss man kein Atheist sein!
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

23.09.2017, 02:23




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