von Fans für Fans

Voice

Sounds of Silence

von todaystomorrow
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Das Programmheft sagt es ja eigentlich schon recht deutlich, aber vielleicht sollte man es trotzdem noch mal betonen: "Voice" ist ein sehr ruhiger, langsamer, leiser Film. Wie seine drei Vorgänger in der "Whispering Corridors"-Reihe - mit denen er thematisch und stilistisch eng verbunden ist, während er storyseitig jedoch (abgesehen vom Handlungsort, einer nicht weiter spezifizierten Mädchenschule), genau wie Teil 1-3, ganz für sich alleine steht - zielt er vorrangig auf ein poetisch-hypnotisches Erlebnis mit philosophischen Untertönen ab. Und auch, wenn diese hier zugunsten eines etwas größeren Handlungsgehalts inklusive Rätseln und Überraschungen ein wenig reduziert werden: man braucht schon ein gewisses Maß an Geduld, Ruhe und vor allem Willen, sich auf einen Film einzulassen, der sich Zeit läßt, seine Atmosphäre und sein fesselndes Moment erst nach und nach entwickelt.

In Frankfurt war der Film jedenfalls definitiv falsch plaziert: schon der Beginn um 22.30 Uhr war hier eher mal herausfordernd. Vor allem aber lief er im Anschluß an "Severance", und die actiongeile Masse war dadurch zweifellos auf eine andere Art Film gepolt. So machte sich schon nach ca. 15 Minuten "Voice" überall um mich herum ein Murren breit, das bald von lautstarkem Gähnen und schließlich sogar Schnarchen abgelöst wurde...

Und auch ich muß zugeben, daß ich mir in der ersten Hälfte des Films einige Male wünschte, er würde ein bißchen schneller zur Sache kommen. Ein klein wenig kürzer auf den traurigen großen Augen koreanischer Schulmädchen verharren, so anziehend ich die für gewöhnlich auch halte. Wo seine Vorgänger abseits der Story insbesondere immer wieder auch durch surreale, visuell sehr aufregende Bildwelten begeistern konnten, bietet "Voice" zudem recht wenig. Ein paar Momente der Bildverfremdung gibt es zwar auch hier (und im hinteren Teil des Films, dem Titel entsprechend, auch ein paar akustische Effekte), doch sie kommen zu selten und sind längst nicht so beeindruckend - und bieten darum kein "Gegengewicht" zur gemächlichen Storyentfaltung.

Diese beschäftigt sich, natürlich, wieder einmal mit den Grenzgebieten zwischen Leben und Tod. Und darüber hinaus mit Liebe, Freundschaft, Eifersucht, Verrat... ein "Coming of Age"-Drama im Mystery-Setting, alles wie gehabt. Allerdings wirkt eben jenes Setting in diesem Fall leider oft etwas zu konstruiert - womit die erwähnten philosophischen Untertöne in gefährliche Nähe zu belanglosem Kitsch geraten. So ist eine zentrale These in "Voice", daß Geister sich nur an das erinnern, woran sie sich erinnern wollen, und daß sie ihre Stimme verlieren, wenn niemand mehr an sie denkt. Hmm, das mag ja durchaus sein...und ist sicherlich ein schwerer Schlag für sie...aber mit der Übertragbarkeit dieser Thematik auf reale zwischenmenschliche Beziehungen (zwischen Lebenden, jedenfalls) ist es nicht so weit her - womit ein guter Teil der für "Whispering Corridors" so typischen Relevanz vieler Story-Aussagen auf einer Meta-Ebene leider vollkommen verloren gegangen ist.

Inhaltlich passiert aber eben auch nicht so schrecklich viel, zumindest zunächst nicht: der Film beginnt mit der mysteriösen, offensichtlich übersinnlich verursachten Ermordung der hübschen, gesanglich sehr begabten Schülerin Young-eon. Wir verfolgen dann über eine Spielzeit von fünf Tagen hinweg die Versuche von ihr (in Geisterform) und ihrer besten Freundin Sun-min, die sie zwar nicht sehen, aber sie nach wie vor hören und mit ihr kommunizieren kann, herauszufinden, warum und durch wen sie sterben mußte. Und erfahren im Zuge dessen vieles über das Verhältnis der beiden Freundinnen zueinander sowie über Young-eons bisheriges Leben...

Dabei hat "Voice" durchaus einige Überraschungen für seine Protagonisten und damit auch für uns parat, die sich allerdings sämtlichst erst im letzten Drittel offenbaren. Und auch, wenn der Film hier endgültig seine Untertöne einer "spektakuläreren" Storyentfaltung unterordnet, ist dieses definitiv sein stärkstes Drittel.

Was aber schon andeutet, daß die atmosphärische Seite des Films nicht so überzeugend ist, wie sie sein müßte (und in den Vorgängern war). Denn auch, wenn gewisse Stimmungen, die sich im Vorfeld aufgebaut hatten, hier nun kraftvoll entladen; wenn mysteriöse Andeutungen und Fragen, die uns zuvor rätseln ließen, hier nun aufgelöst und beantwortet werden; wenn der Film nun an Dramatik gewinnt und auf einen Höhepunkt zueilt: dafür hätte es die sehr lange Exposition und den sehr langsamen Aufbau nicht gebraucht. Dieser hätte nur Sinn gemacht, wenn er ein eigenständiges Ziel gehabt hätte - nämlich, uns zu hypnotisieren. Aber das gelingt "Voice" nie über längere Zeit. Dafür ist die Inszenierung zu statisch, dafür ist die Bildsprache zu konventionell.

So bleibt am Ende ein Film, der immer noch aus der Masse heraussticht - gerade, weil er so leise und interessant eigenartig ist. Jedoch vermag er nicht, völlig zu verzaubern, wie das etwa dem zweiten Teil der Serie, "Memento Mori", fast unnachahmlich gelang. Wer Ruhe und Geduld hat und auf plakative Schocks verzichten kann - und sich von ein paar Unglaubwürdigkeiten sowie insbesondere Überstilisierungen nicht stören läßt -, kann mit "Voice" durchaus lohnenswerte, weil ganz "eigene", 100 Minuten verbringen. Allen anderen sei eher abgeraten - die große FFF-Party findet hier jedenfalls nicht statt. 6 Punkte.
todaystomorrow
sah diesen Film im Metropolis 8, Frankfurt

27.07.2006, 03:43


VOICE

von bigJay
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Voice ist ein ruhiges koreanisches Teenager-Gruseldrama - das ich ehrlich gesagt nicht ganz verstanden habe... Gut, ich bin ein paar Mal kurz weggenickt, und um die späte Stunde fiel es mir nicht so leicht, mich auf die ruhige Stimmung des Films einzulassen. Aber dennoch, der Film punktet mit schönen stimmungsvollen Bildern - Leute, denen es nicht so sehr auf nachvollziehbare Geschichten ankommt (die Lynch-Franktion vielleicht), könnten ruhig mal einen Blick riskieren. Vielleicht muss man aber auch nur wacher sein, um Voice nachzuvollziehen...

Ich vergebe 6/10 Punkten für die schönen Bilder
bigJay

27.07.2006, 13:25


Wer die Vorgänger nicht mochte -> Finger weg!

von FFFler
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Nicht so schlimm wie Teil 1 und 2, da er zumindest von der Ausgangssituation Potential besitzt und in der ersten 3/4-Stunde durchaus zu gefallen weiß, doch dann geht der Film auf die Horrorschiene über und verliert, wie schon bei den ersten drei Teilen. Lieber eine ruhige Mysterygeschichte ohne großes Finale, dafür mit einer guten Auflösung, als das, was einem jedesmal mit der Whispering Corridors-Reihe angetan wird.
FFFler
sah diesen Film im Metropolis 8, Frankfurt

03.08.2006, 10:40




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Kommentar von reese :
Ein wirklich langweiliger Film, in dem ständig rumgesungen wird. Ausserdem war der Ton stellenweise wirklich übel.
13.08.2006, 10:12

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